FragFrauFreitag
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Mit Kafi gehen grad alle Pferde durch ...  Bild: Kafi Freitag

FRAGFRAUFREITAG

FragFrauFreitag

Liebe Kafi. Eine meiner engsten Freundinnen kopiert sehr viel von dem, was ich mache. 



Wenn ich neue Kleider habe, dann kauft sie sofort die gleichen, wenn sie selbergemacht sind, fragt sie, ob sie das Muster auch haben kann und arbeitet sie dann nach. Wenn ich etwas Neues ausprobiere, dann macht sie das auch, und zwar öfter, schneller und mehr (Schmuck, Basteleien, Frisuren, über Philosophen lesen, bestimmte Reisen, alles mögliche). Ich nehme Privatunterricht in etwas, sie auch, im gleichen. Immer die Frage: Wo hast du das her?! Ich mag ihr schon gar nichts mehr erzählen oder zeigen, weil ich den Eindruck habe, sie übernimmt alles, und ich verliere die Freude daran. Nun weiss ich natürlich, dass das auch eine Art Kompliment ist, die Frau ist immerhin Mitte Vierzig und vielleicht sollte ich nicht so einen Kindergarten veranstalten. Lange dachte ich sogar, ich bilde es mir nur ein – wir haben ja schon einen ähnlichen Geschmack. Aber ich kann es nicht so locker sehen, ich habe das Gefühl, ich werde meiner Einzigartigkeit beraubt. Ich habe sie eigentlich sehr gern gehabt, aber es nützt sich langsam ab. Wie soll ich mich verhalten? Alexandra, 37

Liebe Alexandra 

Wenn ich so eine Freundin hätte, dann hätte ich ein Riesengaudi, echt! Schon nur die Vorstellung, dass ich jemanden hätte, der mit mir stundenlang Udo Jürgens hört, ist traumhaft! (Meine engste Freundin ist da diesbezüglich sehr eigenwillig, leider.) Nein ernsthaft, ich würde mir vermutlich einen Heidenspass draus machen, Kleider zu tragen, Dinge zu kaufen und Kurse zu besuchen, die so abartig sind, dass es keiner freiwillig tut.

Ach, was wäre das ein Paradies für mich! Ich würde anfangen, Kaffeerahmdeckeli zu sammeln und diese auf Abfalleimer drapieren und mit Klarsichtfolie überziehen. Ich würde Kissen mit Autonummern besticken und mit Fischkleister eine WC-Rollen-Aufhängung basteln. Ich würde mir im Brocki Kleider besorgen, die als Dresscode für eine Bad-Taste-Party durchgehen würden, und nur noch Dinge kochen, die keiner mit gesunden Geschmacksnerven isst. Mit mir würde die Fantasie voll durchgehen! Foulards, liebe Alexandra! Seidengemalte Foulards und wenn sie schon seidenmalen, dann stellen Sie doch auch noch grad ein paar Broschen her! Ach, Sie sehen selber, was diese Vorstellung mit mir macht!!!

Dabei war ich selber mit 13 Jahren keinen Deut besser. In meiner Parallelklasse war ein Mädchen, die zwar nicht die Coolste, aber die Kreativste und mit Abstand Eigenwilligste war. Sie ­hiess Esthi und hatte die saugeilste Handschrift, die ich je gesehen habe, und bemalte alle ihre Schulhefte mit Graffiti-ähnlichem Gekritzel. Ich weiss noch genau, dass ich stundenlang versuchte, ihre Schrift zu kopieren, und anfing, meine Schulhefte in ihrem Stil zu verzieren. Vermutlich ging es ihr sehr ähnlich wie Ihnen heute. Und dass sie die Einzige ist, deren Adresse für die Klassenzusammenkunft nicht gefunden werden konnte, lässt mich natürlich Schlimmes erahnen. Vermutlich hat sie sich einer aufwendigen Gesichtsoperation unterzogen und sich in ein Zeugenschutzprogramm begeben und ist ausgewandert. Anders wird man lästige Kopierer wohl nicht los. Aber wenigstens kommt das Springbrunnengesicht, über das ich an anderer Stelle schon geschrieben habe. Das wird mich für einiges entlohnen.

Ihnen wünsche ich eine äusserst kreative nächste Zeit. Ich bin überzeugt, dass Sie das ein oder andere Mal Erlebnisse ausserhalb Ihrer Komfortzone erleben werden. In unserem Seminar Lust am Leben nennen wir das «out of the Box» und preisen es als ausgesprochen Lebensqualität-steigernd an. Ach, wie gerne würde ich mit Ihnen tauschen, liebe Alexandra! Eigentlich führe ich ja keine Korrespondenz an meinem Blog vorbei. Aber hier würde ich mich über ein paar zugestellte Fotos sehr freuen!

 Ganz herzlich, Ihre Kafi.

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Kafi Freitag (39) beantwortet auf ihrem Blog www.FragFrauFreitag.ch Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.ch.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (www.FreitagCoaching.ch) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie ist verheiratet und Mutter eines zehnjährigen Sohnes.

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Sälber tschuld! 

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Bild: Kafi Freitag

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4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Bloody Mary 20.04.2015 13:06
    Highlight Highlight Dann überleg Dir mal folgendes; Wieviel bedeutet Dir diese Freundschaft? Wenn sie Dir viel bedeuted, dann sieh es als Kompliment und geniesse es. Es bedeutet nämlich, dass Dich deine Freundin spannend und inspirierend findet. Du kannst Sie ja mal damit aufziehen, dass sie dich immer nachahmt und sehen wie sie reagiert. (Also das würde ich machen) Wenn Sie jedoch doch nicht so eine gute Freundin ist, dann ziehe Dich zurück und hör auf Dich mit ihr zu treffen! Zeitverschwendung.
  • luluxiii 18.04.2015 10:41
    Highlight Highlight Vielleicht mal drauf ansprechen...
  • Yelina 18.04.2015 08:56
    Highlight Highlight Oh, ich hatte mal so eine Arbeitskollegin, neue Schuhe, Hosen, alles, immer gleich die Frage "woher hast du das?" und spätestens am nächsten Tag hatte sie das Selbe. Bei Hosen dann noch immer "oh, du hast die 38? Ich hab nur ne 36!". Anstatt sie zu erwürgen: Jobwechsel und in eine andere Stadt ziehen hat massiv geholfen (ohne Gesichts-OP und Zeugenschutzprogramm) ;-)
  • Habejita 18.04.2015 08:10
    Highlight Highlight Ich kenne das Gefühl des kopiert werdens und finde es ebenfalls mühsam und wenig inspirierend.... es änderte sich erst, als wir uns nicht mehr so oft trafen.

FragFrauFreitag

Liebe Kafi. Was ich mich schon länger frage: Wieso sind besserwisserische Menschen so humorlos? 

Liebe Franka  Leider muss ich Ihnen recht geben, diese Beobachtung habe ich auch schon oft machen müssen. Es wird vermutlich damit zusammenhängen, dass sich ein Mensch, der gerne ständig recht hat, von Natur aus sehr ernst nimmt. Und Menschen, die sich selber zu ernst und wichtig nehmen, können kaum über guten Humor verfügen. Denn der basiert eher auf der Fähigkeit, sich selber zu ironisieren. Und das verträgt sich nun mal schampar schlecht mit dem Bedürfnis, immer im Recht zu …

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