Schweiz
Schule - Bildung

Delegiertenversammlung: So will die SVP die Schule verändern

Die SVP präsentiert ihre Rezepte gegen die «Krise der Volksschule»

Die SVP will Ausländerkinder zur obligatorischen sprachlichen Frühförderung schicken. Zudem setzt die Partei auf Diktate, mehr Kopfrechnen und das Auswendiglernen von Gedichten.
24.01.2026, 14:0524.01.2026, 14:05
Kari Kälin / ch media

Der unerfreuliche Befund stammt von Stefan Wolter: «De facto sind wir in der Schweiz alle schlechter geworden», sagte der Professor für Bildungsökonomie im vergangenen Jahr in einem Interview mit der NZZ. Tatsächlich dokumentieren die Ergebnisse der Pisa-Studien ein seit Jahren sinkendes Leistungsniveau der Schülerinnen und Schüler in der Schweiz. Auch die Erhebung zu den Grundkompetenzen, durchgeführt von der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren, liefert zum Teil wenig berauschende Resultate. So verpasst beim Lesen fast jedes fünfte Kind die Grundkompetenzen.

Nationalrat Benjamin Fischer spricht zum Thema ‚Volksschule in der Krise‘, an der Delegiertenversammlung der SVP Schweiz, am Samstag, 24. Januar 2026, in Naefels. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)
Nationalrat Benjamin Fischer.Bild: keystone

Kein Wunder ist in Medienberichten häufig von einer «Krise der Volksschule» die Rede. Eine solche diagnostiziert auch die SVP. In den vergangenen zwei Jahren erarbeitete die Partei unter Federführung des Zürcher Nationalrats Benjamin Fischer, Vater von drei kleinen Kindern, ein neues Positionspapier. Am Samstag stellte er es den Delegierten in Näfels GL vor. Das sind die wichtigsten Forderungen.

Obligatorische Förderung für fremdsprachige Kinder

Wenig überraschend sieht die SVP in der «Massenzuwanderung», auch von «bildungsfernen Familien», eines der Hauptprobleme für die Volksschule. Die Partei fordert obligatorische Sprachtests vor Beginn der Volksschule. Wer den Test nicht besteht, soll ein zusätzliches Jahr in einer Vorbereitungsklasse absolvieren – mit mindestens 20 Wochenlektionen in der jeweiligen Landessprache.

Zudem will die SVP ausländische Eltern verpflichten, ihre Kinder vor dem Eintritt in die Volksschule auf eigene Kosten in die sprachliche Frühförderung zu schicken. Familien, die sich dieser Pflicht widersetzen, sollen sanktioniert werden – bis hin zum Entzug der Aufenthaltsbewilligung. Des Landes verwiesen werden sollen auch Eltern, die wiederholt nicht mit der Schule kooperieren, etwa im Zusammenhang mit Gewaltdelikten oder schweren Disziplinproblemen.

Obergrenze pro Klasse

Ab einem gewissen Anteil fremdsprachiger Kinder sinkt das Unterrichtsniveau. Man könne von einem Schwellenwert von 30 Prozent ausgehen, schreibt die SVP unter Verweis auf Studien. Deshalb fordert sie eine Obergrenze an fremdsprachigen Schülerinnen und Schülern pro Klasse. Je nach Quartier und Wohngegend könnte dies zu erheblichen logistischen Herausforderungen führen. Wie solche Obergrenzen konkret umgesetzt werden, müssten Gemeinden und Kantone entscheiden, sagt Nationalrat Fischer.

Gedichte auswendig lernen

«Mit Kopf, Herz und Verstand»: So lautet das bildungspolitische Motto der SVP in Anlehnung an den grossen Schweizer Pädagogen Heinrich Pestalozzi (1746–1827). Übersetzt ins 21. Jahrhundert bedeutet das für die Partei: Die Schulen sollen sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren und grundlegende Fertigkeiten vermitteln – solides Lesen, Rechnen und Schreiben.

IM HINBLICK AUF DEN SCHULJAHRESBEGINN STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES NEUES BILDMATERIAL VON DER PRIMARSCHULE DER SCHULE SUHR ZUR VERFUEGUNG --- Pupils of primary school class 1c pictured during a double  ...
Schülerinnen und Schüler sollen mehr Lesen, Rechnen und Schreiben lernen.Bild: KEYSTONE

«Mit täglich 15 Minuten Kopfrechnen erreichen Schülerinnen und Schüler überdurchschnittliche Leistungen in Mathematik», sagt Fischer. Diktate, systematisches Grammatiktraining sowie das Auswendiglernen von Gedichten und Liedern gehören für die SVP ebenfalls zum didaktischen Arsenal der Volksschule. Stärken will die Partei zudem Fächer wie Werken oder Handarbeit, um den Schülerinnen und Schülern alternative Berufswege zur akademischen Laufbahn aufzuzeigen. «Kinder brauchen haptische Erfahrungen und müssen lernen, mit ihren Händen zu arbeiten», heisst es.

