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Stephan Anliker, Praesident Grasshopper Club Zuerich, an der Medienkonferenz des Stadtrats zum geplanten Fussballstadion auf dem Areal Hardturm, am Freitag, 18. Mai 2018, in Zuerich. (KEYSTONE/Patrick Huerlimann)

Stephan Anliker hat genug und tritt den Posten als GC-Präsident ab. Bild: KEYSTONE

Kommentar

Stephan Anliker – wenn ein Klub schlimmer ist als schnelle Frauen und langsame Pferde

Selten ist einer mit so viel Lauterkeit ins Sportgeschäft eingestiegen und so krachend gescheitert wie GC-Präsident Stephan Anliker. Ein Lehrstück.



Wie stellt sich Stephan Anliker die Sportwelt vor? Es ist für einen Chronisten zwar eine Anmassung sondergleichen, zu schildern wie die Sport-Welt des soeben gescheiterten GC-Präsidenten aussieht. Aber diese etwas vorwitzige literarische Form hilft uns, die Vorgänge zu verstehen.

Im heimeligen Langenthal sieht die Sportwelt ungefähr so aus: Alle sind nett, alle meinen es gut, jeder tut alles, um jeden Tag besser zu werden und nach bestem Wissen und Gewissen seinem Arbeitgeber zu dienen. Selbstverständlich meint auch jeder alles so, wie er es sagt. Es gibt zwar eine unerbittliche sportliche Konkurrenz, ein bisschen Neid, na ja, aber alles in allem darf man zu seinen Sportkameraden Vertrauen haben.

Es kommt darauf an, durchzuhalten, mit einer gewissen Sturheit ein Ziel anzustreben, so ein bisschen im Sinne von Anita Weyermann («Gring ache u seckle»). Dass dank dem Sport ein schönes Beziehungsnetz geknüpft wird, um das persönliche Business zu befeuern, ist in Ordnung und darf durchaus etwas kosten. Gute Beziehungen schaden ja nur denen, die keine haben.

Anliker kann Hockey, aber nicht Fussball

So ungefähr können wir das Sport-Weltbild des erfolgreichen Immobilien-Unternehmers Stephan Anliker zusammenfassen. Er war Leichtathlet und führte als Trainer die Sprinterin Regula Aebi, seine spätere Frau, bis ins olympische Halbfinale von 1988 in Seoul. Der Spitzensport ist ihm also vertraut, aber in erster Linie aus der Sicht der «Kurzhosen-Romantiker» des letzten Jahrhunderts, als bei uns Heliomalt, Ovomaltine und Rivella die höchste Form von Doping waren.

GC - Praesident Stephan Anliker an einer Medienkonferenz des Grasshopper Club Zuerich in Zuerich am Freitag, 1. Februar 2019. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Anliker tritt bei GC nur noch als Hauptaktionär und Investor auf. Bild: KEYSTONE

Auf den ersten Blick ist Stephan Anlikers Scheitern bei GC trotzdem erstaunlich. Immerhin hat er aus dem Amateurklub SC Langenthal eine Hockey-Vorzeigefirma im Profihockey der «Swiss League» gemacht. Mit einer vom Verband soeben belobigten Nachwuchsorganisation, aus der unter anderem der NHL-Millionär Sven Bärtschi hervorgegangen ist.

2012 und 2017 haben die Langenthaler die Meisterschaft der zweithöchsten Liga gewonnen. Auch deshalb, weil sie immer wieder die besten Trainer engagiert haben, deren Potenzial sie lange vor der Konkurrenz entdeckt hatten. Stephan Anliker kann also Nachwuchsausbildung, Mannschaftsport, Trainerwahl und Titelgewinn.

Langenthals Spieler und Staff feiern den NLB Meistertitel, nach dem siebten Playoff-Finalspiel der National League B zwischen dem SC Langenthal und dem SC Rapperswil-Jona Lakers, am Dienstag, 4. April 2017, in der Eishalle Schoren in Langenthal. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

2017: Langenthal feiert den B-Titel mit goldenem Konfetti-Regen. Bild: KEYSTONE

Zürich ist nicht Langenthal, Fussball nicht Eishockey. In Langenthal hat Stephan Anliker als Respektsperson der Premiumklasse sein Sportunternehmen aufgebaut. In einer kleinen Stadt (rund 15'000 Einwohner), in der jeder jeden kennt. Hier kennt er seine Pappenheimer. Die kommerzielle und sportliche Führung «seines» SCL hat er seit Anbeginn der Zeiten in sehr gute Hände gelegt.

