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Das sind die Länder mit den wenigsten Touristen – längst nicht in allen herrscht Krieg

Gunnar Garfors aus Norwegen hat mit 38 Jahren bereits jedes Land der Welt bereist und darüber ein Buch geschrieben. Jetzt hat er ausgewertet, welche Länder 2014 am wenigsten Touristen hatten. Darunter sind auch wahre Perlen.
28.07.2015, 17:4429.07.2015, 14:23
Die am schwersten zu passierende Grenze? Von wegen. Nordkorea hatte 2014 125'000 Touristen zu Besuch.
Die am schwersten zu passierende Grenze? Von wegen. Nordkorea hatte 2014 125'000 Touristen zu Besuch.Bild: JEON HEON-KYUN/EPA/KEYSTONE

Gunnar Garfors ist ein Reise-Junkie und lässt die Welt in seinem Blog daran teilhaben. Eines seiner neuesten Werke: Eine Liste mit den Ländern, die am wenigsten Touristen beherbergen. Zwar hat die World Tourism Organisation der UNO (UNWTO) ebenfalls einen Tourismusbericht 2014 herausgegeben. Garfors hat sich diese Daten der UNWTO denn auch zunutze gemacht, sie aber mit weiteren Daten ergänzt und abgeglichen. Denn laut dem Norweger hat die UNWTO in ihrem Bericht nur Länder aufgelistet, die offizielle Zahlen angeben konnten.

Die restlichen Länder hat Garfors selber recherchiert, wie er schreibt. Er hat mit Touristenagenturen gesprochen, Passagierzahlen von Flughäfen ermittelt und Medienberichte studiert. Er räumt zwar ein, dass solche Zahlen nie exakt stimmen können, das Resultat kann sich aber trotzdem sehen lassen. Hier Garfors Liste der 26 am wenigsten besuchten Länder der Welt:

10. Turkmenistan: 8697 Besucher

Wem ist diese Statue gewidmet?
Wem ist diese Statue gewidmet?Bild: Alexander Vershinin/AP/KEYSTONE

Turkmenistan ist das unbekannte Nordkorea. Die Diktatur ist zwar weniger strikt, dafür sucht der Personenkult um den ehemaligen Präsidenten Saparmyrat Nyýazow (genannt Turkmenbaschi, Führer der Turkmenen) seinesgleichen. Ein Beispiel gefällig? Gunnar Garfors schreibt: «Imagine that you were to travel with Turkmenbashi (the man) from Turkmenbashi (the airport) to Turkmenbashi (the city) during Turkmenbashi (the month) to visit Turkmenbashi (the school) in Turkmenbashi (the street) to drink Turkmenbashi (the vodka)?»

Wer nun denkt, die Frage sei hinfällig, wen die goldene Statue oben auf dem Bild verkörpert, irrt. Das ist nicht Turkmenbaschi sondern Gurbanguly Berdimuhamedow, der neue Präsident, der seinen eigenen Personenkult startet.

9. Guinea-Bissau: 7500 Besucher

Guinea-Bissau: Ein unbekanntes Land mit wenig Infrastruktur.
Guinea-Bissau: Ein unbekanntes Land mit wenig Infrastruktur.Bild: STAFF/REUTERS

«Erwarte kein Zeichen modernen Lebens», schreibt Garfors. Das afrikanische Land ist seit 1973 unabhängig und war vorher eine portugiesische Kolonie. Es gilt als politisch instabil und ist von der Entwicklungszusammenarbeit mit der UNO abhängig.

8. Libyen: 6250 Besucher

Bei solchen Bildern ist es kaum erstaunlich, dass es kaum Touristen in Libyen gibt.
Bei solchen Bildern ist es kaum erstaunlich, dass es kaum Touristen in Libyen gibt.Bild: Mohamed Salama/AP/KEYSTONE

Das von Bürgerkrieg erschütterte Libyen scheint nicht zur Ruhe zu kommen. Seit dem Sturz von Gaddafi bekämpfen sich rivalisierende Milizen und es brechen immer wieder heftige Gefechte aus. 

Es gibt kaum einen sicheren Weg, ins innere des Landes zu gelangen. Der Flughafen in Tripolis wurde nach Bomben-Attentaten geschlossen und nur Libyan Airlines, Afriqiyah Airways oder Buraq Air landen auf dem kleineren Mitiga Flughafen. 

7. Kiribati: 6000 Besucher

Kiribati: das unbekannte Paradies.
Kiribati: das unbekannte Paradies.Bild: AP/The International Group for Historic Aircraft Recovery

Kiribati ist eine Ansammlung von Inseln im Pazifik, nordöstlich von Australien. Im Ranking von 2013 war es noch auf dem vierten Platz. Als Grund für das Fehlen von Touristen nennt Garfors, dass schlichtweg niemand den Staat kennt. Die Inseln seien aber ohne weiteres per Flugzeug erreichbar.

6. Äquatorial-Guinea: 5700 Besucher

In Äquatorial-Guinea ist die Schere zwischen Arm und Reich am grössten.
In Äquatorial-Guinea ist die Schere zwischen Arm und Reich am grössten.Bild: STRINGER/REUTERS

Warum es in Äquatorial-Guinea so wenige Touristen gibt? Laut Garfors ist es als nicht US-Bürger beinahe unmöglich, ein Visum zu erhalten. Der Norweger musste durch ein «quälend-bürokratisches» Verfahren, um eine Einreiseerlaubnis zu erhalten.

