Eismeister Zaugg
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Langenthals Spieler den Swiss League Schweizer Meistertitel, nach dem vierten Playoff Finalspiel der Swiss League, zwischen dem SC Langenthal und dem HC La Chaux de Fonds, am Mittwoch 3. April 2019 auf der Eisbahn Schoren in Langenthal. (KEYSTONE /Marcel Bieri)

Meisterjubel beim SC Langenthal: Brent Kelly stemmt den Pokal. Bild: KEYSTONE

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Triumph, Drama, grandioses Hockey, ein Sport-Märchen und eine Farce

Mehr Hollywood, mehr Drama und besseres Hockey geht nicht. Langenthal gewinnt als «Aufsteiger der Herzen» die Swiss League und rettet die Miserablen aus Rapperswil-Jona bzw. den HC Davos vor dem Abstieg.



Nicht einmal Hollywood hätte diese Geschichte erfinden können. Vor der Schlussphase der Qualifikation reisen die Langenthaler für drei Tage in die Berge nach Davos und rocken und rollen.

Das Team wächst zusammen und überrollt in den Playoffs die Titanen Kloten (fünffacher Meister), den ewigen Rivalen Olten und schliesslich La Chaux-de-Fonds (sechsfacher Meister).

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Die Highlights des entscheidenden Finalspiels. Video: YouTube/MySports

Dieser Sturmlauf zu höchstem Ruhm ist begleitet von einer ganzen Reihe wundersamer Geschichten.

Das Goalie-Märchen

Philip Wüthrich (21), der «Lottergoalie» des späten Sommers 2018 mit 17 Gegentreffern in drei Vorbereitungspartien, muss ins Tor, weil die Nummer 1 Marco Mathys durch eine Verletzung ausfällt.

Langenthals Goalie, Philip Wuethrich, links, kaempft um den Puck, gegen Chaux Fonds Brett Cameron, rechts, waehrend dem vierten Playoff Finalspiel der Swiss League, zwischen dem SC Langenthal und dem HC La Chaux de Fonds, am Mittwoch 3. April 2019 auf der Eisbahn Schoren in Langenthal. (KEYSTONE /Marcel Bieri)

Philip Wüthrich: Bald Goalie in der National League? Bild: KEYSTONE

Er schreibt eine der besten Goalie-Storys der Playoff-Geschichte (seit 1986) und erreicht in 14 Playoff-Partien die sagenhafte Fangquote von 95,32 Prozent. Im Final sogar die beste je statistisch erfasste Quote von schier unfassbaren 97,89 Prozent mit einem Schnitt von 0,75 Gegentreffern pro Match.

Mit einem guten Torhüter hätten die Langenthaler den Titel nicht geholt. Erst Philip Wüthrich hat den meisterlichen Triumph möglich gemacht. Brisant: Der letztjährige Goalie der SCB-Elite-Junioren hat mit dem richtigen SCB einen Vertrag bis zum Ende der nächsten Saison.

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Die letzten Sekunden des Spiels, Interviews und die Pokalübergabe im Video. Video: YouTube/MySports

Er ist aber bereits fix für die nächste Saison vertraglich nach Langenthal ausgeliehen und kann, wenn der (Niklas) Schlegel nicht einschlägt, ohne das Okay von Langenthal nicht nach Bern zurückkehren. Und Ende der nächsten Saison läuft sein Vertrag aus. Sportchefs, sputet euch. Damit ihr mit den Offerten nicht zu spät kommt.

Das Captain-Märchen

Aber das nur nebenbei. Zur Dramatik dieses grandiosen Sturmlaufs zum Titel gehört natürlich auch die Geschichte von Stefan Tschannen (35). Seit 2012 Captain. Während der Serie gegen Kloten fällt der ehemalige SCB-Junior nach einem heftigen Check mit einer starken Oberschenkelprellung aus.

In der dritten Halbfinalpartie gegen Olten kehrt der introvertierte Leitwolf ins Team zurück. Und wer erzielt den «Meistertreffer», das 2:1 im vierten Finalspiel (Endstand 3:1) gegen La Chaux-de-Fonds? Stefan Tschannen.

Dieses Tor, das dem SCL den Titel beschert, ist eines der spektakulärsten der Saison. Mit aufreizender Coolness manövrieren die Langenthaler im Powerplay (5 gegen 3) ihren Kunstschützen mit schlauen Passfolgen in die ideale Abschluss-Position. Er trifft mit einem wuchtigen Direktschuss zum 2:1. Nun ist er der Captain der drei Meisterteams von 2012, 2017 und 2019.

Eigentlich ist der SC Langenthal ein verhinderter Club der höchsten Liga. Es gibt keine helvetische Hockeyfirma, die in den letzten sieben Jahren so alles richtig gemacht hat.

