Sport
Gesellschaft & Politik

Bars rüsten sich gegen TV-Verzögerung

Bild
Bild: EPA
Fussballübertragungen

Bars rüsten sich gegen TV-Verzögerung

Wenn beim Nachbarn früher gejubelt wird, laufen den Beizern die Gäste davon.
26.05.2014, 05:3926.05.2014, 08:57
Ein Artikel von Aargauer Zeitung
Aargauer Zeitung
Antonio Fumagalli / Aargauer Zeitung

Die Ausgangslage war am Samstagabend perfekt für einen Grill- und TV-Abend mit ein paar (fussballbegeisterten) Freunden: Der Champions-League-Final zwischen den beiden Madrider Mannschaften versprach fussballerische Spitzenklasse, Regen war nicht zu erwarten und die Temperaturen bewegten sich in einigermassen angenehmem Rahmen. Wer sich in den Schweizer Städten auf den Dachterrassen und Balkonen umschaute, erblickte denn auch jede Menge Leute, die sich um einen TV oder einen Laptop gruppierten und gemeinsam mitfieberten – schliesslich reicht dafür eine Internetverbindung oder ein langes Antennenkabel aus der Wohnung. 

Unabhängig davon, ob die bevorzugte Mannschaft obsiegte, wurde die Feststimmung bei manchen Zuschauern aber gemildert, weil die Spannung fehlte. Schliesslich jubelten die Fans auf der Terrasse vis-à-vis möglicherweise bereits mehrere Sekunden früher – eine halbe Ewigkeit im Fussball. Doch das Zuschauen macht nur noch halb so viel Spass, wenn Sergio Ramos drüben den Ball bereits ins Netz geköpft hat, während Luka Modric hier den Eckball noch nicht einmal getreten hat. 

Je älter, desto schneller 

Der Grund dafür sind die verschiedenen Möglichkeiten, TV zu schauen: Je nach Angebot flimmert die gleiche Sendung mit einer Verzögerung von bis zu fünfzehn Sekunden über den Bildschirm. Dabei gilt für einmal nicht «je moderner, desto schneller» – im Gegenteil. Am schnellsten jubeln diejenigen Fussballfans, die das Signal in herkömmlicher Manier analog empfangen. Der Empfang via Satellitenschüssel ist bereits einige Sekunden verzögert. 

Die meisten TV-Konsumenten schwören mittlerweile aber auf Digital-TV. Weil dafür das Signal komprimiert, umgewandelt und gepuffert werden muss, entsteht eine Verzögerung. Wer sein Abonnement bei Cablecom hat, ist einige Sekunden schneller dran als bei der Konkurrenz von Swisscom und Sunrise. Am langsamsten sind Internetdienste wie Zattoo oder Wilmaa. 

Stammgäste bleiben fern 

Im privaten Rahmen ist die Verzögerung des TV-Signals zwar ärgerlich, man kann sie aber zumeist nur schon dadurch entschärfen, indem man sich vom Balkon ins Wohnzimmer zurückzieht. Anders die Betreiber von Bars und Restaurants – für sie können die paar Sekunden einschneidende Auswirkungen haben. Wenn in der Bar nebenan früher gejubelt wird, laufen die Gäste gleich reihenweise über. Akut ist das Problem alle zwei Jahre, wenn während einer Fussball-WM oder -EM besonders viele Betriebe ein sogenanntes Public Viewing anbieten. 

In Zürich gilt das «Le Calvados» als die Fussballbar schlechthin. Das ganze Jahr über zeigt sie die wichtigsten Spiele, das Interesse ist aber nie so gross wie bei den Grossanlässen. Dann dürfen die Bildschirme auch auf dem angrenzenden Idaplatz aufgestellt werden. Dumm nur: Die Bar nebenan zeigt die Matchs ebenfalls – und sie hat aufgrund der technischen Ausstattung des Hauses eine schnellere TV-Verbindung. «Am eindrücklichsten war es jeweils bei Penaltypfiffen. Da war unsere Bar innerhalb von Sekunden leer und die Gäste schauten sich die Ausführung des Strafstosses bei der Konkurrenz an», sagt «Calvados»-Geschäftsführer Linus Geiges. 

Manche Stammgäste blieben aber gleich ganz fern. Sie wollten sich die Spannung nicht nehmen lassen, was bedeutende finanzielle Einbussen zur Folge hatte. Im Hinblick auf die bevorstehende WM einigten sich die Barbetreiber am Idaplatz deshalb darauf, künftig auf denselben TV-Anbieter zu setzen. So haben alle die gleich langen Spiesse – und der Jubel der Fussballfans dürfte zumindest am Idaplatz wie aus einer Kehle erklingen, wenn Shaqiri, Messi und Co. in Brasilien ihre Tore schiessen. 

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Sven Andrighetto 2026 wie Paul DiPietro 2006? Warum nicht?
Sven Andrighetto als nächster Paul DiPietro? Warum nicht? Nach 20 Jahren kann sich in Mailand das Wunder von 2006 wiederholen. Aber es wäre nicht einmal mehr ein Wunder. Das Olympische Abenteuer 2026 hat mit dem ersten Training am Freitagmittag begonnen.
Die Schweizer aus der National League sind am Donnerstag mit dem Bus aus Zürich kommend in Mailand eingetroffen. Am Freitagmittag das erste Eistraining. Auch Verteidiger Sven Jung und Stürmer Tyler Moy sind noch dabei. Sobald alle NHL-Titanen eingetroffen sind, reisen sie wieder in die Schweiz zurück. Sechs Spieler aus Übersee sind gestern am späteren Nachmittag im Olympischen Dorf eingetroffen: Nico Hischier, Timo Meier und Jonas Siegenthaler aus New Jersey, Pius Suter aus St. Louis, Philipp Kuraschev aus San José und Nino Niederreiter aus Winnipeg.
Zur Story