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Trotz Frankenstärke: Detailhandel kann 2016 wieder mit höheren Umsätzen rechnen



Der Schweizer Detailhandel hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Schuld daran haben vor allem zwei Entwicklungen. Einerseits kauften seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses deutlich mehr Schweizer im Ausland ein. Andererseits trübte sich die Konsumentenstimmung ein.

Die Detailhandelsumsätze sanken 2015 in der Schweiz laut einer Studie der Credit Suisse vom Dienstag um rund 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dies ist eine deutliche Verschlechterung zum Jahr 2014, als die Verkaufserlöse um rund 1,1 Prozent zugelegt hatten.

ARCHIV --- ZUM WACHSENDEN DRUCK AUF DEN SCHWEIZER DETAILHANDEL STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILD ZUR VERFUEGUNG --- Menschen an der Kasse im deutschen Einkaufszentrum Lago ein, am Samstag, 17. Januar 2015 in Konstanz. Nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) und dem Fall des Eurokurses nutzen viele Schweizer Einkaufstouristen die Moeglichkeit, im nahen Ausland Schnaeppchen zu machen. (KEYSTONE/Ennio Leanza)..

Der Detailhandel in der Schweiz wird sich 2016 erholen, so die Prognose.
Bild: KEYSTONE

Zu dieser Entwicklung haben hauptsächlich vier Effekte beigetragen: Negativ schlugen seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses am 15. Januar 2015 die deutlich ausgeweiteten Auslandseinkäufe der Schweizer Bevölkerung zu Buche. Ausserdem drückten im Jahresverlauf die Griechenland-Krise und die sich häufenden Meldungen zu Stellenreduktionen in der Schweiz negativ auf die Konsumentenstimmung.

Allerdings führte die Wechselkursentwicklung auch dazu, dass die Schweizer Konsumenten über eine höhere Kaufkraft verfügten und sich somit mehr Produkte leisten konnten. Zudem wuchs die Bevölkerung der Schweiz wiederum leicht, was ebenfalls für höhere Detailhandelsumsätze sorgte.

Boom beim Einkaufstourismus

Der vermehrte Einkaufstourismus sowie die Verschlechterung der Konsumstimmung überlagerten unter dem Strich die positiven Effekte bei der Kaufkraft und beim Bevölkerungswachstum, sodass die Nachfrage im Detailhandel insgesamt um besagte 0,4 Prozent rückläufig war. Laut einer Umfrage erreichten ohnehin nur ein Drittel der befragen Händler und Hersteller ihre Umsatzziele. Jedes fünfte Unternehmen hat demzufolge sein Umsatzziel 2015 sogar «deutlich» verfehlt.

Das Volumen der Schweizer Auslandseinkäufe im stationären Handel sowie online dürfte laut der CS im vergangenen Jahr bei rund elf Milliarden Franken gelegen haben. Zum Vergleich: Der Verwaltungsratspräsident von Coop, Hansueli Loosli, hatte unlängst den Einkaufstourismus 2015 mit rund zwölf Milliarden Franken beziffert. Hauptprofiteur ist der deutsche Detailhandel. Allein an der Grenze zu Deutschland (Grenzwachtregionen Basel und Schaffhausen) legten die Schweizer Mehrwertsteuereinnahmen gegenüber dem Vorjahr um elf Prozent zu. Im Einklang damit stieg die Anzahl der Ausfuhrbescheinigungen, die der deutsche Zoll für die Ausfuhren von Waren in die Schweiz 2015 abgestempelt hat, um rund 13 Prozent.

2016 soll es besser werden

2015 dürfte der Onlinehandel analog zu den Vorjahren erneut kräftig gewachsen sein, Allerdings gibt es diesbezüglich noch keine konkreten Zahlen für das vergangene Jahr. Die Onlineumsätze der Schweizer Detailhändler hatten 2014 allerdings bereits einen Anteil von 5,1 Prozent.

Dass Internetgeschäfte auch 2015 markant zugelegt haben, machen die Autoren der CS-Studie an mehreren Entwicklungen fest. So gab die Schweizerische Post beispielsweise Mitte 2015 bekannt, dass sie seit Jahresbeginn täglich rund 11'000 Importpakete verarbeite. Dies entspräche einem Plus von rund zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zudem verzeichneten auch Abholstationen und andere Logistik-Dienstleister starke Zuwachsraten in der Schweiz.

Marktgrössen wie H&M sowie Tally Weijl nahmen ausserdem ihre Schweizer Onlineshops in Betrieb. Volg lancierte den Onlinehandel als Pilotprojekt.

Für 2016 rechnet die Credit Suisse mit einer leichten Entspannung für den Schweizer Detailhandel, obwohl der Wechselkurs zum Euro noch bei 1.10 je Franken verharren dürfte. Dank des etwas höheren verfügbaren Einkommens und der sich nur leicht abschwächenden Nettozuwanderung erwarten die Experten, dass sich die Nachfrage 2016 deutlich besser entwickeln wird als 2015. Und dies vor dem Hintergrund, dass sich die Stimmung unter den Konsumenten kaum markant aufhellt und der Einkaufstourismus auf hohem Niveau bleibt.

(sda)

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