Alle Schlüsselpositionen sind seit sieben Jahren mit den richtigen Leuten besetzt. Angefangen von Geschäftsführer Gian Kämpf (seit 2006 im Amt, ab nächster Saison Präsident), über die Sportchefs (Reto Kläy, Noël Guyaz, heute Marc Eichmann, ab nächster Saison Kevin Schläpfer), die drei Meistertrainer Heinz Ehlers (2012), Jason O’Leary (2017) und nun Per Hanberg, die Torhütertrainer (heute Marc Eichmann), bis hin zum ausländischen Personal (diese Saison Brent Kelly und Pascal Pelletier).

Keine Frage: Langenthal könnte in unserem Hockey eine Rolle spielen wie Langnau, die Lakers oder Ambri. Aber sie können es aus zwei Gründen nicht.

Erstens verhindert eine lokalpolitische Posse sondergleichen (sie zu erzählen, würde den Rahmen dieser Meisterwürdigung bei weitem sprengen) seit gefühlten Ewigkeiten den Bau einer Arena, die für die höchste Liga taugt.

Zweitens investiert der Architekt, der diese grandiose Hockeyfirma aufgebaut, der aus dem einstigen Amateurklub (1. Liga) ein Musterunternehmen im Profihockey gemacht hat, sein Geld in Zürich bei Fussball-GC.

Ja, mit dem Geld, das Stephan Anliker in das marode Stadtzürcher Fussball-Unternehmen schon eingeschossen hat (und wohl auch nach seinem Rücktritt als Präsident weiterhin einschiessen muss), hätte er aus «seinem» SCL die oberaargauische Antwort auf die Rapperswil-Jona Lakers machen können.

Das Städte-Märchen

Womit wir zum wahren Hollywood-Ende dieser wundersamen Hockey-Ballade kommen. Zur Geschichte von Stephan Anliker.

Es ist eine der besten Sportstorys überhaupt. Der Chronist erzählt sie in Märchenform und bittet für eine gewisse Bösartigkeit um Entschuldigung. Es ist ja nur eine literarische Form einer sanften Bösartigkeit. Und es ist eine Würdigung von Stephan Anlikers Verdiensten.

ARCHIVBILD ZU DEN MUTATIONEN BEI GC --- Stephan Anliker, Praesident Grasshopper Club Zuerich, im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Thun und dem Grasshopper Club Zuerich, am Sonntag, 24. Februar 2019 in der Stockhorn Arena in Thun. (KEYSTONE/Anthony Anex)

In Langenthal hat Stephan Anliker Erfolg, in Zürich nicht. Bild: KEYSTONE

Also: Es war einmal eine kleine Stadt mit fleissigen Menschen. Für Sport hatte die Politik nie viel übrig – ausser wenn es um die Ertüchtigung von Leib und Seele und Velofahren ging. Deshalb waren sie nicht bereit, ihren Sportstars Tempel zu bauen. Das Geld für die Stars war immer knapp und tüchtige Geschäftsherren mussten viel Gutes tun. Und trotzdem eilte ihre Mannschaft von Sieg zu Sieg und erntete zur Freude ihres anständigen Publikums über die Jahre viel Lob und Preis und Ehre und machte ihrem Präsidenten grosse Freude.

Es ist kein Sportmärchen. Es ist die Wirklichkeit. Stephan Anlikers SC Langenthal hat soeben den dritten Titel geholt.

Das Sportmärchen geht weiter. Es war einmal eine grosse, reiche Stadt mit fleissigen Menschen. Für Sport hatte die Politik nicht viel übrig – ausser wenn es um die Ertüchtigung von Leib und Seele und Velofahren ging. Deshalb waren sie nicht bereit, ihren Sportstars Tempel zu bauen. Das Geld für die Stars war immer knapp und tüchtige Geschäftsherren mussten viel Gutes tun. So ist es kein Wunder, dass ihre Mannschaft von einer Niederlage in die nächste taumelte, der Schuldenberg immer grösser, das Publikum immer unanständiger wurde und alles dem Präsidenten so viel Verdruss bereitete, dass er schliesslich sein Amt aufgegeben hat.

Es ist kein Sportmärchen. Es ist die Wirklichkeit. Stephan Anlikers GC produziert Jahr für Jahr rote Zahlen und steht vor dem Abstieg.

Unter sehr ähnlichen Voraussetzungen ist es unter dem gleichen Präsidenten in Langenthal möglich, jahrelang Erfolg zu haben, in Zürich jedoch nicht.

Langenthal und Zürich mögen noch so verschieden sein – die Gesetzmässigkeiten der Politik, des Sportkapitalismus und des Mannschaftssportes sind die gleichen.

Was lernen wir daraus? Dass Stephan Anliker Mannschaftssport sehr wohl kann. Dass er bei GC nicht gescheitert ist. Vielmehr ist GC einmal mehr gescheitert.

