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Pflege: Trotz mehr Ausbildungsabschlüssen – Handlungsbedarf bleibt

06.09.2021, 16:04

Die ergriffenen Massnahmen von Bund, Kantonen und Gesundheitsbranche zur Nachwuchssicherung des nicht universitären Gesundheitspersonals zeigen Wirkung. Zu diesem Schluss kommt der Nationale Versorgungsbericht 2021. Trotzdem bleibt Handlungsbedarf:

Für den Zeitraum 2019 bis 2029 bestehe ein Nachwuchsbedarf von 43'400 Personen beim Pflegefachpersonal auf Tertiärstufe (Pflegefachfrau/Pflegefachmann) und von 27'100 Personen beim Pflege- und Betreuungspersonal der Sekundarstufe II (z.B. Fachfrau/Fachmann Gesundheit EFZ).

Die Verfasser des Berichts gehen davon aus, dass sich «mit dem verfügbaren Nachwuchs 67% (Tertiärstufe) beziehungsweise 80% (Sekundarstufe II) des Bedarfs abdecken» liesse. Diese Prognose basiert auf einer weiteren Steigerung der Zahl der Ausbildungsabschlüsse bei den Pflegeberufen, nachdem die Ausbildungstätigkeit in den vergangenen Jahren bereits intensiviert werden konnte.

So ist der Bestand des Pflege- und Betreuungspersonals zwischen 2012 und 2019 in den Gesundheitsinstitutionen um 29'100 Personen angestiegen. Am stärksten war der Personalzuwachs im Spitex-Bereich (+39%) gefolgt von den Alters- und Pflegeheimen (+17%) sowie den Spitälern und Kliniken (+13%).

Handlungsbedarf bleibt

Man dürfe sich jetzt aber nicht auf dem Erreichten ausruhen, wird Anne-Geneviève Bütikofer, Präsidentin von Nationale Dachorganisation der Arbeitswelt Gesundheit OdASanté und Direktorin von H+ Die Spitäler Schweiz in der Medienmitteilung zitiert. Denn trotz der erfreulichen Entwicklungen und Prognosen bei den Ausbildungsabschlüssen im Pflegebereich gäbe es aktuell «noch immer eine deutliche Lücke zwischen Angebot und Bedarf», heisst es weiter.

Diese Lücke werde heute zu einem grossen Teil von Personen mit ausländischem Diplom aufgefangen. Beim diplomierten Pflegefachpersonal betrage ihr Anteil am Personalbestand im Durchschnitt 30 Prozent, wobei grosse regionale Unterschiede bestünden.

«Die Covid-19-Pandemie hat uns gerade in den Grenzkantonen vor Augen geführt, dass diese Abhängigkeit einige Risiken birgt und unser Gesundheitswesen verletzlich macht», wird Lukas Engelberger, Präsident der Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK) zitiert.

Lukas Engelberger sieht in den Grenzkantonen Risiken in der Abhängigkeit von ausländischem Pflegepersonal.
Lukas Engelberger sieht in den Grenzkantonen Risiken in der Abhängigkeit von ausländischem Pflegepersonal.
Bild: keystone

Erhalt des Gesundheitspersonals

Daher wird neben einer weiteren Steigerung der Ausbildungsabschlüsse «vor allem auch Massnahmen zum Erhalt des Gesundheitspersonals». gefordert. Dazu gehöre unter anderem die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie eine gute Einarbeitung. Auch im Bereich Laufbahnplanung, berufliche Entwicklung und Talentförderung gäbe es noch Verbesserungspotential, heisst es weiter.

Pflegepersonal demonstrierte am 12. Mai 2021 – dem Tag der Pflege – in Basel. Die Demonstrierenden machten auf zu wenig Personal, zu wenig Zeit und zu viel Druck bei zu tiefem Lohn aufmerksam.
Pflegepersonal demonstrierte am 12. Mai 2021 – dem Tag der Pflege – in Basel. Die Demonstrierenden machten auf zu wenig Personal, zu wenig Zeit und zu viel Druck bei zu tiefem Lohn aufmerksam.
Bild: keystone

Zwar läge dies in erster Linie in der Verantwortung der Betriebe. «Politik und Behörden müssen aber die geeigneten Rahmenbedingungen schaffen und genügend finanzielle Mittel zur Verfügung stellen.»

Beim Nationalen Versorgungsbericht 2021 handelt es sich um den dritten Bericht dieser Art nach 2009 und 2016. Er wurde vom Schweizerische Gesundheitsobservatorium (Obsan), der GDK sowie der OdASanté erarbeitet. (yam/sda)

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