Schweiz
Abstimmungen 2026

Das Wichtigste zur Bargeld-Initative und dem direkten Gegenvorschlag

Franken Banknoten Münzen Bargeld
Bargeld ist in der Schweiz nach wie vor ein wichtiges Zahlungsmittel.Bild: Shutterstock

Das Wichtigste zur Bargeld-Initiative und zum direkten Gegenvorschlag

Am 8. März entscheiden wir erstmals seit 15 Jahren wieder über eine Volksinitiative und ihren Gegenentwurf mit Stichfrage – es geht um die Zukunft des Bargelds in der Schweiz.
24.01.2026, 19:3824.01.2026, 19:38

Bargeld wird in der Schweiz immer weniger genutzt: Die Debitkarte ist inzwischen das meistgenutzte Zahlungsmittel. Auch Bezahl-Apps werden immer beliebter.

Trotzdem will die Bevölkerung einer Umfrage der Schweizerischen Nationalbank zufolge Bargeld weiterhin als Zahlungsmittel zur Verfügung haben. Die Verfügbarkeit soll neu sogar in der Verfassung verankert werden, fordert eine Initiative, über die wir am 8. März 2026 abstimmen.

Was will die Bargeld-Initative?

Die Initiative verlangt zwei neue Verfassungsbestimmungen: Erstens soll der Bund sicherstellen, dass alle, die wollen, jederzeit und überall bar bezahlen können. Wie viel Bargeld genügend ist, lässt die Initiative offen. Zweitens soll der Franken Schutz erhalten: Volk und Stände müssten zustimmen, sollte er durch eine andere Währung ersetzt werden.

Wer hat die Initiative eingereicht?

Die Freiheitliche Bewegung Schweiz (FBS) sammelte für die Volksinitiative 130’000 Unterschriften. Es ist die erste Initiative des Vereins: FBS lancierte während der Coronapandemie die «Stopp-Impfpflicht-Initiative», die im Juni 2024 mit über 70 Prozent abgelehnt wurde.

Richard Koller, Initiator der Initiative "Bargeld ist Freiheit", spricht waehrend einer Medienkonferenz des Komitees der Volksinitiative "Ja zu einer unabhaengigen, freien Schweizer Wae ...
«Noten und Münzen werden im Alltag schrittweise verdrängt», sagte Richard Koller, der die Initiative angestossen hatte.Bild: keystone

An der Spitze der FBS steht Richard Koller. Der 65-Jährige ist Informatiker und ehemaliges SVP-Mitglied. Mit dem Verein wollte er eine weitere Initiative zum Thema Bargeld lancieren: «Wer mit Bargeld bezahlen will, muss mit Bargeld bezahlen können.»

Ziel sei es damals gewesen, sicherzustellen, dass im Detailhandel jederzeit möglich ist, bar zu bezahlen. Die Initiative scheiterte jedoch, da nicht genügend Unterschriften innerhalb der vorgeschriebenen Frist gesammelt werden konnten.

Was sind die Argumente der Befürworter?

Die Initianten argumentieren damit, dass eine Abschaffung des Bargelds verschiedene Risiken bergen könnte. So würde die Bevölkerung stärker von technischen Systemen wie Kartenlesegeräten, Datennetzen und der Stromversorgung abhängig. Bei einem Ausfall von Zahlungssystemen, etwa durch Hackerangriffe, gäbe es keine Alternative mehr. Zudem könne die Abschaffung des Bargelds zu einer stärkeren Überwachung führen. Ausserdem könne die Schweizer Nationalbank unbegrenzt Negativzinsen auf Bankguthaben erheben.

Wie steht Bundesrat und Parlament der Initative gegenüber?

Der Bundesrat hat einen Gegenvorschlag zur Initiative ausgearbeitet, weil er mit dem Anliegen zwar einverstanden ist, die Initiative im Wortlaut aber unpräzise und rechtlich schwer auszulegen sei. Beispielsweise spricht die Initiative explizit von Münzen und Noten, der Gegenvorschlag von Bargeld. Das stört das Initiativkomitee.

Im Unterschied zur Initiative übernimmt der Gegenentwurf Formulierungen aus bereits bestehenden Gesetzen. Die zweite Verfassungsbestimmung ist nach Ansicht des Bundesrats unnötig, weil bei einem möglichen Ersatz des Schweizer Frankens durch eine andere Währung ohnehin eine Volksabstimmung mit Ständemehr erforderlich ist.

Der Gegenvorschlag wird von einer breiten Mehrheit der Parteien unterstützt, darunter SVP, SP, Mitte und Grüne. GLP und FDP haben noch keine Parole beschlossen. Einzelne Politiker lehnen sowohl die Initiative als auch den Gegenentwurf ab, weil sie die bestehende Rechtslage für ausreichend halten.

Was ist besonders bei dieser Abstimmung?

Erstmals seit 15 Jahren stimmt das Volk wieder über eine Volksinitiative und einen Gegenentwurf ab. Die Stimmberechtigten äussern sich dabei separat zur Volksinitiative und zum Gegenentwurf. Sie können den Vorlagen zustimmen oder diese ablehnen. In der Stichfrage können sie angeben, ob sie Volksinitiative oder Gegenentwurf vorziehen, falls beide von Volk und Ständen angenommen werden.

Was sagen die Umfragen?

62 Prozent der Befragten können sich derzeit dafür begeistern, 31 Prozent eher nicht. Besonders viel Sympathie weckt das Begehren laut Tamedia bei SVP-nahen Personen, Wenigverdienern und in der Romandie.

Mehr zu den Abstimmungen im März 2026:

(Mit Material der sda)

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111 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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foggwulf
24.01.2026 20:18registriert November 2024
Überlegt euch mal, was mit den Karten und Twintgebühren passiert, wenn erst mal das Bargeld weg ist. Die Leute hinter Twint, Paypal, Mastercard und Visa freuen sich schon darauf ihre Marge zu erhöhen. Momentan können sie noch nicht so hoch, weil sonst wieder zu Bargeld gegriffen wird.
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Frank der Stein
24.01.2026 20:37registriert Juni 2022
Ich persönlich nutze kaum Bargelt, möchte aber die Wahl selber treffen und nicht etwa Politiken überlassen. Die zunehmende Überwachungsmentalität in Europa im generellen, aber auch so langsam in der Schweiz durch die Regierungen nervt mich.
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Markus Maag
24.01.2026 22:08registriert Mai 2024
Das Bargeld muss dringend erhalten werden!
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