Coronavirus
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epa08568903 British tourists enter Plaza de Cataluna train station in Barcelona, northeastern Spain, 27 July 2020, on the second day after the British Government imposed a 14-day quarantine to all citizens arriving from Spain.  EPA/ENRIC FONTCUBERTA

Allein auf weiter Flur: Zwei britische Touristen auf dem Weg in den Bahnhof Barcelona-Catalunya. Bild: keystone

Wie Barcelona leidet – vier Personen berichten aus der spanischen Welt-Metropole

Barcelona ist eines der beliebtesten Touristen-Ziele der Welt. Nach dem erneuten Anstieg der Corona-Zahlen wurde das öffentliche Leben erneut zurückgefahren. Wie geht es der Stadt, die praktisch alle nur als pulsierende Metropole in Erinnerung haben?



Health workers wait for patients to make PCR tests for the COVID-19 at Vilafranca del Penedes in the Barcelona province, Spain, Monday, August 10, 2020. As European countries struggle to manage spikes in coronavirus cases, concern is mounting about a

Mitarbeiter des Spitals Vilafranca del Penedes in Barcelona bereiten sich auf Covid-19-Tests vor. Bild: keystone

Joan, 32, Immobilienbranche, aus Barcelona

«Die Situation in Barcelona ist katastrophal. Es fehlt an Touristen. Gewisse Geschäfte konnten gar nicht mehr öffnen, da sie bereits während des Lockdowns Konkurs gegangen sind. Die Strassen sowie die Geschäfte sind leer. Mein Vater hat ein Taxiunternehmen und Umsatzeinbussen von 80%. Dass es an Touristen fehlt, merkt man auch bei den Angeboten des nationalen Tourismus. Die Hotelübernachtungen sowie Inlandflüge werden super günstig angeboten. Ein Flug in die Balearen kostet nun sehr viel weniger als noch im Juni. Das ist besorgniserregend.»

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epa08590283 Spanish Red Cross members take part in a campaign to raise awareness among young people to avoid further spread of the coronavirus COVID-19 virus in Barcelona, Catalonia, Spain, 07 August 2020.  EPA/Alejandro García

Mitarbeiter des spanischen Roten Kreuzes betreiben am Strand von Barceloneta Präventionsarbeit. Bild: keystone

Alina, 26, Studentin, war soeben als Touristin in Barcelona

«Mein Flug war ziemlich leer, am Flughafen ist kein einziges Geschäft offen und mein ganzer Aufenthalt in Barcelona war irgendwie seltsam. Man würde meinen, Barcelona ohne Touristen sei aufregend, aber das kann ich nicht unterschreiben. Beim Schlendern durch die Ramblas trifft man kaum auf Touristen. Der berühmte Markt ‹Mercat de la Boqueria› ist nur zur Hälfte offen. Viele Geschäfte stehen leer. Da Barcelona ja für die zahlreichen geübten Taschendiebe bekannt ist, fühlte ich mich in den ausgestorbenen Gässchen etwas unwohl. Da ging ich lieber an den Strand. Die Strände sind dafür voller junger Leute. Die Abstandsregeln können dort kaum eingehalten werden. Ältere Leute sieht man jedoch keine. Was mir besonders aufgefallen ist: Man hört vor allem Spanisch. Die Restaurants waren ebenfalls ziemlich leer. Unsere auserwählten Restaurants waren nur zu etwa 50% besetzt – und das am Wochenende. Am Montag waren wir dann die einzigen Gäste. Das ist nicht unbedingt Ferienfeeling. Die Maskenpflicht wird sehr gut eingehalten. Auch wir haben immer eine getragen – ausser am Strand. Es gibt viele Polizeikontrollen. Wenn man keine trägt, bezahlt man eine Busse von 100 Euro

A passenger sits at Barcelona airport in Barcelona, Spain, Tuesday, June 30, 2020. The European Union on Tuesday is announcing a list of nations whose citizens will be allowed to enter 31 European countries. As Europe

