Interview
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Hautnah dran: Das Filmteam erhielt überall Zugang. bild: mysports

Interview

Dok-Film über den HC Davos: «Da habe ich mit Fussballern schon ganz anderes erlebt»

Live-Eishockey werden wir in dieser Saison nicht mehr sehen. Und doch kommen Fans noch auf ihre Kosten. Der MySports-Dokumentarfilm «Das Projekt Davos – Aufbruch und Stillstand» gewährt ihnen einen Blick hinter die Kulissen des Rekordmeisters HCD. Autor Martin Masafret im Interview.



Der Puck ruht. Wie lange, weiss niemand. Das Coronavirus hat den Sport lahmgelegt.

Neun Monate zuvor ahnt noch kein Mensch, wie denkwürdig die Saison zu Ende gehen wird. In Davos hat soeben eine neue Trainercrew übernommen. Christian Wohlwend tritt in die grossen Fussstapfen von Arno Del Curto, der während mehr als zwei Jahrzehnten eine erfolgreiche Ära geprägt hatte. Der Neue soll das Team, das zuletzt die Playoffs verpasst hat, wieder auf Vordermann bringen.

Das ist das Szenario, als Martin Masafret vom TV-Sender MySports den Auftrag fasst, den HCD während einer Saison zu begleiten. Den 64-Jährigen kennt man noch heute von der legendären SRF-Sendung «Time out», er veröffentlichte auch mehrere Dokumentarfilme.

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Masafret arbeitete bis 2017 während 37 Jahren für das Schweizer Fernsehen. bild: SRF/Thomas Züger

Martin Masafret, wieso fiel die Wahl, ein Team eine Saison lang zu begleiten, auf den HC Davos?
Martin Masafret: Die Ausgangslage war spannend. Arno Del Curto wirkte in Davos 22 Jahre lang und war viel mehr als bloss der Trainer. Durch seinen Abgang entstand eine völlig neue Situation. Ein Sportchef, ein Chef- und zwei Assistenztrainer kamen, das war ganz neu für den HCD. Sportchef Raeto Raffainer war während der ganzen Dreharbeiten sehr offen und versicherte uns, dass wir überall freien Zugang hätten.

Und war das dann auch tatsächlich so? Konntet ihr filmen, was ihr wolltet?
Ja, von ganz, ganz wenigen Ausnahmen abgesehen. Aber das ist logisch. Es gibt immer Dinge, die man nicht an die grosse Glocke hängen muss und das respektiert man auch.

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Trainer Wohlwend zeigt, weshalb er als sehr emotional gilt. bild: mysports

Der Film ist rund 80 Minuten lang geworden. Wie viel Arbeit steckt in einem Werk dieser Länge?
Uff, das weiss ich gar nicht … sehr viel auf jeden Fall! Wir hatten 20 Drehtage. Es dauert etwa zwei Tage, um das Material von einem Tag zu sichten, dir die wichtigen Momente zu notieren. Und dann setzt du dich mit einer Cutterin an den Schnittplatz und siehst am Anfang so viele Bäume, dass du den Wald nicht mehr siehst. Es ist deshalb sehr wichtig, dass jemand dazu kommt, der nicht beteiligt war, der den Blick von aussen hat und hinterfragt, ob diese oder jene Szene wirklich wichtig ist. Dann realisierst du, dass der Zuschauer möglicherweise einen anderen Blick hat als du, der immer dabei war.

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Der Trailer zur Dokumentation. Video: YouTube/MySports

Gab es während der Dreharbeiten Momente, die Sie überrascht haben? Womit Sie nicht gerechnet hätten, obwohl sie schon ewig im Sportjournalismus tätig sind?
Zum einen war es ein Team-Event noch vor der Saison. Der HCD machte sich zu einer gemeinsam Klettertour auf, damit hätte ich nicht gerechnet. Dino Wieser hat Höhenangst und doch schaffte er es, obwohl es ziemlich lange senkrecht bergauf ging. Auch wie Wieser mit seiner Hirnerschütterung umgegangen ist, hat mich sehr beeindruckt.

Speziell war zudem, wie offen, unkompliziert und geerdet der schwedische Verteidiger Magnus Nygren ist. Da habe ich mit Fussballern schon ganz anderes erlebt. Aber er ist am Boden geblieben, sagt «fadegrad» seine Meinung und nimmt sich überhaupt nicht wichtig.

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Geschafft! Auch Dino Wieser ist oben. bild: Mysports

Die Kabine gilt im Eishockey als Heiligtum, das Betreten ist streng verboten, wenn man nicht zum Team gehört. Wie reagierten die Spieler darauf, dass sie nun an diesem Rückzugsort ständig von einem Kamerateam gefilmt wurden?
Sie reagierten eigentlich überhaupt nicht darauf. Bestimmt war es von Vorteil, dass wir häufig da waren. Sie haben gemerkt, dass sie uns vertrauen können. Ich habe nie den Eindruck gehabt, die Spieler würden sich wegen uns verstellen. Ich hatte das Gefühl, dass sie uns als Teil ihrer Gruppe wahrnehmen.

Der HCD zeigte eine für viele Beobachter überraschend starke Saison, die Regular Season beendete das Team nach dem grossen Umbruch auf Rang 3. Der Erfolg war für den Film bestimmt nicht verkehrt.
Sicher. Aber Gottseidank – wohlgemerkt: für den Film, nicht für den HCD – gab es auch Phasen, in denen das Team nicht nur erfolgreich war. Ich denke da etwa an den Spengler Cup oder an den Cupfinal, den Davos als grosser Favorit gegen das unterklassige Ajoie verloren hat. Zu sehen, wie das Team mit diesen Rückschlägen umging, war für den Film nicht unwichtig. Raeto Raffainer sagte einmal, wenn man immer gewinne, scheine immer die Sonne, dann sei es einfach. Wichtig sei, wie man sich verhalte, wenn man einmal «aufs Dach kriege».

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Sportchef Raffainer eröffnet dem Team, dass es keine Playoffs geben wird. bild: mysports

Im ersten Moment waren die Spieler nach dem verlorenen Cupfinal bestimmt enttäuscht. Aber als Sportler werden sie sich rasch den anderen Pokal als Ziel vorgenommen haben, jenen für den Meistertitel. Doch daraus wurde nichts. Wie war das, als die Spieler in der Kabine sassen und sie über den Abbruch der Saison informiert wurden?
Das ist ein sehr eindrücklicher, ein bewegender Moment im Film. Wenn man diese Bilder sieht, dann sieht man, dass es für die Mannschaft ein sehr harter Schlag war. Sie ging, habe ich das Gefühl, gut damit um. Aber gerade Raeto Raffainer, der den Entscheid verkünden musste, ging das nahe.

Am Samstag im TV

«Das Projekt Davos – Aufbruch und Stillstand» wird am 28. März um 21.30 Uhr auf MySports One ausgestrahlt. Der Film von Autor Martin Masafret und Produzent Sven Schoch dauert rund 80 Minuten.

Mehr Unterhaltung in der Corona-Krise

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