Aus den Schulen verbannen will die SVP hingegen Smartphones. Auch «Genderthemen» oder Fächer wie «Bildung für nachhaltige Entwicklung» hätten an der Volksschule nichts zu suchen. Zudem fordert die Partei, dass Schülerinnen und Schüler ab der zweiten Primarklasse benotet werden – und an der Primarschule nur noch eine Fremdsprache unterrichtet wird.

Abschaffung der integrativen Förderung

Seit Jahren setzt die Schweiz auf das Prinzip der integrativen Förderung: Kinder mit besonderen pädagogischen Bedürfnissen werden möglichst in Regelklassen unterrichtet, statt in separaten Klein- oder Förderklassen. Dabei handelt es sich etwa um Kinder mit Lernschwierigkeiten oder Verhaltensauffälligkeiten. Unterstützt werden sie punktuell von Heilpädagoginnen und Heilpädagogen.

Lehrpersonen sind mit diesem System häufig unzufrieden, wie Befragungen zeigen – unter anderem wegen fehlender geeigneter Räume und eines hohen Koordinationsaufwands. Die SVP hält den integrativen Unterricht für gescheitert und will wieder vermehrt auf Sonderklassen für Kinder mit besonderen pädagogischen Bedürfnissen setzen.

Die Luzerner Bildungsdirektion rechnete kürzlich vor, dass ein solcher Systemwechsel die Schaffung Hunderter neuer Klassen und Mehrkosten in zweistelliger Millionenhöhe zur Folge hätte. Benjamin Fischer stellt diese Einschätzung infrage. Er ist überzeugt: «Durch die Entlastung der Regelklassen können Kosten eingespart werden – auch, weil es im Klassenzimmer weniger Lehrkräfte braucht.»

Dozenten müssen Praktiker sein

Handlungsbedarf ortet die SVP auch an den Pädagogischen Hochschulen. «Theoretiker ohne Praxiserfahrung sollen keine Lehrpersonen ausbilden dürfen», hält die Partei fest. Dozentinnen und Dozenten sollen demnach nur Personen werden, die mindestens fünf Jahre lang vor einer Klasse unterrichtet haben. Ziel sei mehr Praxisnähe und Fachwissen sowie weniger theoretische Bildungswissenschaft.

THEMENBILD ZUR LOHNSTUDIE LEHRERINNEN UND LEHRER --- Teacher Ursula Keller, standing, explains the characteristics of Switzerland to participants of a course of the Swiss political and civil system fo ...
Wer Hochschuldozent oder -dozentin werden will, soll zuvor unterrichtet haben.Bild: KEYSTONE

Viele Forderungen der SVP zielen in eine ähnliche Richtung wie jene der FDP. Die Freisinnigen verabschiedeten 2024 ein Bildungspapier, in dem sie unter anderem die Abschaffung der integrativen Schule sowie eine stärkere Fokussierung auf die Kernkompetenzen Lesen, Rechnen und Schreiben forderten. Auch die sprachliche Frühförderung von Kindern mit Migrationshintergrund ist darin enthalten. (aargauerzeitung.ch)

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Amadeus
24.01.2026 14:17registriert September 2015
Ich finde ja nicht msl alke Punkte komplett doof. Aber IMich bin raus am Punkt wo Fischer den Schulen vorschreiben will, welche Fächer unterrichtet werden dürfen und welche nicht. Wäre ja noch schöner, dass die SVP den Unterrichtsplan definiert und entscheidet welche Themen unangemessen sind.
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The Barbarian
24.01.2026 14:18registriert Oktober 2025
Dass Kinder, die ungenügende Deutschkenntnisse haben, in der Sprachkompetenz gefördert werden, finde ich gut. Chancengleichheit war bis anhin kein Thema der SVP. Damit sollten diese Kinder bessere Chancen haben, ans Gymnasium oder Sek A wechseln zu können. Die Besten sollten die besten Schulen besuchen können und nicht die, deren einzige Qualifikation es ist, das Kind von Akademikern oder vermögende Eltern zu sein. Davon gibt es viel zu viele.
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Unsinkbar 2
24.01.2026 14:17registriert August 2019
Einige Forderungen sind nicht mal so schlecht. Handwerk stärken, mehr Speachunterricht, Sanktionen bei Gewalt. Aber die CH-Bünzlis sind die ersten, die motzen, wenn ihr Kind in eine Problemschule muss.

Aber denke nicht dass die Schule so schlecht ist, heute können viele mit 6 schon lesen, ich konnte mit 7 ev meine Schuhe binden, lesen aber überhaupt nicht. Und Gedichte (oder Bibelzitate) auswendig lernen, was für ein Horror.
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