Wissen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Juvénal Habyarimana, Hutu-Präsident Ruandas bis 1994, hatte einen Ex-Diplomaten aus der Schweiz als Berater Bild: wikipedia

Genozid in Ruanda 1994

Schweiz hätte in Ruanda vermutlich mehr tun können



Der Völkermord in Ruanda, der sich dieses Jahr zum 20. Mal jährt, schockierte 1994 auch die Schweiz. Die Schweizerische Entwicklungszusammenarbeit engagierte sich davor intensiv in Ruanda - und geriet deshalb in die Kritik. 

Vorgeworfen wurde der Schweiz eine zu grosse Nähe zur ruandischen Regierung, die für den Genozid von 1994 mitverantwortlich war. 

Der Völkermord in Ruanda begann am 6. April 1994 mit dem Anschlag auf Präsident Juvénal Habyarimana. Daraufhin töteten Soldaten und militante Hutu-Milizen nach Angaben der UNO innerhalb von wenigen Monaten bis zu 800'000 Tutsi

Die Schweiz sistierte im April 1994 wie viele andere Länder sämtliche Hilfsprojekte und zog ihre Mitarbeiter aus dem ostafrikanischen Land ab. In den folgenden Jahren engagierte sich die Schweiz aber mit Millionenbeträgen in der humanitären Hilfe, wie Giorgio Bianchi, Programmverantwortlicher der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) für die Region der Grossen Seen, sagt. 

«Die Schweiz fühlte sich Ruanda damals sehr nahe und die schweizerische Entwicklungshilfe verlor auch lokale Mitarbeiter.»

Giorgio Bianchi, Programmverantwortlicher DEZA

«Die schrecklichen Geschehnisse in Ruanda waren auch für viele Schweizerinnen und Schweizer ein Schock», fügt Bianchi an. «Die Schweiz fühlte sich Ruanda damals sehr nahe und die schweizerische Entwicklungshilfe verlor auch lokale Mitarbeiter.» 

In this photo taken Thursday, March 27, 2014, Mike Nkuzumuwami stands by the rows of human skulls and bones that form a memorial to those who died in the redbrick church that was the scene of a massacre during the 1994 genocide, and which he helps to look after, in the village of Nyarubuye, eastern Rwanda. Rwandans gathered in the nearby town of Kirehe Thursday to watch the arrival of a small flame, symbolic fire traveling the country as Rwanda prepares to mark 20 years since ethnic Hutu extremists killed neighbors, friends and family during a three-month rampage of violence aimed at ethnic Tutsis and some moderate Hutus, the death toll of which Rwanda puts at 1,000,050. (AP Photo/Ben Curtis)

Redbrick Church: 1994 Ort eines Massakers, heute eine Gedenkstätte. Bild: AP

Schweiz machte Ruanda zur «afrikanischen Bergbauerndemokratie»

Die Schweizerische Entwicklungshilfe begann sich bereits kurz nach Ruandas Unabhängigkeit 1962 im Land zu engagieren - der kleine ostafrikanische Staat war ein Schwerpunktland der Schweizerischen Entwicklungshilfe. «Ausschlaggebend dafür war die Kleinheit Ruandas: man erhoffte sich trotz beschränkter Mittel eine grosse Sichtbarkeit der Hilfeleistungen», sagt der Historiker Lukas Zürcher. 

«Man erhoffte sich trotz beschränkter Mittel eine grosse Sichtbarkeit der Hilfeleistungen»

Lukas Zürcher zum Schweizer Engagement in Ruanda.

Zürcher, dessen Dissertation über die Schweizer Entwicklungszusammenarbeit in Ruanda eben erschienen ist, bemerkt zudem: «Die Schweizer Entwicklungshelfer glaubten im hügeligen Ruanda eine afrikanische Bergbauerndemokratie ähnlich der Schweiz zu sehen.» 

Wunschvorstellung rasch von ruandischer Realität eingeholt

In den 1970er Jahren hätten die Schweizer Entwicklungshelfer die grosse Diskrepanz zwischen ihrer Vorstellung und der gesellschaftlichen Realität erkannt, sagt Bianchi. So hätten Ruander die Entwicklungshelfer gedrängt, nur Mitarbeiter einer bestimmten Ethnie einzustellen. 

Als sich die Spannungen zwischen den Hutu und Tutsi zu Beginn der 1990er Jahre verschärften, habe die Schweiz ihre Projekte reduziert und ihre Zusammenarbeit mit Ruanda jedes Jahr neu überprüft. Bis sie 1994 schliesslich sämtliche Projekte sistierte. 

Schwere Vorwürfe aus linkem Lager

Angesichts der langen Zusammenarbeit mit Ruanda kritisierten nach 1994 linke Kreise die Schweizerische Entwicklungszusammenarbeit. «Die Kritiker störten sich insbesondere an der Tatsache, dass die Schweiz dem bis 1994 amtierenden Präsidenten Habyarimana einen Präsidentenberater zur Verfügung gestellt hatte», sagt Zürcher.

«Tatsache, dass die Schweiz dem bis 1994 amtierenden Präsidenten Habyarimana einen Berater zur Verfügung gestellt hatte»

Zürcher erklärt, was Kritiker störte.

Ausserdem habe man der Entwicklungshilfe vorgeworfen, mit ihren Projekten zur Infrastruktur beizutragen, welche die Vorbereitung und Durchführung des Genozids vereinfachte. 

