ICE-Beamte töten Mann in Minneapolis
Am Schluss liegt er reglos da. Ein Video, das in den Sozialen Medien kursiert, zeigt: Mehrere Beamte der Sondereinheit ICE prügeln auf einen Mann ein.
Es fallen Schüsse. Eine Stimme aus dem Off ist zu hören: «Der Mann ist tot». Das Video wurde mutmasslich aus dem Inneren eines Geschäfts aufgenommen, durch eine Glasscheibe hindurch.
Das Department of Homeland Security bestätigt den Vorfall auf X. Demnach habe es sich dabei um einen illegalen Immigranten gehandelt, der eine halbautomatische Waffe auf sich getragen habe. «Der Mann starb noch an Ort und Stelle».
Agent in Todesangst
Den Angaben der Behörden zufolge habe einer der Agenten sich in Todesangst befunden und deshalb auf den Mann geschossen. «Er war um seine eigene Sicherheit und die seiner Kollegen besorgt.»
Hingegen sagte der Polizeichef von Minneapolis, dass der Mann wenig später in einem Krankenhaus gestorben sei. Es handele sich um einen 37-jährigen weissen Mann aus Minneapolis, der vermutlich US-Bürger sei, ergänzte der Polizeichef. Der 37-Jährige war nach örtlichen Polizeiangaben generell berechtigt gewesen, eine Waffe zu tragen. Viele Details des Vorfalls sind noch unklar.
Der TV-Sender CNN berichtete unter Berufung auf den örtlichen Polizeichef, dass ein Mann in Minneapolis von Bundesbeamten erschossen worden sei. Die «New York Times» schrieb unter Berufung auf offizielle Angaben von einer Person, die am Samstagmorgen (Ortszeit) in der Stadt von Bundesbeamten erschossen worden sei.
Gemäss einer Reporterin der Washington Post blockierten Bundesbeamte den Zugang zum Tatort. Das Gebiet sei weitläufig abgeriegelt worden, die Beamten hätten Tränengas eingesetzt. Auch das FBI sei zugegen gewesen.
Der Gouverneur des Bundesstaats Minnesota, Tim Walz, äusserte sich auf Social Media:
Walz, der für die Demokratische Partei politisiert und «Running Mate» von Kamala Harris bei den Präsidentschaftswahlen 2024 war, bezeichnete den Vorfall als «krank». Minneapolis ist die grösste Stadt Minnesotas.
Walz forderte US-Präsident Donald Trump auf, die Bundesbeamten sofort aus der Stadt abzuziehen «Minnesota hat genug von ihnen». Und weiter: «Zieht die Tausenden gewalttätigen, unausgebildeten Beamten aus Minnesota ab. Jetzt.»
US-Präsident Donald Trump hat sich auf seiner Plattform Truth Social geäussert und dabei den Bürgermeister und den Gouverneur des Bundesstaats Minnesota attackiert. «Der Bürgermeister und der Gouverneur stacheln mit ihrer selbstgefälligen, gefährlichen und arroganten Rhetorik einen Aufstand an!», schrieb der Republikaner auf der Plattform Truth Social. Trump schrieb mit Blick auf die US-Einwanderungsbehörde ICE auch: «LASST UNSERE ICE PATRIOTEN IHREN JOB TUN!»
Der Bürgermeister der Stadt, Jacob Frey – wie Walz ebenfalls ein Demokrat – sagte: «Wie viele Amerikaner müssen noch sterben oder schwer verletzt werden, damit dieser Einsatz beendet wird?» Wenn das Ziel der Mission darin bestehe, für Frieden und Sicherheit zu sorgen, dann bewirke sie genau das Gegenteil.
Am 7. Januar erschossen ICE-Beamte Renée Good in ihrem Auto, ebenfalls in Minneapolis. Der Fall hatte grosses Entsetzen und Proteste ausgelöst. Die Regierung bezeichnete das Vorgehen als Notwehr, Demokraten und Demonstranten sprachen von übermässiger Gewalt und mangelnder Transparenz bei der Aufarbeitung.
Die ICE-Einsätze sind Teil der verschärften Abschiebepolitik in der zweiten Amtszeit von US-Präsident Trump. Seit Beginn der verstärkten Einsätze in Minnesota sind nach Angaben der US-Regierung rund 3000 Menschen festgenommen worden. Mehrere Klagen lokaler Behörden gegen das Vorgehen der Bundesbehörden sind derzeit bei Gerichten anhängig.
(mit Material der Agenturen sda/dpa)
