Methan aus Feuchtgebieten befeuert den Klimawandel

23.08.17, 08:52

Es ist eine unheilvolle Rückkopplung: Die Klimaerwärmung erhöht den natürlichen Methan-Ausstoss aus Feuchtgebieten. Das Treibhausgas wiederum befeuert den Klimawandel. Eine Studie mit Schweizer Beteiligung hat diesen Effekt für die Zukunft quantifiziert.

Reisanbau, fossile Brennstoffe und rülpsende Kühe: Neben dem Methan-Ausstoss aus menschlichen Aktivitäten gibt es auch natürliche Quellen des Treibhausgases. Darunter Feuchtgebiete und seichte Gewässer. Wie sich deren globale Methan-Emissionen in Zukunft angesichts steigender Temperaturen und sich ändernder Niederschlagsmuster entwickeln wird, war bisher nicht klar.

Ein internationales Forscherteam mit Beteiligung der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) und der ETH Zürich ist dieser Frage auf Basis von Klima- und Vegetationsmodellen nachgegangen. Ihr Fazit: Der Klimawandel steigert den Methan-Ausstoss aus Feuchtgebieten, was wiederum den Klimawandel befeuert. Diese Rückkopplung müsse bei den Klimaschutzmassnahmen berücksichtigt werden, warnen die Forschenden im Fachblatt «PNAS».

Höhe Temperaturen, mehr Methan

Die Wissenschaftler um Zhen Zhang von der WSL und der Montana State University haben zum einen ermittelt, wie sich die Ausdehnung von Feuchtgebieten weltweit mit dem Klimawandel verändert. Zum anderen haben sie die Methan-Produktion dieser Gebiete in Abhängigkeit von den steigenden Durchschnittstemperaturen untersucht. Methan entsteht durch biologische Abbauprozesse, die bei höheren Temperaturen schneller ablaufen.

«Es braucht ein Modell, dass diese beiden Entwicklungen integriert - das ist die eigentliche Innovation unserer Studie», sagte Studienautor Niklaus Zimmermann von der WSL im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. Im Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC sei diese Entwicklung bisher nicht berücksichtigt worden.

Zwar werde die Fläche der Feuchtgebiete in den Tropen aufgrund veränderter Niederschlagsmuster leicht abnehmen, aber ihr Methan-Ausstoss wegen der steigenden Temperaturen zunehmen, so der Forscher. «Sie machen den grössten Anteil der gesteigerten Methan-Emissionen aus Feuchtgebieten aus.»

Neue Feuchtgebiete im Norden

Im Norden wird das Schmelzen des Permafrostes neue Feuchtgebiete entstehen lassen, die zusätzlich zur Methan-Produktion beitragen. Aufgrund der immer noch relativ kühlen Temperaturen leisten sie jedoch einen kleineren Anteil als die tropischen Feuchtgebiete.

Selbst wenn die Klimaschutzziele des Pariser Abkommens umgesetzt werden, die auf eine Begrenzung der Erderwärmung auf unter 2 Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit abzielen, werde der Rückkopplungseffekt der Feuchtgebiete den Klimawandel weiter anheizen, so die Forschenden.

Das Trockenlegen dieser Gebiete als Gegenmassnahme sei keine Option, betonen die Studienautoren. Denn Feuchtgebiete erfüllten wichtige Aufgaben als Pufferzonen bei Überschwemmungen, für den Erhalt der Artenvielfalt und als globale Kohlendioxidsenken. Stattdessen müssten menschengemachte Treibhausgas-Emissionen noch ehrgeiziger gesenkt werden, um Rückkopplungseffekte wie den beschriebenen zu kompensieren und das Zwei-Grad-Ziel noch zu erreichen. (sda)

Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen