Wissen

Schweizer Forscher: Fast Food kann die Entwicklung des Gehirns beeinflussen

15.11.16, 11:45 15.11.16, 12:10

Vielleicht gut fürs Auge, aber womöglich nicht gut fürs Hirn. Bild: foodandwine.com

Eine Ernährung mit zu vielen gesättigten Fetten kann die Reifung des Gehirns stören. Darauf deutet eine Studie Zürcher Forscher an Mäusen hin. Die Folge könnten Defizite bei Hirnfunktionen sein. Ab welcher Menge Fett es gefährlich wird, ist allerdings unklar.

Viele Teenager lieben Fast Food, aber gerade ihnen könnte das fettreiche Essen besonders schaden: Eine unausgewogene Ernährung mit einem Übermass an gesättigten Fettsäuren, wie sie besonders im Junk Food vorkommen, könnte die Entwicklung eines wichtigen Hirnareals stören.

Bei Versuchsmäusen haben Forschende der ETH und der Universität Zürich festgestellt, dass eine extrem fettreiche Ernährung über längere Zeit die Entwicklung des sogenannten Präfrontalen Cortex stört. Heranwachsende Mäuse entwickelten nach vier Wochen mit dieser Ernährung kognitive Defizite – noch bevor sie Fett ansetzten, berichtet das Forscherteam um Urs Meyer im Fachblatt «Molecular Psychology».

19 Fastfood-Gerichte, die zum Davonlaufen sind (bloss kannst du nicht davonlaufen, weil du ZU DICK BIST)

Empfindliches Hirnareal

Der Präfrontale Cortex ist Teil der Hirnrinde und unter anderem für Gedächtnis, Handlungsplanung und Impulskontrolle wichtig. Die Entwicklung und Funktionen dieser Hirnregion seien bei Menschen und Mäusen vergleichbar, wie die ETH am Dienstag in einer Mitteilung schrieb. Die Ergebnisse bei Mäusen könnten daher auch für Menschen gelten.

Da die Reifung des Präfrontalen Cortex länger dauert als die anderer Hirnregionen, ist er besonders anfällig für schädliche Umwelteinflüsse wie Stress, Infektionen, Traumata oder eine stark unausgewogene Ernährung. Schwere Schäden an dieser Hirnregion durch einen Unfall oder Tumor können dazu führen, das Betroffene Mühe mit komplexen Lernprozessen und der Kontrolle von Emotionen und Impulsen haben.

«Burger Unser»

Allzu beunruhigt müssen Eltern jedoch nicht sein, wenn ihr Teenager ab und zu Fast Food isst: Für ihre Versuche wählten die Forschenden bewusst extreme Bedingungen, um einen möglichen Zusammenhang zwischen gesättigten Fettsäuren und einer gestörten Hirnentwicklung überhaupt erst einmal nachzuweisen: Über 60 Prozent der Kalorien, die die Mäuse erhielten, bestanden aus Fetten. «Derart fettreich essen wohl nur die wenigsten Kinder und Jugendlichen», sagte Meyer gemäss der Mitteilung ein.

Grenzwert unbekannt

Ab welcher Menge fettreiches Essen schädigend auf die Hirnreifung wirken könnte, haben die Forschenden in dieser Studie nicht untersucht. «Wer einmal die Woche Fast Food isst, wird kaum betroffen sein», so Meyer. Allerdings solle einer ausgewogenen Ernährung bei Kindern und Jugendlichen durchaus mehr Beachtung geschenkt werden, findet der Forscher.

Erwachsene müssen gemäss der Studie wohl eher nicht um ihre Hirnfunktionen bangen: Die ausgewachsenen Mäuse zeigten trotz der extremen Fett-Ernährung keine Verhaltensänderungen. Sie verfetteten nur.

Ganz auszuschliessen sei allerdings nicht, dass fettreiche Ernährung auch die Gehirne erwachsener Mäuse schädigen könne, betonte Meyer. Übergewicht steht zudem in Zusammenhang mit anderen Gesundheitsproblemen, wie einem erhöhten Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und verschiedenen Krebsarten.

(sda)

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
1Kommentar anzeigen
1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
  • Aged 15.11.2016 14:32
    Highlight Ui, ich war mir so sicher: "Fastfood geht nur ohne Hirn". Muß ich umlernen? Nämlich, Fastfood macht wenig Hirn noch weniger.
    6 8 Melden

So geht das! In Frankreich braucht man nun einen Ausweis, wenn man KEIN Organspender ist

Es ist so eine Lösung, bei der man sich fragt, warum da nicht schon früher jemand drauf gekommen ist: In Frankreich braucht man seit dem neuen Jahr einen Ausweis, wenn man NICHT will, dass im Todesfall die eigenen Organe entnommen und gespendet werden.

Als das entsprechende Gesetz im Januar die Instanzen passierte, gab es in unserem Nachbarland 19'000 Personen auf den Organspende-Wartelisten, und seit dem Januar gibt es nun 66 Millionen potenzielle Spender – abzüglich von 150'000 Personen, die …

Artikel lesen