Grossbritannien
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Johnsons und Corbyns TV-Duell war langweilig – aber die Twitter-Reaktionen sind grossartig



Bei der Fernsehdebatte zwischen dem britischen Premierminister Boris Johnson und Oppositionsführer Jeremy Corbyn haben sich beide Politiker rund vier Wochen vor der Parlamentswahl in Grossbritannien einen ersten Schlagabtausch geliefert. Die Debatte fand am Dienstag in Manchester statt.

epa08009955 A handout photo made available by ITV shows British Prime Minister and Conservative Party leader Boris Johnson (L) and Labour Party leader Jeremy Corbyn (R) during live debate 'Johnson v Corbyn: The ITV Debate', at ITV Studios in Manchester, Britain, 19 November 2019.  EPA/JONATHAN HORDLE / ITV / HANDOUT MANDATORY CREDIT: JONATHAN HORDLE / ITV EDITORIAL USE ONLY UNTIL 19 DECEMBER 2019 / HANDOUT NO SALES

Hatten inhaltlich nicht viel zu melden: Boris Johnson und Jeremy Corbyn. Bild: EPA

In der vom TV-Sender ITV übertragenen Debatte kam es zwischen den beiden Rivalen vor allem bei den Themen Brexit und Gesundheitssystem zu heftigen Wortwechseln.

Johnson bekräftigte sein Wahlversprechen, den Brexit endlich zum 31. Januar «zu erledigen». Corbyn wiederum warf dem Premier vor, sein Zeitplan sei unrealistisch. Der Labour-Chef verwies zudem auf seinen Plan, ein neues Brexit-Abkommen auszuhandeln und es der Bevölkerung in einem Referendum vorzulegen – mit der Option, in der EU zu bleiben.

Beim Thema der Gesundheitsvorsorge behauptete der Oppositionsführer, die Konservativen von Premier Johnson würden das nationale Gesundheitssystem NHS an die USA verkaufen wollen. Johnson nannte die Vorwürfe «eine absolute Erfindung». Einen echten Punkt konnte keiner der beiden in der ersten von einer Reihe geplanter TV-Debatten setzen.

Tatsachen überprüfen

Johnson war stark darauf fokussiert, seinen Gegner zu attackieren. Corbyn hingegen versuchte mit seiner Sozialpolitik zu punkten. Beide Kontrahenten handelten sich zeitweise den Spott des Publikums ein. Corbyn erntete höhnisches Gelächter, als er seinen Vorschlag einer Vier-Tage-Woche verteidigte. Johnson wurde ausgelacht, als er sich als wahrheitsliebend darstellen wollte.

Für Aufsehen sorgten während der TV-Debatte vor allem die Konservativen, die den Namen ihres Kontos im Kurzbotschaftendienst Twitter kurzerhand in «factcheckUK» änderten, um in mehreren abgesetzten Tweets Corbyns Aussagen zu widerlegen. Die Aktion brachte der Partei viel Kritik ein: «Keine politische Partei sollte versuchen, sich unter dem Deckmantel unabhängiger Journalisten zu tarnen», sagte Ben de Pear, der Herausgeber von Channel 4 News, der ein eigenes @FactCheck-Profil betreibt.

Der Ausgang der vorgezogenen Parlamentswahl am 12. Dezember ist Experten zufolge ungewiss. Laut einer Umfrage von Britain Elects kämen die Tories derzeit auf knapp 38 Prozent der Stimmen, Labour auf gut 28 Prozent. Die Zustimmung für die Brexit-Partei liegt demnach bei knapp neun Prozent.

Einen Gewinner gab es beim Debattier-Duell definitiv nicht, beide Auftritte waren schwach. Besonders Boris Johnson hatte einige bizarre Momente. So kam er bei jedem Thema irgendwie wieder auf den Brexit zu sprechen – auch wenn es um etwas komplett anderes ging. Zudem nahm es der Premier nicht sonderlich genau mit der Wahrheit.

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Die ganze Debatte zum Nachschauen. Video: YouTube/ITV News

Als die beiden Opponenten zum Schluss sagen sollten, was sie sich (unpolitisches) zu Weihnachten schenken würde, antwortete Johnson, dass er Corbyn ein Glas Konfitüre schenken würde. Dieser sagte trocken: «Ich mache meine eigene Konfitüre.»

Die Twitter-Gemeinschaft fand den Auftritt der beiden Herren eher unterirdisch und nahm sich einiger der bizarren Szenen an – die besten Outputs seht ihr hier:

Die Twitter-Reaktionen

«Der eine schneidet sich selbst die Haare während der andere nicht mal seine Brille gerade anziehen kann. Wir sind auf jeden Fall am Arsch.»

«Nicht lügen. Nicht lügen. Nicht lügen. Nicht lügen. Nicht lügen........Scheisse. Das ist unmöglich.»

«Ich werde 40 neue Spitäler errichten lassen. Ok eigentlich sind es nur sechs Spitäler und einige davon sind nur Renovationen.»

«Nimm jedesmal einen Shot, wenn Boris den Brexit erwähnt, obwohl die Frage nichts mit dem Brexit zu tun hat.»

«Bob Dylan tut seine persönliche Einschätzung von Boris Johnsons Auftritt kund...»

«Die Reaktion des Publikums sagt alles»

(mim/sda/afp/dpa/reu)

Das Brexit-Chaos seit Johnsons Amtsübernahme

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«Wollte ihm in den Arsch treten» – Churchills Enkel rechnet mit Boris Johnson und Co. ab

Sir Nicholas Soames ist ein in der Wolle gefärbter Konservativer. Doch weil er sich gegen Boris Johnons No-Deal-Brexit stellte, warfen ihn die Tories aus der Partei. Nun findet der Enkel des legendären Kriegspremiers Winston Churchill deutliche Worte.

Der 71-Jährige galt als graue Eminenz der Konservativen Partei: Seit 37 Jahren vertrat Nicholas Soames die Tories im britischen Unterhaus. Er hat die Eliteschule Eton absolviert, diente in der Armee und war in den neunziger Jahren Staatssekretär im Verteidigungsministerium.

Doch weil er und 20 andere Tory-Abgeordnete am vergangenen Dienstag gemeinsam mit der Opposition für ein Gesetz gestimmt hatten, das Premierminister Boris Johnson einen No-Deal-Brexit verbietet, entzog ihm die Parteileitung …

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