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Krawalle in Baltimore
quelle: x90054 / jim bourg
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Unruhen in Baltimore arten aus: Ausnahmezustand ausgerufen, Ausgangssperre verhängt, Nationalgarde in Bereitschaft

27.04.2015, 22:4028.04.2015, 10:10

Die zunächst friedlichen Proteste wegen des Todes des jungen Schwarzen Freddie Gray in Polizeigewahrsam sind in der US-Stadt Baltimore in offene Gewalt umgeschlagen. Gebäude gingen in der Nacht zum Dienstag in Flammen auf, Geschäfte wurden geplündert, Polizisten angegriffen.

Die Polizei sprach von den schwersten Unruhen in der Metropole seit Jahrzehnten. Augenzeugen meinten, Teile der Stadt seien in eine «Kriegszone» verwandelt. Reporter berichteten von vermummten Jugendlichen auf den Strassen, Rauch ziehe durch Strassenzüge, Helikopter kreisten am nächtlichen Himmel.

Ein grosses Kaufhaus wird geplündert.youtube
Der Ausnahmezustand wird ausgerufen für Baltimore.youtube
Während die Feuerwehr den Brand löscht, steht ein Sicherheitsmann Wache.
Während die Feuerwehr den Brand löscht, steht ein Sicherheitsmann Wache.Bild: Matt Rourke/AP/KEYSTONE

Nur Stunden zuvor war der 25-jährige Afroamerikaner Gray zu Grabe getragen worden. Gray war am 12. April festgenommen worden, wenig später erlitt er in Polizeigewahrsam eine Rückenmarkverletzung. Nach Angaben der Behörden fiel er später ins Koma und starb am 19. April im Spital. Einzelheiten seines Todes liegen noch immer im Dunklen

Das Video der Verhaftung.youtube
Pfefferspray gegen Demonstranten in BaltimoreRT America

«Gangs und Diebe»

Als Reaktion auf die Gewalt am Montagabend verhängten die Behörden über die Stadt an der US-Ostküste eine nächtliche Ausgangssperre. Der Gouverneur von Maryland rief den Ausnahmezustand aus und bot die Nationalgarde auf. Bis zu 5000 Nationalgardisten sollten möglichst rasch einschreiten.

«Die Nationalgarde ist das letzte Mittel, um die Ordnung wiederherzustellen», sagte Gouverneur Larry Hogan am Montagabend. Es handle sich nicht um Proteste und Demonstrationen, «das sind Gangs und Diebe, die durch die Strassen ziehen». Das könne nicht toleriert werden. 

Über soziale Netzwerke verbreitete Botschaften legten den Verdacht nahen, dass kriminelle Banden hinter den Krawallen steckten. Die Polizei hatte vor den Krawallen erklärt, es gebe «eine glaubwürdige Drohung», dass die Banden eine «Partnerschaft» eingegangen seien, um die Polizei herauszufordern.

Offenbar wurde die Polizei von der Welle der Gewalt in der 620'000-Einwohner-Stadt, in der vielerorts Armut herrscht, völlig überrascht. Reporter berichteten in der Nacht von einem Grossfeuer im Osten der Stadt. Anwohner meinten allerdings, es sei nicht klar, ob der Brand mit den Unruhen zusammenhänge.

Nach Angaben lokaler Medien handelt es sich dabei um ein noch nicht fertiggestelltes kirchliches Seniorenzentrum. Bereits kurz zuvor ging eine grosse Apotheke in der Innenstadt in Flammen auf.

Die Ereignisse wecken Erinnerungen an die schweren Unruhen im vergangenen Sommer in Ferguson in Missouri. Damals hatte ein weisser Polizist den unbewaffneten schwarzen Teenager Michael Brown erschossen – die Tat wurde zum Fanal. Immer wieder erschüttern seitdem Berichte über Polizeibrutalität gegen Schwarze das Land.

Die Familie des getöteten Freddie Gray bei seiner Beerdigung. Sie appellierten an die aufgebrachte afroamerikanische Bevölkerung, Ruhe zu bewahren.
Die Familie des getöteten Freddie Gray bei seiner Beerdigung. Sie appellierten an die aufgebrachte afroamerikanische Bevölkerung, Ruhe zu bewahren.Bild: SHANNON STAPLETON/REUTERS

Tausende Polizisten im Einsatz

Der TV-Sender CNN zeigte Bilder von Plünderern, die in Baltimore mit vollgepackten Plastiktüten aus Geschäften stürmten. Autos wurden in Brand gesetzt. TV-Kommentatoren meinten, offensichtlich sei die Polizei überfordert gewesen. Die Unruhen brachen den Angaben zufolge an mehreren Orten der Stadt aus.

Tausende Polizisten waren im Einsatz, 15 von ihnen wurden verletzt. Nach Angaben der Polizei gab es mehr als zwei Dutzend Festnahmen. Der Tod Grays hatte vergangene Woche zunächst eine Serie friedlicher Demonstrationen ausgelöst, erst am Wochenende war die Lage erstmals eskaliert.

Die Ausgangssperre solle ab Dienstag für eine Woche von 22 Uhr abends bis 5 Uhr morgens gelten, erklärte Bürgermeisterin Stephanie Rawlings-Blake. Die Massnahmen sollen dabei helfen, die Gewalt in den Griff zu bekommen. (feb/kub/sda)

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