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Mit Kafi gehen grad alle Pferde durch ... 
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Bild: Kafi Freitag
FRAGFRAUFREITAG

Liebe Kafi. Eine meiner engsten Freundinnen kopiert sehr viel von dem, was ich mache. 

17.04.2015, 17:4118.04.2015, 08:45

Wenn ich neue Kleider habe, dann kauft sie sofort die gleichen, wenn sie selbergemacht sind, fragt sie, ob sie das Muster auch haben kann und arbeitet sie dann nach. Wenn ich etwas Neues ausprobiere, dann macht sie das auch, und zwar öfter, schneller und mehr (Schmuck, Basteleien, Frisuren, über Philosophen lesen, bestimmte Reisen, alles mögliche). Ich nehme Privatunterricht in etwas, sie auch, im gleichen. Immer die Frage: Wo hast du das her?! Ich mag ihr schon gar nichts mehr erzählen oder zeigen, weil ich den Eindruck habe, sie übernimmt alles, und ich verliere die Freude daran. Nun weiss ich natürlich, dass das auch eine Art Kompliment ist, die Frau ist immerhin Mitte Vierzig und vielleicht sollte ich nicht so einen Kindergarten veranstalten. Lange dachte ich sogar, ich bilde es mir nur ein – wir haben ja schon einen ähnlichen Geschmack. Aber ich kann es nicht so locker sehen, ich habe das Gefühl, ich werde meiner Einzigartigkeit beraubt. Ich habe sie eigentlich sehr gern gehabt, aber es nützt sich langsam ab. Wie soll ich mich verhalten? Alexandra, 37

Liebe Alexandra 

Wenn ich so eine Freundin hätte, dann hätte ich ein Riesengaudi, echt! Schon nur die Vorstellung, dass ich jemanden hätte, der mit mir stundenlang Udo Jürgens hört, ist traumhaft! (Meine engste Freundin ist da diesbezüglich sehr eigenwillig, leider.) Nein ernsthaft, ich würde mir vermutlich einen Heidenspass draus machen, Kleider zu tragen, Dinge zu kaufen und Kurse zu besuchen, die so abartig sind, dass es keiner freiwillig tut.

Ach, was wäre das ein Paradies für mich! Ich würde anfangen, Kaffeerahmdeckeli zu sammeln und diese auf Abfalleimer drapieren und mit Klarsichtfolie überziehen. Ich würde Kissen mit Autonummern besticken und mit Fischkleister eine WC-Rollen-Aufhängung basteln. Ich würde mir im Brocki Kleider besorgen, die als Dresscode für eine Bad-Taste-Party durchgehen würden, und nur noch Dinge kochen, die keiner mit gesunden Geschmacksnerven isst. Mit mir würde die Fantasie voll durchgehen! Foulards, liebe Alexandra! Seidengemalte Foulards und wenn sie schon seidenmalen, dann stellen Sie doch auch noch grad ein paar Broschen her! Ach, Sie sehen selber, was diese Vorstellung mit mir macht!!!

Dabei war ich selber mit 13 Jahren keinen Deut besser. In meiner Parallelklasse war ein Mädchen, die zwar nicht die Coolste, aber die Kreativste und mit Abstand Eigenwilligste war. Sie ­hiess Esthi und hatte die saugeilste Handschrift, die ich je gesehen habe, und bemalte alle ihre Schulhefte mit Graffiti-ähnlichem Gekritzel. Ich weiss noch genau, dass ich stundenlang versuchte, ihre Schrift zu kopieren, und anfing, meine Schulhefte in ihrem Stil zu verzieren. Vermutlich ging es ihr sehr ähnlich wie Ihnen heute. Und dass sie die Einzige ist, deren Adresse für die Klassenzusammenkunft nicht gefunden werden konnte, lässt mich natürlich Schlimmes erahnen. Vermutlich hat sie sich einer aufwendigen Gesichtsoperation unterzogen und sich in ein Zeugenschutzprogramm begeben und ist ausgewandert. Anders wird man lästige Kopierer wohl nicht los. Aber wenigstens kommt das Springbrunnengesicht, über das ich an anderer Stelle schon geschrieben habe. Das wird mich für einiges entlohnen.

Ihnen wünsche ich eine äusserst kreative nächste Zeit. Ich bin überzeugt, dass Sie das ein oder andere Mal Erlebnisse ausserhalb Ihrer Komfortzone erleben werden. In unserem Seminar Lust am Leben nennen wir das «out of the Box» und preisen es als ausgesprochen Lebensqualität-steigernd an. Ach, wie gerne würde ich mit Ihnen tauschen, liebe Alexandra! Eigentlich führe ich ja keine Korrespondenz an meinem Blog vorbei. Aber hier würde ich mich über ein paar zugestellte Fotos sehr freuen!

 Ganz herzlich, Ihre Kafi.

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Kafi Freitag (39) beantwortet auf ihrem Blog www.FragFrauFreitag.ch Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.ch.



Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (www.FreitagCoaching.ch) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie ist verheiratet und Mutter eines zehnjährigen Sohnes.



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Bild: Kafi Freitag
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