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Marilyn Mosby, Baltimore state's attorney, pauses while speaking during a media availability, Friday, May 1, 2015 in Baltimore. Mosby announced criminal charges against all six officers suspended after Freddie Gray suffered a fatal spinal injury while in police custody. (AP Photo/Alex Brandon)

Staatsanwältin Marilyn J. Mosby Bild: Alex Brandon/AP/KEYSTONE

Staatsanwältin von Baltimore: «Tod von Freddie Gray war Mord» – alle sechs Polizisten werden angeklagt



Nach dem Tod des Schwarzen Freddie Gray in Polizeigewahrsam in Baltimore klagt die US-Justiz einen Polizisten wegen Mordes mit bedingtem Vorsatz («Mord zweiten Grades») an. Drei weiteren Beamten wird Totschlag vorgeworfen, gab die Staatsanwaltschaft am Freitag bekannt. Alle sechs beteiligten Beamten müssen sich wegen Körperverletzung verantworten.

Der 25-jährige Gray war am 12. April festgenommen worden und erlitt darauf in Polizeigewahrsam schwere Rückenverletzungen. Er fiel ins Koma und starb am 19. April. Die genauen Umstände sind bis heute ungeklärt. Der Tod löste schwere Unruhen aus - in Baltimore herrscht bis zum kommenden Dienstag ein nächtliches Ausgangsverbot.

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Staatsanwältin Marilyn Mosby warf den Polizisten vor, Gray beim Transport in einem Polizeibus misshandelt und ihm medizinische Versorgung verweigert zu haben. Die Beamten hätten Gray ohne anzuschnallen auf den Bauch in das Auto gelegt. Alle sechs Polizisten wurden bereits vom Dienst suspendiert. Nun sei Haftbefehl erlassen worden, sagte Mosby.

Nach US-Recht ist Mord zweiten Grades eine Tötung, die anders als Mord erstes Grades nicht im Voraus geplant war, aber einen Tod billigend in Kauf nimmt oder eine extrem fahrlässige Missachtung menschlichen Lebens widerspiegelt.

Der Fall Gray ist der bislang letzte bekannt gewordene Fall von Polizeibrutalität gegenüber Schwarzen. Erstmals hatten die Todesschüsse eines weissen Polizisten auf den unbewaffneten schwarzen Teenager Michael Brown in Ferguson (Missouri) im vergangenen Sommer landesweite Empörung ausgelöst.

Krawalle in Baltimore

Zeitung: Polizei tötete 2013 über 460 Menschen

Vor diesem Hintergrund berichtete die «New York Times», dass US-Polizisten im Jahr 2013 über 460 Menschen töteten. Dabei handle es sich lediglich um Fälle, die von der Bundespolizei FBI erfasst worden seien und als juristisch gerechtfertigt gelten. Noch zwischen 2009 und 2012 habe die Zahl zwischen 397 und 426 gelegen.

Experten schätzten dagegen, dass die Zahl der von der Polizei Getöteten in Wirklichkeit weitaus höher liegt. Inoffizielle Statistiken, die von Freiwilligen geführt würden, gingen von etwa 1100 Toten im Jahr aus - das würde etwa drei Opfer am Tag bedeuten. Unklar ist, wie die Menschen ums Leben kamen - auch die ethnische Zugehörigkeit sei nicht berücksichtigt.

«Tödliche Gewalt durch die Polizei ist ein ständiges Problem», schreibt die «New York Times». Dies habe bereits dazu geführt, dass die Polizei im ganzen Land «darüber diskutiert, ob sie ihr Vorgehen und ihr Training ändern muss».

Die «New York Times» schreibt weiter, schlechtes Polizeitraining sowie eine gängige «Polizei-Kultur» führe dazu, dass sich Polizisten in den USA als permanent bedroht fühlten. «Weniger erfahrene Beamte könnten ihr Training als eine Lizenz zum Einsatz von Gewalt sehen».

Körperkameras für Polizisten

Das US-Justizministerium stellt Polizeibehörden im ganzen Land 20 Millionen Dollar für den Kauf von Körperkameras bereit. Wie das Ministerium am Freitag mitteilte, handelt es sich um die erste Tranche der 75 Millionen Dollar, die Präsident Barack Obama im Dezember für die Anschaffung von an der Uniform getragenen Minikameras in Aussicht gestellt hatte.

Obama reagierte damit auf die Serie tödlicher Polizeigewalt gegen Afroamerikaner. «Körperkameras erscheinen äusserst vielversprechend, um für Polizisten und die von ihnen abgedeckten Gemeinden die Transparenz zu erhöhen, die Verantwortlichkeit zu fördern und die öffentliche Sicherheit zu verbessern», erklärte die neue Justizministerin Loretta Lynch.

Obama hatte im Dezember den Kauf von 50'000 Körperkameras als Ziel ausgegeben. Die Umsetzung der Initiative dürfte aber wegen des komplizierten Polizeiwesens der USA schwierig werden. Auf Bundesebene, in den Bundesstaaten und in den Kommunen existieren rund 18'000 Polizeibehörden. (sda/dpa/afp)

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