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An Indian man sits as another walks after getting get vaccinated against the coronavirus at Radha Soami Satsang Ground in New Delhi, India, Wednesday, May 5, 2021. (AP Photo/Ishant Chauhan)

Kampf gegen B.1.617: Impfzentrum in Delhi, Indien. Bild: keystone

Die indische Variante nimmt an Fahrt auf – was das für die Schweiz bedeutet

Die indische Variante des Coronavirus breitet sich weltweit rasant aus. Laut der Taskforce des Bundes wird sie auch vor der Schweiz nicht Halt machen. Erste Anzeichen gibt es – doch die Experten bleiben noch gelassen.

Elay Leuthold



In Indien hat die Doppelmutante B.1.617 in kurzer Zeit alle anderen Varianten verdrängt. Kam das Land mit einer Bevölkerung von rund 1,4 Milliarden Menschen noch verhältnismässig ruhig durch das vergangene Pandemiejahr, hat sich die Situation in diesem Jahr mit der Ausbreitung von B.1.617 dramatisch verschärft.

Auch in der Schweiz wurde die indische Variante bereits nachgewiesen. Der erste Fall wurde vom BAG Ende April kommuniziert. Und Wissenschafter gehen davon aus, dass die Variante auch in der Schweiz bald dominierend werden könnte. Das zeigen Modellrechnung auf der neuen Plattform CoV-Spectrum der ETH Zürich. Die interaktive Plattform trägt Daten von Wissenschaftlern zusammen und wertet diese aus. Auf Grund dieser Daten wurde errechnet, wie sich die indische Mutante in der Schweiz ausbreitet. Eine Übersicht:

Situation in der Schweiz

Die Verbreitung der indischen Variante, die erstmals am 24.04.2021 in der Schweiz erfasst wurde, geht bereits jetzt schnell voran, wie die Visualisierung von covSPECTRUM und dem steigenden Graphen bei der indischen Variante zeigt. Aktuell ist die nachgewiesene Anzahl Fälle in der Schweiz mit knapp einem dutzend noch tief und die Situation unter Kontrolle. Wir befinden uns allerdings erst am Anfang.

Grafik Indien Corona Zahlen

Bild: covspectrum/watson.ch

Gemäss der Modellrechnung der Corona Taskforce wird die indische Variante bei uns fast 100% von allen Infektionen ausmachen und damit die britische Variante verdrängen. Bei den anderen Varianten wird der Anteil bis im Sommer verhältnismässig tief sein. Die Forschergruppe der ETH berechnet dazu einen «Vorteil zur Übertragung». Kurz zusammengefasst beschreibt er die Wahrscheinlichkeit, dass die Virenvariante von einem Infizierten zum nächsten weitergegeben wird. Je höher der Prozentwert, umso grösser die Wahrscheinlichkeit, dass eine Übertragung stattfindet.

Grafik Indien Corona Zahlen

Bild: covspectrum/watson.ch

Warum sich die indische Mutation durchsetzen wird

Laut WHO und den vorläufigen Studienergebnissen deutet vieles darauf hin, dass sich die indische Variante B.1.617 schneller ausbreitet als andere in Indien zirkulierende Corona-Varianten. Die indische Variante ist eine sogenannte Doppelmutation. Durch die Verbindung von zwei Mutationen kann die indische Virus-Variante das Immunsystem leichter umgehen. Dies bedeutet aber nicht unbedingt, dass diese Variante auch doppelt so ansteckend oder gefährlich ist – das muss erst noch erforscht werden. Bislang fehlen schlichtweg die Daten, um die indische Variante besser einschätzen zu können.

Indische Doppelmutante

Eine Variante wird als Doppelmutation bezeichnet, sobald gleich zwei Veränderung an einem Oberflächenprotein aufgewiesen werden. Laut dem Leiter der Virologie an der Berliner Charité Christian Drosten sind beide Mutationen in der indischen Variante schonmal aufgetaucht – jedoch niemals gemeinsam. Die eine Mutation E484Q ähnelt einer Virus-Veränderung die schon in Varianten aus Grossbritannien, Südafrika und Brasilien aufgetreten sind. Diese Mutation wird von Experten auch als «Escape-Mutation» bezeichnet. Solche Mutationen helfen dem Virus dem menschlichen Immunsystem zu umgehen. Die andere Mutation L452R ist bereits aus der kalifornischen Variante bekannt und soll ein effizienter Verbreiter für das Virus darstellen.

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Blick auf Grossbritannien

Wirft man einen Blick auf Grossbritannien, zeigt sich, dass auch dort die indische Variante an Bedeutung gewinnt. Nachdem dort – wie in der Schweiz – fast ausschliesslich die britische Variante nachgewiesen wurde, scheint die indische Variante an Fahrt zuzunehmen. Laut den aktuellsten Zahlen macht sie gut 4 Prozent aller Infektionen aus. Die Tendenz ist allerdings steigend.

Grafik Indien Corona Zahlen

Bild: covspectrum/watson.ch

Christina Pagel, Professorin am University College London teilte via Twitter mit, dass die Zahlen der letzten Wochen in Grossbritannien darauf hindeuteten, dass sich die anderen Varianten, im Vergleich zur indischen Variante, kaum mehr verbreiten. Gemäss Pagel wurde in den letzten 4 Wochen ein rasanter Anstieg der indischen Variante verzeichnet. Weshalb sich genau diese Variante so durchsetzen kann, ist noch unklar. Für Pagel aber ist klar, dass man jetzt schnell handeln müsse, solange die Zahlen noch überschaubar bleiben.

Was das für die Schweiz bedeutet

Laut der Prognose der ETH Zürich wird die indische Variante schon im Sommer die meistverbreitete Coronavirus-Variante in der Schweiz sein. Trotzdem bleiben viele Experten gelassen beim Thema B.1.617. Gemäss Tanja Stadel von der Science Task Force stehen die Chancen gut, dass die Impfungen auch gegen die indische Variante wirksam sind.

Richard Neher, der Leiter der Forschungsgruppe Evolution von Viren und Bakterien am Biozentrum der Universität Basel betonte, dass es für die Variante nicht viele Daten gebe, da sie in Europa sehr selten sei. Zudem gebe es eine Vielzahl von Varianten mit «bemerkenswerten» Mutationen. Neher glaubt deshalb nicht, «dass B.1.617 mehr Aufmerksamkeit verdient als andere Varianten».

Auch Virologe Christian Drosten hält die Variante B.1.617 «in der Medienbewertung (für) überschätzt». Es gebe derzeit keine Belege, dass Menschen durch sie schwerer erkrankten. In Indien sei nicht alleine die Mutante für die starke Infektionswelle verantwortlich. «Wenn viele Leute zur gleichen Zeit infiziert werden, dann hat man auch bei den jüngeren Altersgruppen auf einmal, absolut gesehen, ganz viele Kranke in einem kurzen Zeitfenster.» Zudem sei in Indien die Grundgesundheit der Bevölkerung weniger gut als etwa in Deutschland.

Obwohl die indische Variante also an Fahrt aufgenommen hat, bleiben die Experten gelassen. Drosten machte aber deutlich, dass sich die Situation ändern kann: «Es kann sein, dass sich in zwei Monaten herausstellt, dass doch irgendwas ist mit diesem Virus.»

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Das Coronavirus in der Schweiz – eine Chronologie

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quelle: keystone
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