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Marcelinho und seine Hertha-Kollegen waren gegen Servette chancenlos.
Marcelinho und seine Hertha-Kollegen waren gegen Servette chancenlos.
Bild: AP NY

Fingerzeig an die Bundesliga – als Favre mit Servette in Berlin für Furore sorgte

Seit gut einem Jahrzehnt ist Lucien Favre als Trainer im Ausland tätig, in der Bundesliga arbeitet der 62-Jährige insgesamt schon mehr als acht Jahre. Ein erstes Mal für Aufsehen in Deutschland sorgte er 2001, als er mit Servette im UEFA-Cup Hertha Berlin 3:0 schlug.
03.06.2020, 10:44

«Es war kalt, sehr kalt....» An die Witterungsverhältnisse am 6. Dezember 2001 im Berliner Olympiastadion mag sich Dortmund-Trainer Lucien Favre auch knapp zwei Jahrzehnte später noch bestens erinnern. Wohl auch aufgrund der Kälte verloren sich an jenem Samichlaus-Tag nur knapp 10'000 Zuschauer im weiten Rund im Westen der einst geteilten Stadt. Zudem versprach die Affiche der 3. Runde im UEFA-Cup aus Sicht der Anhänger des Bundesligisten offensichtlich wenig Spannung.

Die Hertha hatte einen Lauf, war seit zehn Pflichtspielen ungeschlagen und trat nach dem Heimsieg vier Tage zuvor gegen Bayern München mit Selbstvertrauen, aber wohl auch einer Prise Überheblichkeit an. Mit Ausnahme von Eintracht Frankfurt, das 1978 in den UEFA-Cup-Viertelfinals von den Grasshoppers eliminiert wurde, war noch nie ein Team aus der Bundesliga an einem Schweizer Vertreter gescheitert. Und das 0:0 im Hinspiel in Genf kam dem Wunschergebnis des Favoriten nahe.

Servette war Favres erste grosse Trainer-Station.
Servette war Favres erste grosse Trainer-Station.
Bild: KEYSTONE

Doch auch Favre wertete das torlose Remis in der Charmilles als «sehr gutes» Resultat. «Es liess uns alle Möglichkeiten offen.» Mit Real Saragossa hatte Servette in der Runde zuvor bereits einen Vertreter aus einer europäischen Topliga ausgeschaltet. Und auch in Berlin trat der Schweizer Cupsieger keck und selbstbewusst auf.

Favre denkt nur an «Verbesserung»

Den Grundstein zur Überraschung legten die Genfer nach gut einer Viertelstunde innerhalb von 50 Sekunden. In der 17. Minute köpfelte der Brasilianer Hilton eine Freistossflanke zur Führung für die Gäste ein, eine knappe Minute später konnte Herthas Verteidiger Dick van Burik Alex Frei nur mit einem Foul stoppen und sah die Rote Karte. «Der Ausschluss war gerechtfertigt. Ohne dieses Foul wäre ich allein auf den Torhüter gezogen», wertete Frei nach dem Spiel den umstrittenen Platzverweis.

Die SRF-Zusammenfassung von damals.
Video: streamable

Der heutige Schweizer Rekordtorschütze sorgte mit dem 2:0 kurz nach der Pause für die Vorentscheidung, Goran Obradovic staubte in der 70. Minute zum 3:0 ab, nachdem ein Freistoss von Sébastien Fournier von der Latte zurückgeprallt war. Das Verdikt hätte aber auch weniger deutlich ausfallen können. In der ersten Halbzeit war Hertha Berlin dem Ausgleich mehrmals nahe gekommen. Der starke Servette-Torhüter Eric Pédat und etwas Glück verhinderten, dass der Bundesligist einen Weg zurück in die Partie fand.

«Die erste Halbzeit war bei weitem nicht das Beste, was wir in dieser Saison im UEFA-Cup abgeliefert haben», sagte Captain Pédat selbstkritisch nach der Partie. Favre freute sich zwar über den Erfolg, liess sich davon in der von ihm gewohnten Art aber nicht blenden: «Ein Trainer darf nicht bei Momentaufnahmen verweilen. Er hat die Aufgabe, weiter zu arbeiten, nach vorn zu blicken und sein Team weiter zu verbessern. Ich habe auch bei diesem 3:0 einiges erkannt, das verbessert werden muss.»

Hilton bejubelt seinen Treffer zum 1:0.
Hilton bejubelt seinen Treffer zum 1:0.
Bild: AP NY

Die «Euro-Deppen» aus Berlin

In der deutschen Hauptstadt sorgte das Ergebnis für Aufsehen. «Ihr seid die Euro-Deppen. Europa lacht über Hertha», titelte die «Bild»-Zeitung am Tag danach. Und der Reporter der ARD hatte während der Live-Übertragung schon festgestellt: «Das ist eine Nikolaus-Bescherung der besonderen Art. Und eine Deklassierung. Die Schweizer spielen beeindruckend.»

Auch bei den Verantwortlichen von Hertha Berlin hinterliess der Auftritt von Servette an diesem bitterkalten Abend Spuren. Alex Frei weckte das Interesse der Berliner und anderer Bundesligisten, der damals 22-jährige Stürmer verliess Servette Anfang 2003 aber Richtung Stade Rennes. Trainer Favre erlag Herthas Werben im Frühjahr 2007 und wechselte an die Spree, nachdem er auch beim FC Zürich bewiesen hatte, dass er Titel gewinnen kann.

Favre mit Dieter Hoeness bei seiner Vorstellung in Berlin.
Favre mit Dieter Hoeness bei seiner Vorstellung in Berlin.
Bild: AP

Servettes Abenteuer im UEFA-Cup endete nach dem Coup in Berlin eine Runde später. Die Genfer blieben in den Achtelfinals gegen den FC Valencia ohne Chance und schieden mit dem Gesamtskore von 2:5 aus. (pre/sda)

Hier gibt's die ganze Partie zum Nachschauen.
video: youtube
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Die grössten Schweizer Europacup-Erfolge im Fussball

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Die grössten Schweizer Europacup-Erfolge im Fussball
quelle: keystone / thomas hodel
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