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Das Rockefeller-Center in New York. bild: Shutterstock

Bruch mit der Familientradition

Die Rockefeller-Erben wollen nichts mehr von Öl wissen

Die legendäre Rockefeller-Stiftung will künftig in nachhaltige Energien investieren. Die Erben des Öl-Magnaten beweisen damit auch einmal mehr ihren Sinn fürs Geschäft.



John D. Rockefeller ist ein Synonym für Öl und unermesslichen Reichtum. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts baute er ein Ölmonopol-Imperium auf, aus dem mächtige Ölkonzerne wie Exxon und Chevron hervorgingen. Rockefeller war nicht nur reich, er war auch wohltätig. Seine zweite Lebenshälfte verbrachte er mehrheitlich damit, eine Stiftung aufzubauen, die beinahe so bedeutend wurde, wie sein Ölimperium. 

John D Rockefeller, the American business magnate and philanthropist, celebrated his 96th birthday at his estate in Lakewood, New Jersey, USA on July 8, 1935. (AP Photo/Nap)

Der legendäre John D. Rockefeller an seinem 96. Geburtstag am 8. Juli 1935. Bild: AP

Die Rockefeller-Stiftung gibt es heute noch und wird nach wie vor von der Familie kontrolliert. Die Erben wollen offenbar nichts mehr mit Kohlenwasserstoff zu tun haben. Das meldet die «New York Times». «Die Familie will ankündigen, dass ihre 860 Millionen Dollar-Stiftung, der Rockefeller Brothers Fund, sich der Bewegung anschliessen will, die sich gegen Investitionen in Öl und Gas wendet», schreibt das Blatt. 

Die Shareholder-Aktivisten verlangen mehr als Rendite

In den USA haben so genannte Shareholder-Aktivisten Tradition. Sie interessieren sich nicht nur für den Kurs der Aktie und die Höhe der Dividende, sie verlangen auch ein ethisches Verhalten der Unternehmen. In den 1980er Jahren haben Shareholder Aktivisten beispielsweise die US-Unternehmen gezwungen, sich wegen der damaligen Apartheid-Politik aus Südafrika zurückzuziehen. 

Angesichts der sich abzeichnenden Klimakatastrophe werden die umweltbewussten Aktionäre wieder aktiv. Im so genannten «divestment movement» haben sich bereits 180 Institutionen – gemeinnützige Stiftungen, religiöse Organisationen, aber auch Pensionskassen und lokale Behörden – zusammengeschlossen mit dem Ziel, die Unternehmen zu zwingen, in nachhaltige Energieformen zu investieren. Gemäss «New York Times» will sich offenbar auch die Rockefeller-Stiftung dieser Bewegung anschliessen. 

Die Bewegung gegen Öl und Gas nimmt Fahrt auf

Der Zeitpunkt dafür ist nicht zufällig gewählt: Diese Woche beginnt in New York eine Klimakonferenz der Vereinten Nationen. Die Bewegung gegen Öl und Gas nimmt auch in den USA Fahrt auf. Die Rockefeller-Erben sind in bester Gesellschaft. In den USA findet bezüglich des Klimawandels ein Umdenken statt. Die Fraktion der ewig gestrigen Klimaleugner verliert an Einfluss. Umgekehrt machen sich immer mehr einflussreiche Persönlichkeiten dafür stark, dass endlich etwas gegen die schädlichen Treibhausgase unternommen wird. 

Former New York Mayor Michael Bloomberg delivers a speech during the Mayors Challenge award ceremony, in Paris, Wednesday, Sept. 17, 2014. Bloomberg Philanthropies' 2013-2014 Mayors Challenge is a competition to inspire cities to generate innovative ideas that solve major challenges and improve city life. (AP Photo/Christophe Ena)

Kämpft gegen den Klimawandel: Milliardär Michael Bloomberg. Bild: Christophe Ena/AP/KEYSTONE

Auch Superreiche und Konservative befinden sich darunter: So hat etwa Michael Bloomberg, Milliardär und ehemaliger Bürgermeister von New York, sich öffentlich dafür ausgesprochen, mehr gegen den Klimawandel zu unternehmen. Im ähnlichen Sinn hat sich Hank Paulson, Ex-Chef von Goldman Sachs und Finanzminister unter George W. Bush geäussert, genauso wie einer seiner Vorgänger, Robert Rubin und der ehemalige Aussenminister George Shultz. Der Hedge Fund Manager und Milliardär Tom Steyer setzt gar dreistellige Millionenbeträge ein, um gegen eine geplante Pipeline nach Kanada zu kämpfen.

Sonne und Wind sind gut fürs Geschäft

Investitionen in nachhaltige Energie sind nicht nur gut für die Umwelt, sie sind auch gut fürs Geschäft. Zu diesem Schluss kommt eine gross angelegte Studie, die vom New Climate Economy Project zusammen mit dem Internationalen Währungsfonds durchgeführt worden ist. Ein Ausstieg aus Öl, Kohle und Gas hätte kaum negative Folgen für die Wirtschaft. Möglicherweise würde ein solcher Ausstieg das Wachstum sogar ankurbeln. Grund dafür ist die Tatsache, dass sich die Kosten für Sonnen- und Windenergie seit 2010 halbiert haben. 

Wenn sich die Rockefeller-Erben also von Öl und Gas verabschieden, dann brechen sie nur bedingt mit der Familientradition. Nach wie vor beweisen sie – wie ihr legendärer Vorfahre –, dass sie viel Sinn fürs Geschäft haben.  

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