Dieser Satz hätte wirklich nicht sein müssen
«Ich hätte einen Haufen Knieschoner mitbringen sollen für die ganzen Staatenlenker», sagte Gavin Newsom Anfang der WEF-Woche. Der kalifornische Gouverneur spielte damit auf die Europäer an, welche lieber auf den Knien bei US-Präsident Donald Trump betteln, anstatt Widerstand zu leisten.
Auch die Schweizer «Staatenlenker» hielten sich bislang mit Kritik an Trump zurück. So sagte Aussenminister Ignazio Cassis im Dezember, dass die USA mit vielem «nicht Unrecht» hätten. In Erinnerung bleibt auch, wie Bundesrätin Karin Keller-Sutter Teile von J.D. Vances Rede an der Münchner Sicherheitskonferenz als «sehr schweizerisch» bezeichnete.
Das sogenannte «Team Switzerland», bestehend aus Schweizer Wirtschaftsführern, beschenkte den US-Präsidenten gar mit einem Goldbarren und einer Rolex-Uhr, um ihn milde zu stimmen.
Umgekehrt schrecken die USA nicht mit Kritik an der Schweiz zurück. «Ohne uns wäre die Schweiz nicht die Schweiz», sagte Donald Trump in seiner WEF-Rede. In der Schweiz sei «die Hölle los» gewesen, nachdem er sie mit Zöllen belegt habe.
Obwohl er hier zu Gast ist, verhöhnte er Karin Keller-Sutter vor versammelter Weltöffentlichkeit. Sie sei beim Telefonat zu den Zollverhandlungen sehr repetitiv gewesen und habe ihn genervt.
Ein Weckruf für unsere Landesregierung? Nein, sie lobte den US-Präsidenten sogar noch.
Nach der öffentlichen Demütigung empfingen die Bundesräte Ignazio Cassis, Karin Keller-Sutter und Guy Parmelin die US-Delegation um Donald Trump – und wieder hätten sie «Knieschoner» brauchen können, um es in den Worten von Newsom auszudrücken.
Bundespräsident Guy Parmelin begrüsste Donald Trump mit den Worten:
Die Runde lachte verlegen, worauf Trump entgegnete: «Das ist wahr.»
Die Szene erinnerte ein wenig an die Kabinettsitzungen in Washington D.C., bei denen zuerst alle Teilnehmenden sagen, wie grossartig Trump ist, bevor sie auf die Inhalte zu sprechen kommen.
Die offizielle Schweiz sollte bei diesen Spielchen nicht mitmachen.
Parmelins Schmeichelei, kurz nachdem der US-Präsident über unser Land und unsere Regierung hergezogen hat, ist fehl am Platz. Trump wird diese Unterwürfigkeit als Schwäche verstehen und uns bei nächster Gelegenheit wieder erpressen.
Wir sollten uns nicht kleiner machen lassen, als wir sind. Es ist Zeit, dass sich die Schweiz von den Knien erhebt.