Eine Frau wartet am Flughafen von Barcelona auf ihren Flug. Bild: keystone

Albert, 29, Marketing, aus Barcelona

«Es gibt schon noch Tourismus in Barcelona, wenn auch sehr wenig im Vergleich zu früheren Jahren. Der Flugverkehr am Flughafen von Barcelona wurde zu 60% eingestellt – nur 40% aller Flüge werden durchgeführt. Schätzungen zufolge macht der internationale Tourismus gerade mal noch 10% aus. Mittlerweile wird auch innerhalb Spaniens empfohlen, nicht nach Barcelona zu reisen, weil es wegen Corona zu gefährlich sei. Das Problem: In Spanien gibt es viele Menschen, die in Landwirtschaft, Industrie und Tourismus arbeiten und somit nicht von zu Hause arbeiten können. Zudem wird immer wieder gesagt, dass die wirtschaftliche Lage schlecht ist und dass eine Wirtschaftskrise bevorsteht. Das führt dazu, dass die Leute selbst bei Symptomen nicht zu Hause bleiben oder sich testen lassen gehen. Viele Leute konnten während vier Monaten gar nicht arbeiten und so etwas wie Lohnausfallentschädigung (ERTO) wurde ihnen zwar zugesprochen – ist bis heute aber noch nicht ausbezahlt worden. Seit diesem Montag haben wir nun auch eine App. Sie wird erst einmal in den ausgeprägteren Regionen eingeführt. Ab dem 15. September sollte die App dann für ganz Spanien verfügbar sein. Sie funktioniert wie in der Schweiz über Bluetooth.»

epa08576734 An unusually empty Ramblas street in Barcelona, Spain, 31 July 2020. Restrictions imposed in Barcelona due to new coronavirus Covid-19 outbreaks is affecting tourism in the region, reports state.  EPA/Marta Perez

Die Ramblas am 31. Juli 2020 – normalerweise stehen sich auf Barcelonas berühmtester Strasse die Touristen auf den Füssen. Bild: keystone

Elo, 25, Immobilienbranche, aus Barcelona

«Die Situation in Barcelona ist traurig. Die Strassen sind leer. Ich war gestern in Eixample und in Gracia. Es ist verrückt, man trifft auf niemanden. Im Künstlerviertel El Born sind etwas mehr Leute unterwegs. Jedoch keine Touristen, eher Jüngere, die in einer Bar ein bisschen ‹feiern› wollen. Die Clubs sind ja vor ein paar Wochen wieder dichtgemacht worden. Ich habe Freunde, die Geschäfte im Künstlerviertel El Born führen. Diese generieren derzeit gerade einmal 25% Umsatz von dem, was sie normalerweise im August machen.»

