Friedrich Merz ist der unbeliebteste Kanzler jemals – daran liegt es
Der deutsche Kanzler Friedrich Merz trat nach dem Ende der Ampel-Regierung mit grossen Erwartungen sein Amt an. Er versprach, die Wirtschaft anzukurbeln, die Migration stärker zu begrenzen und Deutschland mit einem pragmatischen, ruhigen Regierungsstil aus dem politischen Chaos zu führen. Umso grösser ist die Enttäuschung der Deutschen über die bislang fehlenden sichtbaren Ergebnisse. Statt Stabilität und Aufbruch bestimmen zunehmend Streit und Unsicherheit das Bild seiner Regierung.
Das sind die aktuellen Umfragewerte
Friedrich Merz ist aktuell so unbeliebt wie kein Vorgänger zuvor – inklusive Scholz und der Ampel-Regierung. Nach zwölf Monaten im Amt sind nur noch 16 Prozent der Befragten mit der Arbeit des deutschen Kanzlers zufrieden oder sehr zufrieden, zeigt der Deutschlandtrend von Infratest Dimap am 7. Mai. Kurz nach Beginn seiner Amtszeit im Juni 2025 waren es 39 Prozent. Damit startete er schon mit vergleichsweise schwachen Werten, verlor aber weiter an Rückhalt.
Inzwischen hat die AfD die Partei von Friedrich Merz in den Umfragen überholt. Anfang Mai erhielt die Alternative für Deutschland im Deutschlandtrend erstmals mehr Zuspruch als jede andere Partei. Mit 29 Prozent erreicht sie einen Höchstwert, während die CDU auf 22 Prozent zurückfällt.
Die schlechten Umfragewerte gelten damit nicht nur Friedrich Merz, sondern auch der schwarz-roten Koalition. Nach einem Jahr ist sie unbeliebter als jede andere Bundesregierung zum gleichen Zeitpunkt seit Beginn des Deutschlandtrends 1997. Jeder Zweite ist der Meinung, dass die Grosse Koalition nicht bis zum Ende der Legislaturperiode weiterarbeiten sollte.
Laut einer aktuellen Insa-Umfrage im Auftrag der Bild am Sonntag sorgen sich 84 Prozent der Befragten um die Lage in Deutschland. Sollten die aktuell geplanten Reformprojekte der Bundesregierung bei Steuern und Sozialleistungen scheitern, sprechen sich 67 Prozent dafür aus, Friedrich Merz als Kanzler zu ersetzen.
Darum ist Merz so unbeliebt
Die Zweifel der Befragten liegen vor allem darin, ob die Regierung zentrale Probleme lösen kann. Während das Vertrauen in ihre Migrationspolitik vergleichsweise stabil bleibt, hat die Regierung umso mehr in der Wirtschafts- und Sozialpolitik an Vertrauen eingebüsst.
Der öffentliche Dauerstreit zwischen CDU und SPD in der Koalition hilft nicht. Jens Spahn, Fraktionschef der Union, gab jüngst zu: «Viele unserer Erfolge sind in zu viel öffentlichem Streit und Zank untergegangen.» Und auch Friedrich Merz räumt ein, dass Streit zwar zu einer Demokratie gehöre, aber auch zu Ergebnissen führen müsse. Das sagte er am Freitag am Katholikentag in Würzburg. «Vielleicht streiten wir im Augenblick zu viel und bringen zu wenig Ergebnisse. Das mag sein.»
87 Prozent der Befragten sind laut Deutschlandtrend unzufrieden damit, wie die Regierung ihre Politik den Bürgerinnen und Bürgern erklärt und vermittelt. 82 Prozent sind der Ansicht, dass Merz nicht überzeugend kommuniziert.
Ippen.Media-Chefredaktor Markus Knall erklärt bei WeltTV nach den desaströsen Umfragewerten, dass Friedrich Merz zwar «brillant analysieren und Probleme benennen» könne, aber «den Schmerz der Menschen» nicht höre. Die Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern sei für einen Politiker essenziell. «Er hat noch nicht umgelegt auf den Kanzler, der für alle Deutschen da ist, der die Menschen umarmen kann, der den Leuten auch zuhören kann.»
Knall führt aus:
Auch in diesem Punkt gibt sich Merz inzwischen selbstkritisch. Am Katholikentag sagte er, nachdem Aktivisten ihn ausgepfiffen hatten, ihn beschäftige sehr, dass es ihm offenbar nicht gelinge, Menschen im Land hinreichend zu erreichen. «Ich weiss, dass ich in meiner Kommunikation etwas verbessern muss, damit diese Botschaft besser verstanden wird», räumte Merz ein.
Auch in anderen Ländern sind Regierungen angezählt
Merz ist in diesen Tagen lange nicht der einzige unbeliebte Regierungschef. Der britische Premier Keir Starmer kämpft aktuell um sein Amt in London und ist unbeliebter als Liz Truss, die nur 45 Tage als Premierministerin im Amt war. Genauso ist der französische Präsident Emmanuel Macron unbeliebter als François Hollande an seinem politischen Tiefpunkt.
Die Zeit führt die Gründe für die aktuelle Unbeliebtheit der Regierungschefs in einer Kolumne wie folgt aus:
Nicht nur der Erfolg rechter Parteien, auch aktuelle geopolitische Herausforderungen gestalten das Regieren im Jahr 2026 deutlich schwieriger als noch vor einigen Jahren. Putin bedroht Europa, während die USA unter Donald Trump ihre Sicherheitsgarantien infrage stellen und neue Handelszölle verhängen. Gleichzeitig verschärft China den Wettbewerb für europäische Industrien, und der Konflikt mit dem Iran hat zu einer angespannten Lage auf den Energiemärkten geführt.
Diese Entwicklungen lassen sich nicht ausblenden. Doch gerade in einer solchen Lage kommt es darauf an, dass politische Führungen nicht nur reagieren, sondern Orientierung bieten, Prioritäten setzen und auch unter Druck handlungsfähig bleiben. Umso wichtiger ist nun eine Regierungsspitze, die Deutschland sicher durch die aktuellen Krisen führen und besonnen handeln kann.
