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Das Hauptgebaeude der ETH Zuerich, aufgenommen am Freitag, 25. April 2014. (KEYSTONE/Walter Bieri )

Hauptgebäude der ETH Zürich. Bild: KEYSTONE

Ende der US-Vorherrschaft im Netz?

Internet reloaded – ETH-Forscher tüfteln an einer neuen Web-Architektur

An der ETH Zürich arbeiten Wissenschaftler an einem völlig neuen Aufbau des Internets. Sie wollen so das Web zuverlässiger und sicherer machen.

01.06.14, 05:12 01.06.14, 09:15

Das Zauberwort heisst Scion. Dahinter verbirgt sich nichts weniger als eine völlig neue Architektur des Internets. Dank Scion sollen Sender und Empfänger künftig selbst bestimmen können, welche Routen ihre Daten nehmen sollen und welche zu vermeiden sind. Sie sollen so die Möglichkeit bekommen, Verbindungen durch Länder zu sperren, aus denen sie Hackerangriffe erwarten oder deren Datenschutzrichtlinien sie ablehnen. Heute werden Daten unterwegs manchmal abgefangen, umgeleitet oder vernichtet. 

Gegenwärtig baut die ETH Zürich ein weltumspannendes Testumfeld auf, an dem sich neben Hochschulen aus den USA, Korea, China und Japan auch die Swisscom sowie das Telekom-Unternehmen KDDI, die Nummer 2 im japanischen Markt, beteiligen. Dies berichtet die «NZZ am Sonntag».

Das Ende der US-Internet-Herrschaft?

Mit dem neuen Internet würde auch die Vormachtstellung der USA gebrochen. Heute koordiniert die Icann mit Hauptsitz in Los Angeles die Vergabe von Internet-Adressen. Die ETH-Forscher unterteilen in ihrem Projekt das weltumspannende Netz in regionale Subnetze, die unter einer jeweils eigenen und unabhängigen Aufsicht stehen. Diese entscheiden dann autonom über Adressen und eingesetzte Verschlüsselungstechniken. 

So wäre es beispielsweise denkbar, dass sich die Kantone der Schweiz oder die Staaten der EU zu einem Netz zusammenschliessen. Ihren internen Datentransport würden sie autonom steuern, fremde Netze aus anderen Regionen hätten keine Einflussmöglichkeit.

«Der Einfluss der USA würde auf die US-Domain beschränkt», sagt ETH-Professor Adrian Perrig in der «NZZ am Sonntag». Langfristig könnte Scion auch die Kosten der Anbieter senken, weil es über effizientere Routing-Verfahren verfügt als der heute gebräuchliche Standard. Zudem lassen sich damit Bandbreiten reservieren. Dies ist wichtig, um zukünftig ultrahochaufgelöste Fernsehbilder im Internet zu übertragen.

Veraltete, anfällige Protokolle

Die heutigen Internet-Protokolle stammen aus den siebziger und achtziger Jahren, als das Internet nur einige amerikanische Rechenzentren verbinden sollte. Heute sind iher Schwächen offensichtlich: Das Routing-Protokoll BGP etwa lässt sich ausnutzen, um Datenpakete zu manipulieren.

Diese Sicherheitslücke nutzen Kriminelle, Geheimdienste oder andere Behörden tagtäglich aus. Auch gegen sogenannte Denial-of-Service-Angriffe, bei denen Websites unter einer Flut von orchestrierten Anfragen zusammenbrechen, sind ein Problem. Betreiber können sich kaum dagegen schützen, weil sie keinen Einfluss auf die Pfade haben, auf denen sie angegriffen werden.

In einem zukünftigen Scion-Netz würde das anders sein, weil jeder Internetnutzer – sei es ein privater Surfer oder eine Website – selbst bestimmen kann, welchen Verbindungswegen er vertraut und welchen nicht.

