International
Lateinamerika

Nach Wahlschlappe: Schwere Regierungskrise erschüttert Argentinien

Nach Wahlschlappe: Schwere Regierungskrise erschüttert Argentinien

17.09.2021, 08:4417.09.2021, 08:44
Argentina's President Alberto Fernández, left, delivers his annual State of the Nation address which marks the opening session of Congress, next to Vice President Cristina Fernandez de Kirchner i ...
Alberto Fernández und Cristina KirchnerBild: keystone

Nach der heftigen Schlappe bei den Vorwahlen wird die argentinische Regierung von einer schweren Krise erschüttert. In einem langen Meinungsbeitrag auf ihrer Internetseite rechnete Vizepräsidentin Cristina Kirchner am Donnerstag mit Staatschef Alberto Fernández ab. «Ich habe gesagt, dass eine falsche Sparpolitik betrieben wird, die sich negativ auf die Wirtschaftstätigkeit und damit auf die Gesellschaft insgesamt auswirkt, und dass dies zweifellos Folgen für die Wahlen hat», schrieb die ehemalige Staatschefin (2007-2015) am Donnerstag auf ihrer Internetseite. «Ich habe dem Präsidenten immer gesagt, dass mich die angespannte soziale Lage beunruhigt.»

Bei den Vorwahlen am Sonntag hatte die linke Regierungskoalition Frente de Todos (Front aller) eine schwere Niederlage einstecken müssen. Die Vorwahlen dienen eigentlich nur zur Lichtung des Parteienspektrums vor der Parlamentswahl am 14. November. Allerdings gilt die Abstimmung auch als Stimmungstest für die Regierung. Nach der Wahlschlappe entbrannte in der Regierungskoalition ein erbitterter Machtkampf zwischen den Anhängern von Präsident Fernández und den Gefolgsleuten von Ex-Staatschefin Kirchner.

Mehrere Minister aus Kirchners Umfeld boten ihren Rücktritt an und lösten damit die Regierungskrise aus. Sie wollten mit dem Schachzug offenbar eine breitere Kabinettsumbildung erzwingen. «Die Regierungsführung wird sich nach meinem Ermessen entwickeln. Dafür bin ich gewählt worden», schrieb Fernández am Donnerstag auf Twitter. Bislang galt die einflussreiche Vizepräsidentin Kirchner als die eigentliche Strippenzieherin in der argentinischen Regierung.

Argentinien steckt in einer schweren Wirtschaftskrise: Die Inflationsrate liegt bei rund 50 Prozent, die Landeswährung Peso gibt gegenüber dem Dollar immer stärker nach. In dem einst reichen Land leben inzwischen 42 Prozent der Menschen unter der Armutsgrenze. Probleme bei der Beschaffung von Corona-Impfstoff und private Feiern während der Quarantäne im Präsidentenpalast hatten die Regierung zudem zuletzt in die Kritik gebracht. (aeg/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
4 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4
«Hoffnung ist ein Gift»: Seine Frau starb an der ukrainischen Front, ein Witwer berichtet
In der Ukraine haben Zehntausende von Frauen ihren Ehemann an der Front verloren. Mykola Ivanchenko gehört zu einer unsichtbaren Minderheit: den Witwern. Seit dem Tod seiner Partnerin in Azovstal lernt dieser Veteran, wie man Vollzeitvater wird.
Mykola Ivanchenko wartet vor der Haustür seines Wohnhauses in Brovary auf uns. Ein reizloser Plattenbau aus der Breschnew-Ära, wie es Tausende davon rund um die Hauptstadt gibt. In seinem khakifarbenen T-Shirt mit dem Logo «Azov» scheint ihm die Aussentemperatur von minus 15 Grad nichts auszumachen. Dabei erlebt die Hauptstadt den härtesten Winter seit Wladimir Putin im Februar 2022 seine gross angelegte Invasion gestartet hat. Die russischen Streitkräfte bombardieren systematisch die Energieinfrastruktur des Landes und lassen seine Bewohner seit mehreren Wochen in Dunkelheit und Kälte zurück.
Zur Story