Die meisten seiner Trainer – Heinz Ehlers, Jason O’Leary – haben sich später auch an anderen Orten bestens bewährt. Reto Kläy, der aktuelle Sportchef beim EV Zug, hat sein Handwerk bei Stephan Anliker gelernt. Und Geschäftsführer Gian Kämpf gilt als einer der Besten im Hockeybusiness. Nur bei wenigen Sportunternehmen sind in den letzten Jahren so wenig Fehler gemacht worden wie beim SC Langenthal.

Von Anfang an rettungslos verloren

Aber im Fussballgeschäft, das für ihn so unverständlich ist wie einem Fakir das Aktienrecht hat er mangels Erfahrung diese tüchtigen Führungskräfte nie gefunden. Er konnte sie nicht in seiner vertrauten Umgebung rekrutieren.

Sagen wir es so: Er ist bei der Besetzung der Schlüsselpositionen auf Jungs hereingefallen, denen das persönliche finanzielle Wohlergehen so wichtig ist bzw. war wie das Wohl von Fussball-GC. Und die sich in der Kunst des Blendens besser auskennen als der grösste Hochstapler in Langenthal. Aus falsch verstandener Loyalität hat er an gewissen Personen wider besseren Wissens festgehalten. Durchaus ähnlich wie im Märchen mit dem Kaiser ohne Kleider.

ARCHIVBILD ZU DEN MUTATIONEN BEI GC --- GC -Praesident Stephan Anliker, links, und GC-CEO Manuel Huber, rechts,  verfolgen die Abstimmung um das Fussball-Stadion im Restaurant Metropol in Zuerich am Sonntag, 25. November 2018. (KEYSTONE/Walter Bieri)

An «Ziehsohn» Manuel Huber hat Anliker zu lange festgehalten. Bild: KEYSTONE

In seiner vertrauten Umgebung hat Stephan Anliker auch im Sport Grosses geleistet. Aber fern der Heimat, «ausgewildert» in Zürich und erst noch im Fussball-Business, war er vom ersten Tag an rettungslos verloren.

Der Unterschied zwischen einer Präsidentschaft beim SC Langenthal und Fussball-GC war für Stephan Anliker ähnlich gross wie der Wechsel vom Amt eines Stadtschreibers in Langenthal zum Stabschef von Donald Trump im Weissen Haus.

Gewohnt, alles im kleinen Kreis zu regeln wie daheim in Langenthal, gewohnt, dass die Loyalität zu ihm und seinem Unternehmen eine Selbstverständlichkeit ist, hat er die Komplexität des Fussballgeschäfts mit so vielen Mentalitäten und persönlichen Interessen und den globalen Verknüpfungen völlig unterschätzt. Ja, diese Welt ist ihm bis heute fremd. Die hohe Kunst der Kommunikation und Diplomatie auch. Er muss als erfolgreicher Unternehmer seine Schritte auch nicht ständig der Öffentlichkeit erklären. Fans brauchte er in der Immobilienbranche weiss Gott keine, und diese und jene und andere Kreise miteinbeziehen muss er auch nicht.

Das süsse Gift der Eitelkeit

Wahrscheinlich ist noch nie ein Präsident eines wichtigen Sportunternehmens im Bereich Kommunikation so schlecht beraten worden wie Stephan Anliker. Statt seine hehren Absichten zu «verkaufen» und sein Image als «guter Mensch von Langenthal» zu pflegen ist er von der Fussball-Öffentlichkeit zu Unrecht als stur, naiv und schlichtweg unfähig wahrgenommen worden. Wir können nämlich als Sportromantiker auch sagen: Fussball-GC ist gescheitert, nicht sein Präsident.

Aber warum hat ein so kluger und lebenserfahrener Mann wie Stephan Anliker nicht eingesehen, dass das Fussballgeschäft für ihn ein paar Nummern zu gross ist? Es ist das süsse Gift der Eitelkeit. Fussball-GC geniesst draussen auf dem Land viel grösseren Respekt als in der Stadt Zürich. Fussball-GC war gerade in der Zeit, als sich bei der Generation von Stephan Anliker die Sport-DNA herausgebildet hat, erfolgreich, gross und mächtig und kippte sogar Real Madrid aus einem europäischen Klubwettbewerb. Ein Langenthaler Präsident bei GC? Unmöglich. Eher wird ein Langenthaler Bundesrat.