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    Alle Leser-Kommentare
  • champedissle 12.08.2020 19:10
    Highlight Highlight Ich war vor einem Jahr in Barcelona. Mein Auto mit Schweizer Nummernschild wurde mit Sprays verschmiert "Tourist go home".
    Ich habe nicht das geringste Bedauern mit diesen Leuten.
  • Psychonaut1934 12.08.2020 14:03
    Highlight Highlight Eine schreckliche Stadt, war vor Jahren mal dort, bin aber viel früher nach Hause. Die Menschen sind laut und unfreundlich, das essen komisch und ungeniessbar. Die ganze Stadt wirkte auf mich verlottert und schmutzig.
  • Peter Vogel 12.08.2020 10:53
    Highlight Highlight Da sind die vielen Touristen von den Jahren davor wohl plötzlich doch nicht mehr soooo schlimm was?
  • neutrino 12.08.2020 09:42
    Highlight Highlight Na ja gut - vor Corona war die Stimmung gegenüber Touristen sehr feindselig. Jetzt sind sie weg und jetzt ist auch nicht gut.
  • El Vals del Obrero 12.08.2020 09:06
    Highlight Highlight Alina hat sicher Katalanisch mit Spanisch verwechselt.
    • Euskalduna 12.08.2020 10:09
      Highlight Highlight Danke, wollte ich auch anmerken :) In Barcelona hört man zwar tatsächlich viel mehr Spanisch als im Hinterland, trotzdem ist das Katalanische sehr präsent, nur scheinen die meisten Besucher gar nicht zu merken, dass sie in Katalonien sind.
    • Chantal Stäubli 12.08.2020 10:16
      Highlight Highlight Nein, sie meinte damit, dass man besonders auf nationale Touristen trifft.
  • heyheyhello 11.08.2020 20:09
    Highlight Highlight Ich habe für ein paar Monate in Barcelona gelebt und bin durch den Lockdown im März wieder zurück nach Hause gekommen. Anfangs Juli musste ich nochmals zurück um meine Wohnung zu räumen, ich war wirklich geschockt zu sehen wie viele Läden dicht machen mussten, auch in der Strasse in der ich wohnte, ist nun mehr als die Hälfte geschlossen.
    Wirklich traurig zu sehen was da abgeht und wage mich gar nicht an den Gedanken was sein wird falls es in Spanien noch einen weiteren Lockdown gibt (was ich mir bei dieser Regierung gut vorstellen kann)
  • Autokorrektur 11.08.2020 19:58
    Highlight Highlight Welche Ironie! ☹️ Seit zwei Jahren verzichten wir wegen der Proteste gegen Touristen auf Ferien dort. Und wenn ich die Bilder der fast leeren Strassen sehe, nerve ich mich, dass wir die Ferien nicht genutzt haben um hinzufliegen; wann hätten wir schon sonst so wenig andere Leute? Schade, denn sobald wir "die Strategie" gegen das Virus haben, wird die Stadt wieder voll sein.
  • Shrimpi 11.08.2020 19:45
    Highlight Highlight Wir (mein Partner und ich) waren zwei Wochen in Portugal. Die letzten drei Tage verbrachten wir in Lissabon. Es war ausgestorben. Es hatte wenig Touristen und wir erhielten in jedem Restaurant zu jeder Uhrzeit einen Tisch, ohne Reservation. Am Mittag um 13:00 Uhr waren wir mitten im Zentrum einen Wein trinken und waren die einzigen!
  • Wiesler 11.08.2020 19:35
    Highlight Highlight Danke für die Stimmen von direkt Involvierten.
    Dies ist eine interresante Abwechslung zu den allseits präsenten Zahlen und medizinischen Erkenntnissen.
  • CogitoErgoSum 11.08.2020 19:02
    Highlight Highlight Vor einem Jahr wurde dort noch demonstriert, dass es zu viele Touristen hätte.
    • Wiesler 11.08.2020 20:10
      Highlight Highlight Eine gewisse Ironie ist offensichtlich!
  • Seelenstein 11.08.2020 18:55
    Highlight Highlight Ist ja nicht so, dass eine globale Wirtschaftskrise bevor steht. Wir sind bereits mitten drin. Corona Angst lenkt uns so ab, dass die Menschen gar nicht merken was passiert ist. Wir sind in eine Globale Finanz und Wirtschaftskrise hinein geschlittert. Diese trifft nicht nur ein paar hundert wie Corona, sondern alle.
    • Matt1988 11.08.2020 19:20
      Highlight Highlight Eine Frage, wäre es nicht an der Zeit unsere nach immer grösserem Wachstum und Rendite strebende Wirtschaft zu überdenken? Immer mehr Profit und immer grösseres Wachstum aber während einer Krise ist dann plötzlich kein Geld mehr da für die Angestellten... wohin geht das Geld?
    • Coburn 11.08.2020 19:35
      Highlight Highlight @Matt1988 Leider haben wir dafür die falschen Entscheidungsträger auf dieser Welt.
    • Seelenstein 11.08.2020 19:36
      Highlight Highlight Es ist an der Zeit, wahrlich, nur sind wir nicht vorbereitet. Die Sorge um das Geld fürchten nicht nur die Restaurantbesitzer und Selbständige oder Arbeitnehmer. Am meisten Sorgen und Angst haben jene darum, welche viel Geld haben, weil ohne, sie nicht werter als normalos sind. Diese Krise wollte niemand, auch Corona nicht, besonders die gut betuchten nicht.
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