Auch Bund gibt sich selbstkritisch

«Die Schweiz hätte wahrscheinlich mehr tun können», gibt Bianchi zu. «Sie hätte die Politik besser analysieren und sich mit anderen Geberländern besser koordinieren können.» Doch er relativiert, der politische Einfluss der Schweiz sei gering gewesen. Ihr Anteil an der gesamten Entwicklungshilfe in Ruanda habe nur fünf Prozent betragen.

Der ostafrikanische Staat ist heute kein Schwerpunktland der DEZA mehr. Die DEZA ist aber im Rahmen ihres Programms für die Region der Grossen Seen in Ruanda aktiv. Laut Bianchi liegt der Fokus nun unter anderem auf der Stärkung demokratischer Prozesse. Die Schweiz überprüfe die politische Entwicklung genau und führe einen offenen Dialog mit Ruanda. (tvr/sda)

Das könnte dich auch interessieren:

Die Reaktionen auf Fox News legen eine schonungslose Wahrheit über das Impeachment offen

Link zum Artikel

So würde das Parlament aussehen, wenn nur die Romands wählen würden

Link zum Artikel

Das will die Mikrosteuer-Intiative – das Wichtigste in 5 Punkten

Link zum Artikel

Kritik an Federer-Fans wegen Applaus bei Doppelfehlern: «Das hat Djokovic nicht verdient»

Link zum Artikel

Diese 17-Jährige bezwingt die AfD. Eine Vorweihnachts-Geschichte, die ans Herz geht

Link zum Artikel

Heute kochen wir einen französischen Dreigänger. Weil Herbst. Und weil geil.

Link zum Artikel

Das Drama um Klein-Anna: Trennungsschmerz on fleek

Link zum Artikel

Darum macht sich Christian Levrat keine Sorgen wegen den erstarkten Grünen

Link zum Artikel

Katze zu fett für die Passagier-Kabine im Flugzeug – Besitzer trickst Airline aus

Link zum Artikel

Picdump. Spass. Jetzt.

Link zum Artikel

«Ein Asiate in Hausschuhen? Das gibt Ärger!» – der Chef hat ein Finken-Problem

Link zum Artikel

«The Game Changers» – haben wir uns ein Leben lang falsch ernährt?

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Die Reaktionen auf Fox News legen eine schonungslose Wahrheit über das Impeachment offen

84
Link zum Artikel

So würde das Parlament aussehen, wenn nur die Romands wählen würden

99
Link zum Artikel

Das will die Mikrosteuer-Intiative – das Wichtigste in 5 Punkten

141
Link zum Artikel

Kritik an Federer-Fans wegen Applaus bei Doppelfehlern: «Das hat Djokovic nicht verdient»

31
Link zum Artikel

Diese 17-Jährige bezwingt die AfD. Eine Vorweihnachts-Geschichte, die ans Herz geht

107
Link zum Artikel

Heute kochen wir einen französischen Dreigänger. Weil Herbst. Und weil geil.

48
Link zum Artikel

Das Drama um Klein-Anna: Trennungsschmerz on fleek

167
Link zum Artikel

Darum macht sich Christian Levrat keine Sorgen wegen den erstarkten Grünen

35
Link zum Artikel

Katze zu fett für die Passagier-Kabine im Flugzeug – Besitzer trickst Airline aus

48
Link zum Artikel

Picdump. Spass. Jetzt.

220
Link zum Artikel

«Ein Asiate in Hausschuhen? Das gibt Ärger!» – der Chef hat ein Finken-Problem

72
Link zum Artikel

«The Game Changers» – haben wir uns ein Leben lang falsch ernährt?

341
Link zum Artikel

Das könnte dich auch interessieren:

Die Reaktionen auf Fox News legen eine schonungslose Wahrheit über das Impeachment offen

84
Link zum Artikel

So würde das Parlament aussehen, wenn nur die Romands wählen würden

99
Link zum Artikel

Das will die Mikrosteuer-Intiative – das Wichtigste in 5 Punkten

141
Link zum Artikel

Kritik an Federer-Fans wegen Applaus bei Doppelfehlern: «Das hat Djokovic nicht verdient»

31
Link zum Artikel

Diese 17-Jährige bezwingt die AfD. Eine Vorweihnachts-Geschichte, die ans Herz geht

107
Link zum Artikel

Heute kochen wir einen französischen Dreigänger. Weil Herbst. Und weil geil.

48
Link zum Artikel

Das Drama um Klein-Anna: Trennungsschmerz on fleek

167
Link zum Artikel

Darum macht sich Christian Levrat keine Sorgen wegen den erstarkten Grünen

35
Link zum Artikel

Katze zu fett für die Passagier-Kabine im Flugzeug – Besitzer trickst Airline aus

48
Link zum Artikel

Picdump. Spass. Jetzt.

220
Link zum Artikel

«Ein Asiate in Hausschuhen? Das gibt Ärger!» – der Chef hat ein Finken-Problem

72
Link zum Artikel

«The Game Changers» – haben wir uns ein Leben lang falsch ernährt?

341
Link zum Artikel

Abonniere unseren Newsletter

1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen

Wohin steuert der Kapitalismus?

Karl Marx hatte recht: Der Kapitalismus hat die verkrusteten Strukturen des Feudalismus und der Aristokratie aufgebrochen und eine Welle der Innovation und des Fortschritts losgetreten. Es ist kein Zufall, dass die Phase der rasanten technologischen Entwicklung und der massiven Erhöhung unserer Lebensstandards, die mit der Industriellen Revolution begann, auch die Phase des globalen Aufstiegs der kapitalistischen Gesellschaftsordnung ist.

Gleichzeitig erleben wir heute aber eine Krise des …

Artikel lesen
Link zum Artikel