Luftfahrt

Die Swiss-Langstreckenpiloten des Corps «Aeropers» sind ab 2016 ohne Gesamtarbeitsvertrag Bild: KEYSTONE

Ärger in der Luft

Nach GAV-Kündigung: Swiss-Piloten werden nicht streiken 

Publiziert: 22.09.14, 08:55 Aktualisiert: 22.09.14, 12:09

Die Swiss kündigt den Gesamtarbeitsvertrag mit dem Pilotenverband Aeropers per Ende November 2016. Dies sei wegen unüberbrückbarer Differenzen und der wiederholt von Aeropers angekündigten gerichtlichen Schritten unausweichlich, teilte die Fluggesellschaft am Montag mit. 

Hintergrund ist ein Streit über die Frage, wer die neue Flugzeugflotte des Typs Boeing-777 fliegen sollte. Die Aeropers hatte in früheren Verhandlungen stets die Position vertreten, dass gemäss gültigem Gesamtarbeitsvertrag sie die Flugzeugflotte fliegen muss. In den Verhandlungen für einen neuen Gesamtarbeitsvertrag «GAV14», die im Frühjahr scheiterten, wollte die Fluggesellschaft Swiss die neue Flugzeugflotte vom zweiten Pilotenverband IGP fliegen lassen. Die IGP fliegt heute vor allem Kurzstreckenflüge und gilt im Vergleich als günstiger Pilotencorps.

In einer ersten Stellungnahme gegenüber watson zeigte sich der Pilotenverband Aeropers überrascht. «Wir waren im konstruktiven Gespräch und waren stets bereit, Kompromisse einzugehen, bis hin zu grösseren Einsparungen bei den Kosten», sagt Aeropers-Pressesprecher Tobias Mattle. 

«Beispiel der Ignoranz der Swiss»

So habe das jüngste Angebot eine Bereitschaft zur langfristigen Einsparung von 6 Prozent des Gesamtaufwandes enthalten: «Das ist mehr, als das Management bei den eigenen Salären zu kürzen bereit ist.» Mit der GAV-Kündigung habe die Swiss aber lieber den Weg des Konflikts gewählt. Dies sei ein «Beispiel der Ignoranz der Swiss».

«Swiss-Chef Hohmeister geniesst kein Vertrauen mehr bei den Aeropers-Piloten.»

Tobias Mattle

Scharf kritisiert wird auch der Chef der Swiss Harry Hohmeister. Die neuste Entwicklung im Vertragsstreit zeige auf, dass Hohmeister keine einvernehmliche Lösung suche, sondern die Konfrontation will. «Für den Vertragsbruch gibts aus unserer Sicht keinen Grund. Die Swiss will die Piloten in ein billiges Arbeitskorsett zwingen», sagt Mattle. 

Keine Streikgefahr

Die Aeropers will nun die Situation neu analysieren. Eine Klage gegen die Swiss wegen Vertrags- und Friedenspflichtverletzungen, die der Pilotenverband Anfangs September ankündigte, soll nun vertieft geprüft werden. Die Aeropers-Piloten wollen weiterhin gesprächsbereit bleiben, klar sei jedoch, dass Swiss-Chef Hohmeister kein Vertrauen mehr bei den Piloten geniesse, so Mattle. Aus diesem Grund wolle der Pilotenverband Aeropers nach erster Analyse nicht streiken. «Wenn die Swiss die Friedenspflicht verletzt, heisst das nicht, dass wir dies auch tun müssen», begründet Mattle.

Die Swiss wollte im Hinblick auf Milliardeninvestitionen in neue Flugzeugflotten neue Gesamtarbeitsverträge aushandeln. Nachdem eine Einigung bereits im Frühjahr gescheitert war, haben auch die seit Juli laufenden Gespräche zu keinem Ergebnis geführt. In ihrer Medienmitteilung schreibt die Fluggesellschaft, dass sie auf «zukunftsfähige Rahmenbedingungen angewiesen» sei, um «nachhaltig Arbeitsplätze zu sichern».

Auch die Swiss wolle deshalb gesprächsbereit bleiben. Die neue Situation ermögliche weiterhin, dass Aeropers-Piloten im zweiten Pilotenverband IPG «integriert werden». Trotz der vorsorglichen Kündigung gelte bis zum Ablauf des GAV die absolute Friedenspflicht, die einen Pilotenstreik ausschliesse, hält die Swiss weiter fest. (pma/mbu/sda)

Meistgelesen

1

Führerschein weg, 7000 Franken weg – warum Theo nach einer …

2

So macht's der «Blick» – Wie würdest du diese Story tit(t)eln? …

3

Der PICDUMP ist da! 💪

4

Ich mach seit 20 Jahren Interviews. Keins war so ein Desaster wie das …

5

25 Dinge, die dir nur in der Schweiz im Zug passieren

Meistkommentiert

1

Dieses Restaurant in Zürich führt als erstes der Schweiz …

2

Kein Wunder, wurde das Instrument des Grauens einst Fotzhobel genannt: …

3

Schweizer Retro-Food oder das moderne Gegenstück: Was hättest du …

4

Frauen sollen länger arbeiten: Nationalrat beschliesst Rentenalter 65

5

Bekannter deutscher Journalist interviewt «Al-Nusra»-Kommandant – …

Meistgeteilt

1

«Sie hät ja gseit!» Dübendorfs Widmer trotz Cup-Out der …

2

SC Bern scheitert blamabel an Ticino Rockets – Davos ohne Probleme

3

Schont der SC Bern seine Stars bald auch bei NLA-Auswärtsspielen?

4

Bye-bye, Blackberry! Der Smartphone-Pionier gibt auf

5

Die 12 nervigsten Nachbarn

1 Kommentar anzeigen
1
Logge dich ein, um an der Diskussion teilzunehmen
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • 7immi 22.09.2014 15:11
    Highlight Die "schweizer" fluggesellschaft mit mehr als 60% deutschen piloten wird immer deutscher... Schade, da sie das schweizer hoheitszeichen trägt, aber keine schweizer werte mehr vermittelt...
    2 1 Melden
    600

Pass auf, halt dich fest, damit hat NIEMAND gerechnet –Berliner Airport eröffnet noch später

Der interne Zeitplan am neuen Hauptstadtflughafen gerät weiter unter Druck. Anders als angestrebt können die Verantwortlichen den Flughafen nicht mehr in diesem Jahr fertig bauen.

«Wir gehen inzwischen davon aus, dass wir mit dem Bau Anfang kommenden Jahres fertig werden», sagte Flughafenchef Karsten Mühlenfeld der «Berliner Morgenpost». Sein Ziel bleibe aber, den Flughafen im November nächsten Jahres in Betrieb zu nehmen.

Nach dem Zeitplan zur Eröffnung 2017 sollte der drittgrösste deutsche …

Artikel lesen