Wir können es noch auf eine einfachere Formel bringen: Die Berner können Sport, die Zürcher nicht. Der Architekt des einzigen Sportunternehmens in Zürich, das hin und wieder erfolgreich ist und seit Jahren ein anständiges Publikum hat, war ein Berner: Simon Schenk. Im Unterschied zu Stephan Anliker hatte er in Zürich rund um Walter Frey den richtigen Freundeskreis.

Und noch etwas: Beim SC Langenthal hat Stephan Anliker gerade erlebt, wie schön es im Mannschaftssport auch in der zweithöchsten Liga sein kann. Sozusagen als Trost, Motivation und Vision für die nächste GC-Saison.

Das Märchenende für Davos und die Lakers

Und nun noch etwas. Kein Sportmärchen. Sondern die Wirklichkeit. Mit Langenthal feiern auch die Miserablen aus Rapperswil-Jona und der HC Davos. Es gibt nämlich keinen Absteiger. Definitiv. Weil Langenthal nicht aufsteigen darf.

Noch vor dem vierten und entscheidenden Finalspiel hat Liga-Direktor Denis Vaucher am Mittwochnachmittag auf Anfrage über die offizielle Medienstelle des Verbands schriftlich per E-Mail auf die Frage, ob der SC Langenthal in seinem Kultstadion «Schoren» in der höchsten Liga spielen darf, folgendes Statement abgegeben.

«Nein, der Schoren erfüllt die Anforderungen an ein Stadion in der höchsten Liga nicht und kann auch mit infrastrukturellen Anpassungen in der Sommerpause 2019 nicht National-League-tauglich gemacht werden.»

Da ist kein Missverständnis, keine Fehlinterpretation seiner Aussage möglich. Langenthal darf nicht aufsteigen. Definitiv. Und Denis Vaucher weiss als hoch angesehener Berner Fürsprecher, was er sagen darf.

HC Davos Stuermer Benjamin Baumgartner, links, gegen SC Rapperswil-Jona Lakers Stuermer Casey Wellman waehrend Spiel 2 im Eishockey-Playout-Final der National League zwischen den SC Rapperswil-Jona Lakers und dem HC Davos am Donnerstag, 28. Maerz 2019, in Rapperswil. (PPR/Patrick B. Kraemer)

Davos und die Lakers dürfen aufatmen. Bild: PPR

Die Miserablen aus Rapperswil-Jona sollten den Hockeygöttern auf den Knien danken. Denn mit ziemlicher Sicherheit werden sie die Playouts gegen Davos verlieren und die Liga-Qualifikation gegen den SC Langenthal bestreiten müssen. Sie würden, wenn es tatsächlich um den Liga-Erhalt ginge, in allerallerallerhöchste Abstiegsgefahr geraten.

Nun wird die Liga-Qualifikation sportlich bedeutungslos. Sozusagen zu einem Flachland-Spengler-Cup über maximal sieben Spiele. Wir dürfen auch sagen: zu einer Farce. Eine Farce ist ein Lustspiel, eine lächerliche Sache oder eine Posse. Dem SC Langenthal bleibt nur die Rolle eines «Aufsteigers der Herzen».

Warum nicht gegen eine schöne Summe einen Platz an der Bande verkaufen und einen Laien coachen lassen? Ich biete schon mal 500 «Schtutz».

Die Frage geht an Spielplan-General Willi Vögtlin, zur Sicherheit auch schriftlich, per SMS. Wird die Liga-Qualifikation unter diesen Umständen trotzdem gespielt?

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Wird die Liga-Qualifikation unter diesen Umständen trotzdem gespielt?

Willi Vögtlin

Ja.

Eismeister Zaugg

Sind Sie sicher?

Willi Vögtlin

Ja.

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Zu 100 Prozent sicher?

Willi Vögtlin

Ja.

Also freuen wir uns auf eine Operetten-Liga-Qualifikation. Eigentlich eine Herausforderung für die Marketing-Bürogeneräle. Da die Resultate keinerlei Rolle spielen und es völlig egal ist, ob man forfait verliert, können jetzt Träume verkauft werden.

Warum nicht gegen eine schöne Summe einen Platz an der Bande verkaufen und einen Laien coachen lassen? Ich biete schon mal 500 «Schtutz». Ja, warum denn nicht einem Göttibuben den Traum vom Spitzenhockey erfüllen und einen Platz im Team kaufen – er könnte mit dem Team einlaufen, auf der Bank sitzen, mindestens einen Einsatz spielen und im offiziellen Spielrapport verewigt werden. Das würde reichen für den Eintrag auf Eliteprospects, dem internationalen Eishockey-Statistik-Portal.

So, habe fertig. 2.17 Uhr. Muss schlafen gehen.

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