Elektro-Strategie gescheitert – Honda warnt vor Milliardenverlust
Japans zweitgrösster Autobauer Honda wirft in den USA seine E-Auto-Strategie komplett über den Haufen: Aufgrund der «Verlangsamung des Marktes für Elektrofahrzeuge in Nordamerika» gebe man die Entwicklung und Markteinführung mehrerer Elektromodelle auf, die in den USA hätten hergestellt werden sollen, erklärte Vorstandschef Toshihiro Mibe.
Honda werde sich stattdessen stärker auf Hybrid-Autos konzentrieren, da deren Nachfrage in Nordamerika und anderen Regionen stark gestiegen sei. Das bisherige Ziel, bis 2040 nur noch Elektro- und Brennstoffzellenfahrzeuge anzubieten, sei «realistisch gesehen schwer erreichbar».
Dieser Strategieschwenk werde über mehrere Geschäftsjahre hinweg bis zu 2,5 Billionen Yen (12,3 Milliarden Franken) kosten. Allein für das laufende Geschäftsjahr werde ein Verlust von umgerechnet 2,08 bis 3,41 Milliarden Franken erwartet. Ursprünglich hatte Honda für 2026 mit einem Gewinn gerechnet.
Trumps Zölle und schwache E-Auto-Verkäufe in den USA treffen auch andere japanische Hersteller wie Nissan. Der kriselnde Autohersteller erwartet für das laufende Jahr einen Milliardenverlust.
Trump stürzt Autohersteller in die E-Auto-Krise
Donald Trump hat die staatliche Förderung der E-Mobilität gestrichen und damit auch andere Autokonzerne zu kostspieligen Kurskorrekturen gezwungen. In den vergangenen Wochen gaben daher bereits Ford, General Motors und Opel-Mutterkonzern Stellantis bekannt, dass sie ihre E-Auto-Ziele in den USA zurückfahren, die E-Auto-Produktion drosseln und wieder vermehrt auf Verbrenner-Modelle setzen. Dies ist ganz im Sinne der Trump-Regierung, welche das Rad zurückdrehen und die Fossil-Industrie fördern will.
Mit diesen veränderten politischen Rahmenbedingungen sehen zumindest einige Autohersteller keine Möglichkeit mehr, ihre E-Modelle profitabel in den USA zu verkaufen.
Auch Ford, GM und Stellantis ziehen den Stecker
General Motors wird eine Abschreibung von sechs Milliarden Dollar wegen Kürzungen in der Produktion von Elektroautos und Batterien verbuchen. Der GM-Erzrivale Ford hatte jüngst eine Abschreibung von 19,5 Milliarden Dollar für sein hochdefizitäres Elektroauto-Geschäft in Aussicht gestellt. Ford hat das vergangene Quartal mit einem Verlust von 11,1 Milliarden Dollar abgeschlossen. Wie Honda will Ford in den USA künftig verstärkt auf Hybrid-Modelle setzen.
Auch Stellantis ist angesichts eines teuren Umbaus weg von seinem US-Elektroautokurs tief in die roten Zahlen gerutscht. Unter dem Strich erlitt der Vielmarkenkonzern (unter anderem Citroën, Fiat, Peugeot, Chrysler, Jeep, Alfa Romeo, Opel) einen Verlust von 19 bis 21 Milliarden Euro. Schuld am Riesenloch ist die Kehrtwende in der Elektro-Strategie, die Stellantis einen Abschreiber von 22,2 Milliarden Euro eingebrockt hat.
Deutsche Autokonzerne wie VW, Mercedes und BMW verbuchten zuletzt ebenfalls Gewinnrückgänge, schreiben aber weiterhin schwarze Zahlen. Sie profitieren davon, dass sich E-Autos in Europa weit besser als in den USA verkaufen.
(oli/sda/dpa)