Einer, der anfangs Jahr das Land bereiste, war watson-Sportchef Reto Fehr. Genau, das ist der, der jetzt mit dem Velo durch die Schweiz fährt, weil er Afrika (bis jetzt) besser kannte als die Heimat. Er nutzte die Gelegenheit, dass der Afrika-Cup in Äquatorial-Guinea war und es so (ein ganz klein wenig) einfacher war, an ein Einreisevisum zu kommen. In seinem Abschlussbericht schreibt er: «Ein so spezielles Land habe ich selten erlebt.»

5. Südsudan: 5500 Besucher

Der Südsudan ist der jüngste Staat der Erde und hat etwas Startschwierigkeiten.
Der Südsudan ist der jüngste Staat der Erde und hat etwas Startschwierigkeiten.Bild: GORAN TOMASEVIC/REUTERS

Fotos zu machen ist im Südsudan verboten. Gunnar Garfors' Erfahrung im afrikanischen Land: «James, der Receptionist in meinem Hotel, ist vor Lachen beinahe umgekippt, als ich ihm sagte, ich sei als Tourist hier.» 

Das frisch gebackene Land wird immer wieder von kämpferischen Auseinandersetzungen heimgesucht. Es geht dabei meistens um politische Macht und Ressourcen. Die Blauhelme der UNO versuchen die Situation unter Kontrolle zu halten. Wenig überraschend: Auch das EDA rät von Reisen und Aufenthalten ab.

4. Marshallinseln: 4600 Besucher

Unberührte Strände gibt es auf den Marshallinseln zuhauf.
Unberührte Strände gibt es auf den Marshallinseln zuhauf.Bild: AP

Der einzig wirklich bekannte Ort auf den Marshallinseln ist das Bikini Atoll und zwar aus folgendem Grund: 

Animiertes GIFGIF abspielen
Die Marshall Inseln waren 1952 die radioaktiv am meisten kontaminierte Gegend der Welt. 

Aber: Es gibt mehr als 1'000 verschiedene Fisch- und 250 Korallarten. Ein Paradies für jeden Taucher. 

3. Tuvalu: 1200 Besucher

wikipedia/tuvalu

Tuvalu besteht aus neun Inseln, von denen acht bewohnt sind. Grund für das Fehlen von Touristen ist, dass die Inseln nur schwer zu erreichen sind. «Die Freundlichkeit, die ich in Tuvalu erlebte, sucht seinesgleichen», sagt Garfors. «Nimm aber australische Dollar mit. Oder eine Bettelschale.» Kreditkarten werden nicht akzeptiert.

2. Somalia: 400 Besucher

Somalia ist von Bürgerkriegen zerrüttet.
Somalia ist von Bürgerkriegen zerrüttet.Bild: Farah Abdi Warsameh/AP/KEYSTONE

Der Ostafrikanische Staat Somalia wird seit Jahren von Bürgerkriegen heimgesucht und Schiffe, die vor der Küste verkehren, brauchen Begleitschutz. Die islamistische al-Shabab-Miliz ist allgegenwärtig und versucht, die Herrschaft über das ganze Gebiet zu gewinnen. Die Hauptstadt ist laut Gunnar Garfors «relativ sicher» und am Flughafen bieten sich bewaffnete Führer an. Das Eidgenössische Amt für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) sieht's etwas anders: «Von Reisen nach Somalia wird abgeraten.»

1. Nauru: 160 Besucher

Der Inselstaat Nauru war bereits in der Liste von 2013 auf dem ersten Platz (oder auf dem Letzten).
Der Inselstaat Nauru war bereits in der Liste von 2013 auf dem ersten Platz (oder auf dem Letzten).Bild: AFP

Nauru hat eine Fläche von 21,1 Quadratkilometer und etwas mehr als 10'000 Einwohner. Früher verfügte die Insel über das qualitativ beste Phosphat-Vorkommen der Welt. Die Einkünfte aus dem Phosphat-Export kamen der Bevölkerung zugute. So besass laut Wikipedia jeder Haushalt mehr als zwei Autos und die ärztliche Behandlung war kostenlos. Mittlerweile sind die Phosphat-Vorkommen erschöpft und der Inselstaat ist auf Finanzhilfe von Australien angewiesen.

Ein Besuch lohnt sich vor allem für Hipster: «Weisst du, ich war in Nauru, kennst du bestimmt nicht, da gehen nur ganz wenig Leute hin, aber ich war da.» Ausserdem kann man das ganze Land in einem Tag umrunden.

(lhr)

Die 26 Länder mit den wenigsten Touristen

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Die 26 Länder mit den wenigsten Touristen.
quelle: epa/lusa / andre kosters
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5 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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damien
28.07.2015 19:17registriert Juli 2015
War Nauru nicht auch der Staat, der nach dem wirtschaftlichen Aufstieg plötzlich 90% ubergewichtige bzw. 70% fettleibige Einwohner hatte?
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