Erinnerst du dich an das goldene Trump-Handy? Es löst sich wohl gerade in Luft auf
Ist es vorsätzlicher Betrug, Unvermögen, oder beides?
Was wir sicher wissen: Das von der Trump-Familie im Sommer 2025 mit grossem Getöse angekündigte goldene Smartphone lässt weiter auf sich warten. Und für die vielen Kaufinteressenten, die freiwillig eine Anzahlung über 100 Dollar geleistet haben, kommt es vielleicht noch schlimmer.
Sicher ist: Die Trump-Fans halten im Mai 2026 weder ein funktionierendes neues Mobilgerät in den Händen, noch wird ihnen das Geld systematisch zurückerstattet.
watson hat sich auf Spurensuche begeben.
Was ist passiert?
Vertragsbedingungen geändert
Die Trump-Söhne Eric und Donald Junior, die hinter «Trump Mobile» stehen, haben Anzahlungen in Millionenhöhe eingenommen. Sie liessen aber die Liefertermine seit fast einem Jahr kontinuierlich verstreichen. Und nun wurden offenbar die rechtlichen Bedingungen zugunsten ihres Unternehmens so angepasst, dass es keiner Lieferpflicht mehr unterliegt. Dazu gleich mehr, doch zunächst das Produktfoto ...
Auf der Social-Media-Plattform X kommentierte ein amerikanischer Blogger die Vorgänge wie folgt:
Dann hat er still und leise die Bedingungen geändert: ‹Es gibt keine Garantie dafür, dass ein Handy hergestellt oder verkauft wird.›
Die Kryptowährung. Die Turnschuhe. Die Bibel. Die Goldkarte. Der Ballsaal. Das Handy.
Jedes Mal das gleiche Muster.
Das Geld kassieren. Die Bedingungen ändern. Sich aus dem Staub machen.»
Von den Trump-Söhnen liegt keine aktuelle Stellungnahme zu den Vorkommnissen vor.
Was wissen wir?
Das «Trump Mobile T1» wurde am 16. Juni 2025 im Trump Tower in New York City vorgestellt. Die Veranstaltung, an der die beiden ältesten Söhne des amtierenden US-Präsidenten teilnahmen, fiel mit dem zehnten Jahrestag des Wahlkampfauftakts ihres Vaters im Jahr 2015 zusammen.
Donald Trump Junior und Eric Trump positionierten das goldfarbene Android-Gerät mit einer eingravierten amerikanischen Flagge auf der Rückseite als patriotische Alternative zu etablierten Herstellern wie Apple und Samsung. Der anvisierte Verkaufspreis lag bei 499 US-Dollar.
Um sich ein Trump-Handy zu sichern, wurden die Kaufinteressenten aufgefordert, sich auf eine Warteliste zu setzen und eine Anzahlung von 100 US-Dollar zu leisten.
Aktuellen Berichten und Branchenschätzungen zufolge haben bis zu 600'000 Personen eine entsprechende Anzahlung geleistet. Dies brachte den Projekt-Verantwortlichen um die 60 Millionen US-Dollar an Vorauszahlungen ein.
Ein zentrales Verkaufsargument zum Start war das Versprechen, das Trump-Handy werde in den Vereinigten Staaten hergestellt. Doch schon kurz nach der Ankündigung war nicht mehr von «Made in the USA» die Rede. Ab dann hiess es, das neue Gerät solle «stolz amerikanisch» sein.
Frühe Werbebilder zeigten ein Gerät, das einem iPhone-Pro-Modell von Apple ähnelte. Spätere Renderings wiesen eher auf ein Design hin, das einem Samsung-Flaggschiff glich. Die Unstimmigkeiten blieben nicht unbemerkt. Hingegen fehlen belastbare Fakten zu einem Auftragsfertiger.
Was steht denn jetzt im Kleingedruckten?
Ein entscheidender Wendepunkt könnte die Änderung der Nutzungsbedingungen auf der Trump-Mobile-Website Anfang April 2026 sein. Im Kleingedruckten steht seither:
- Die Anzahlung von 100 US-Dollar stelle keinen abgeschlossenen Kauf dar und begründe keinen rechtsverbindlichen Vertrag.
- Es handle sich lediglich um eine «bedingte Möglichkeit», das Gerät zu erwerben, falls Trump Mobile sich jemals dazu entscheide, es auf den Markt zu bringen.
- Die Trump-Söhne garantieren weder die Produktion noch die Auslieferung oder die Einhaltung von Zeitplänen. Jegliche Haftung für Verzögerungen durch Bauteilmangel oder Regulierungen werde abgelehnt.
- Die Anzahlungen werden nicht verzinst. Käufer können theoretisch eine Rückerstattung beantragen, müssen dies jedoch aktiv über den Kundendienst tun.
Technikjournalisten wie Joseph Cox von 404 Media hatten zuvor chaotische Zustände im Bestellverfahren dokumentiert. Demnach kam es zu falschen Abbuchungen und nicht autorisierte wiederkehrende Belastungen auf Kreditkarten.
Und das Trump-Abo?
Trotz des mutmasslichen Hardware-Totalausfalls ist Trump Mobile nicht von der Bildfläche verschwunden. Das Unternehmen der Trump-Söhne verkauft weiterhin Handy-Abos.
Das versprochene Gerät soll mit dem Mobilfunktarif von Trump Mobile genutzt werden können. Für 47,45 US-Dollar pro Monat erhalten die Abonnentinnen und Abonnenten angeblich «bessere Leistungen als alle anderen»: 100 Prozent US-amerikanischer Support, umfassende 5G-Abdeckung (über das Mobilfunknetz des Providers T-Mobile), unbegrenzte Telefonie, SMS und Datenvolumen, Telemedizin, Pannenhilfe und internationale Anrufe in über 200 Länder.
Der erwähnte Dollar-Betrag bezieht sich auf Trumps Amtszeit als 47. und 45. Präsident der Vereinigten Staaten. Für Leute, die ein Smartphone suchen, das sie möglichst bald nutzen können, verkauft Trump Mobile nun ausserdem generalüberholte Versionen von älteren iPhones und Samsung-Galaxy-Modellen zu Preisen zwischen 370 und 630 Dollar.
Ein Finanzanalyst kommentierte dazu:
Wie geht es weiter?
Jüngste unbestätigte Berichte deuten darauf hin, dass zahlreiche Vorbesteller inzwischen E-Mails erhalten haben, wonach das Trump-Smartphone gar nicht geliefert werde.
Ob kriminelle Energie hinter dem Scheitern von Trump Mobile steckt oder ob das branchenfremde Unternehmen an den komplexen globalen Lieferketten gescheitert ist, müsste wohl durch staatliche Ermittlungen geklärt werden.
Auf politischer Ebene hatten im Januar 2026 elf demokratische Kongressabgeordnete die US-Handelsbehörde FTC (Federal Trade Commission) aufgefordert, eine formelle Untersuchung der Vorgänge rund um Trump Mobile einzuleiten. Geprüft werden soll der Verdacht auf «Bait and Switch»-Taktiken (Lockvogelangebote für nicht existierende Produkte) sowie mögliche irreführende Werbung.
Auf den Social-Media-Plattformen kursieren derweil Memes, die sich über leichtgläubige Trump-Fans lustig machen.
Quellen
- trumpmobile.com: Phones
- pbs.org: Whatever happened to Trump Mobile's promise of a golden phone? (Januar 2026)