Viele Ingenieure glauben nicht, dass grundliegende Veränderungen am bestehenden Internet noch möglich sind. Die ETH will es trotzdem versuchen. Eine zwölfköpfige Forschergruppe um Adrian Perrig konzentriert ihre Arbeit voll und ganz auf den Neustart. Perrig gehört zu den meistzitierten Experten in seinem Forschungszweig. (rey)

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User-Review:
Pulo112, 20.12.2016
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  • smoe 01.06.2014 21:34
    Highlight Die Ideen aus dem entsprechenden Paper von 2011 [1] klingen grundsätzlich spannend. Leider findet man im Internet sonst kaum Informationen dazu.

    Auch wenn ich nicht glaube, dass sich etwas wie SCION in absehbarer Zeit durchsetzten wird, befürchte ich schon mal, dass die neu gewonnenen Möglichkeiten zur Isolation zu exzessiv genutzt würden.

    Das bestehende Internet hat seine Schwächen. Aber es funktioniert. Global – von der Grossstadt bis ins Bergdorf. Und Regierungen können es auch mit enormen Budget nur begrenzt kontrollieren. Und das ist auch gut so.

    Mein Wissen in dem Bereich ist zu begrenzt um die Funktionsweise von SCION im Detail zu verstehen und möchte hier auch nicht Panik machen:) Es kann ebenso gut sein, dass durch deren Architektur Kontrolle durch Regierungen schwieriger wird. Mir sträuben sich einfach schon die Nackenhaare, wenn ich das Wort Isolation höre:p

    [1]: https://sparrow.ece.cmu.edu/group/pub/SCION.pdf
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  • Gelöschter Benutzer 01.06.2014 18:07
    Highlight So neu und bewegend ist die idee nun auch wieder nicht. VLAN also virtuelle netzwerke (IEEE 802.1Q) sind nun schon ein etwas aelterer hut und Adrian Perrig laengst einer der fuehrenden koepfe auf diesem gebiet.
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  • Donald 01.06.2014 13:33
    Highlight Klingt auch so, also könnte man es besser kontrollieren und zensieren.
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  • Gelöschter Benutzer 01.06.2014 12:45
    Highlight Interessante Bemühungen!
    Aber ich denke, die grossen Tier 1 Carrier wie Level3 oder Cogent werden da kaum mitspielen, beziehungsweise dies verhindern wollen. Vielleicht würde es schon funktionieren, aber niemals mit einer anständigen Perfomance um «ultrahochaufgelöste Fernsehbilder im Internet zu übertragen».
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  • Adonis 01.06.2014 10:28
    Highlight ...klingt gut. Wie geht das dann mit den Terroristen? Bauen wir dann an Stelle der NSA eins Suisse-SA. Die Burschen werden ja auch immer schlauer. Haben wir das Geld um ein Abwehr-Institutiönchen einzurichten?
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  • arthur gredig 01.06.2014 08:57
    Highlight ...Geheimdienste, Behörden oder andere Kriminelle...freudscher Morgenlesefehler.
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    • Tux 02.06.2014 09:14
      Highlight Das »oder« darf durch ein »und« ersetzt werden...... ;)
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Interview mit Thomas Hansjakob, Staatsanwalt

«Dass die Speicherung von Handydaten nichts bringt, ist kompletter Unsinn»

Der St. Galler Staatsanwalt Thomas Hansjakob hat am BÜPF-Gesetz mitgearbeitet, das den Ermittlern mehr Möglichkeiten zur Internet-Überwachung geben soll. Im Interview sagt er, warum die verdachtslose Speicherung von Handydaten Sinn macht. Und warum die Polizei neue Spionage-Werkzeuge braucht.

Herr Hansjakob, die Gegner der Vorratsdatenspeicherung sagen, dass durch die flächendeckende Handyüberwachung der gesamten Bevölkerung so gut wie keine Verbrechen aufgeklärt werden. Thomas Hansjakob: (Lacht laut) Das ist kompletter Unsinn. Ich habe noch nie Vorratsdaten angefordert, ohne dass diese beweisrelevant gewesen wären. Ich schätze, dass sich aus 80 bis 90 Prozent der angeforderten Handydaten Hinweise ergeben, die uns bei der Ermittlung weiterbringen. 

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