Aarau, 09.05.2015, Fussball Super League - MK Grasshopper Club Zuerich, Verwaltungsratspraesident Stephan Anliker (GCZ) bei der Pressekonferenz. (Marc Schumacher/EQ Images)

2015: In einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz erklärt Anliker im Aarauer Brügglifeld den Rausschmiss von Sportchef Thoma. Bild: Marc Schumacher

Das Prestige, GC-Präsident zu sein, hat Stephan Anlikers kühlen Verstand vernebelt. Das süsse Gift der Eitelkeit führt auch dazu, dass er nach wie vor nicht loslassen kann und weiterhin Mitbesitzer von Fussball-GC bleiben will. Es geht nicht, wie oft erzählt wird, um die Beziehungen, die ihm im Raum Zürich Geschäfte bringen. Diese Beziehungen hatte er schon lange, dafür genügte seine Präsenz im GC-Umfeld. Es gab für ihn nie eine geschäftliche Notwendigkeit, GC-Mitbesitzer oder GC-Präsident zu werden.

Die Briten mit Sinn für eine besondere Art von Humor sagen, erfolgreiche Männer im Alter von Stephan Anliker (62) verlieren ihr Geld mit schnellen Frauen und langsamen Pferden. Manchmal braucht es weder schnelle Frauen noch langsame Pferde. Ein unführbarer Fussballklub in Zürich hat die gleiche Wirkung.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Bruno Wüthrich 25.03.2019 15:45
    Highlight Highlight Zwei kleine Sptzfindigkeiten:

    Zitat: "Der Unterschied zwischen einer Präsidentschaft beim SC Langenthal und Fussball-GC war für Stephan Anliker ähnlich gross wie der Wechsel vom Amt eines Stadtschreibers in Langenthal zum Stabschef von Donald Trump im Weissen Haus."

    Spitzfindigkeit: Als Stephan Anliker Präsident von GC wurde, war noch Barack Obama Präsident der USA.

    Zitat: "Ein Langenthaler Präsident bei GC? Unmöglich. Eher wird ein Langenthaler Bundesrat."

    Spitzfindigkeit: Der Langenthaler Johann Schneider-Ammann war bereits Bundesrat, bevor Stephan Anliker GC-Präsident wurde.
    • bokl 25.03.2019 16:00
      Highlight Highlight @Bruno
      Klaus Z. will polemisieren. Fakten sind dabei hinderlich ...
    • Sandro Lightwood 25.03.2019 17:48
      Highlight Highlight Chronologisch korrektes Vorgehen ist für einen Chronisten wohl unwürdig. 😂
    • Bruno Wüthrich 25.03.2019 19:27
      Highlight Highlight Also ich fand den Artikel durchaus interessant. Ich wollte wirklich nur spitzfindig tun. Die beiden Beispiele sind doch eigentlich völlig irrelevant.
    Weitere Antworten anzeigen
  • alex DL 25.03.2019 15:34
    Highlight Highlight Ich kenne mich weder in Hockey noch im Fussball aus. Und falls latentes Interesse bestünde, wären GC und Langenthal wohl nicht grad Gateway Clubs hin zum Fan-sein.
    Dennoch, der Kommentar ist inhaltlich und formal etwas vom Besten, was ich hier je gelesen habe. Klare Trennung und Benennung von Fakten und Spekulationen.
    Präzise, schnörkellos und doch mit genügend Fingerspitzengefühl. Merci Herr Zaugg, vielleicht schreiben sie ja auch mal über Wichtiges.
  • Gähn on the rocks 25.03.2019 14:59
    Highlight Highlight sehr vielen langenthalern ist anliker ein greuel. imfall. sie warrn froh, als er seine geschäfte ein bitz in den osten verlegte...
    • Patrick59 25.03.2019 19:35
      Highlight Highlight Es gibt ja auch so viele bekannte, berühmte, risikofreudige, weltoffene und vernetzte Langenthaler, da kommt es auf einen mehr oder weniger auch nicht drauf an.. Kleinbürgertum in Reinkultur..
    • Gähn on the rocks 25.03.2019 20:15
      Highlight Highlight @patrick59:
      ............
    • Gähn on the rocks 25.03.2019 22:52
      Highlight Highlight kleinbürgertum in reinkultur - welch ausgelutschte floskel.
      deine aussage, patrick59, spricht von selbstüberschätzung hüben wie drüben.
  • wasps 25.03.2019 13:48
    Highlight Highlight Warum sollte ein Fakier, der Blöffer im Anzug auf dem Nagelbrett erkennt, solche nicht auch beim Wellensurfen erkennen?
  • Hexenkönig 25.03.2019 13:32
    Highlight Highlight Rekordmeister he!
    • Bud Spencer 25.03.2019 13:52
      Highlight Highlight RESPÄCKCHT!
    • sirlurkalot 25.03.2019 16:01
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    • Sir Konterbier 25.03.2019 18:27
      Highlight Highlight Cabanas du Ehrenmann💪

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