Justiz
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Eigenes Kind brutal misshandelt: Lange Strafen für Zürcher Eltern gefordert



Das Gebaeude des Bezirksgerichts an der Wengistrasse 30 in Zuerich fotografiert am 3. Oktober 2016 in Zürich. (KEYSTONE/Manuel Lopez)

Bild: KEYSTONE

Die Staatsanwaltschaft fordert lange Freiheitsstrafen für ein ehemaliges Ehepaar, dass seine Kinder jahrelang misshandelt haben soll. Der Vater soll für 15 Jahre ins Gefängnis, die Mutter für 13.

Die heute etwa 50-jährigen Eltern werden von der Staatsanwaltschaft beschuldigt, in Zürich eine Tochter und einen Sohn jahrelang fast täglich weggesperrt, geschlagen, gedemütigt und von der Aussenwelt weitgehend isoliert zu haben. Sie sollen die Kinder zudem willentlich mangelernährt und regelrecht ausgehungert haben. Auch weitere eigene Kinder soll das Ex-Paar misshandelt haben.

«Die Kinder waren einem eigentlichen Folter- und Terrorregime ausgesetzt», sagte die Staatsanwältin am ersten Prozesstag am Mittwoch am Bezirksgericht Zürich. Die lückenlose Beweislage müsse zu einer hohen Strafe für beide Eltern führen.

Die Aussagen der Kinder seien zurückhaltend, glaubhaft und untereinander stimmig. Zudem gebe es belastende Aussagen von Lehrern, Nachbarn, einem Heimbetreuer, belastende ärztliche Untersuchungen und diverse Gefährdungsanzeigen bei den Behörden.

Die Aussage des Vaters, er habe jahrelang nichts gemerkt, könne nicht stimmen. Ein Nachbar etwa habe bei einem einzigen zufälligen Besuch gemerkt, dass Kinder in einem nicht ausgebauten Naturkeller gehalten wurden. Vielmehr habe der Vater die Kinder mit direktem Vorsatz selber misshandelt.

Auch die Aussage der Frau, nur der Mann habe die Misshandlungen begangen, stimme nicht. Sie habe ebenfalls selbst schwerste Misshandlungen begangen. Die Aussage, sie habe sich nicht getraut gegen ihren Mann vorzugehen, wiege wenig.

«Beide gleichermassen verantwortlich»

«Beide sind für die Misshandlungen gleichermassen verantwortlich», lautete das Fazit der Staatsanwältin. Beide hätten Misshandlungen ausgeübt und die vom Anderen ausgeübten gebilligt. «Den Beschuldigten kann ohne Weiteres unterstellt werden, dass sie spätere Folgeschäden bei den eigenen Kindern in Kauf nahmen», sagte sie.

Die beiden am stärksten misshandelten Kinder seien stark geschädigt von den Behörden in ein Heim eingewiesen worden. In einem Alter von mehr als zehn Jahren hätten sie kaum sprechen können.

Beide hätten dank einer intensiven Förderung grosse Fortschritte gemacht. Ihren beträchtlichen Entwicklungsrückstand haben sie laut der Staatsanwältin dennoch kaum aufholen können. Als junge Erwachsene bezogen beide mehrere Jahre eine IV-Rente.

Die Staatsanwältin fordert, beide Angeklagten in allen Punkten schuldig zu sprechen. Beiden werden mehrfache schwere Körperverletzung und mehrfache Freiheitsberaubung zur Last gelegt. Der Vater wird zudem der sexuellen Handlung mit Kindern beschuldigt, der sexuellen Nötigung und der Gefährdung des Lebens.

Sowohl der Vater als auch die Mutter hatten zuvor jeweils sich selber in allen Punkten für unschuldig erklärt. Für die grausamen Taten beschuldigten sie jeweils den anderen. (aeg/sda)

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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Karoon 13.08.2020 06:50
    Highlight Highlight Und am Schluss kommen sie schon nach 5 Jahren wieder frei wegen guter Führung, wie so oft. Unser System schützt Täter mehr als Opfer!
  • So oder so 13.08.2020 05:58
    Highlight Highlight Da kommen schon Fragen auf, ich habe gelesen das die Kinder mit Kleidern in die Schule gingen die nach Urin gerochen haben, anderseits heisst es das die Kinder - "In einem Alter von mehr als zehn Jahren hätten sie kaum sprechen können"

    Wie lange sind die denn in die Schule bis was unternommen wurde ? Wenn ein Kind mit zehn Jahren verwahrlost wirkt und kaum Sprechen kann ?
  • Meinung 13.08.2020 05:48
    Highlight Highlight Die Gesellschaft muss lernen hin zu schauen und nicht weg.
    Es geschieht seit jahren und in vielen Elternhäusern gehört Gewalt zur erziehung. Dies muss und kann nur geändert werden wenn alle hinschauen, Nachbarn Lehrer Freunde und Verwante. Ich und mein Bruder leben mit den folgen und es ist immer wieder ein Kampf. Wir dürfen nicht länger wegsehen. Und es ist nicht das problem anderer Kulturen, denn auch in Schweizer Familien passiert dies noch immer wie es bei uns geschah.
  • Hummingbird 12.08.2020 22:02
    Highlight Highlight "Ein Nachbar habe [...] bemerkt, dass [...] Kinder GEHALTEN werden."
    Die Wortwahl spricht für sich!
  • Hummingbird 12.08.2020 21:56
    Highlight Highlight Und noch eine Frage: Wieso hat es so lange gedauert von der Befreiung der Kinder bis zur Verurteilung?
  • Hummingbird 12.08.2020 21:55
    Highlight Highlight Krank, einfach krank!! Solche Leute sollten lebenslang verwahrt werden. Ich werde nie verstehen können, wie man so umgehen kann mit anderen Leuten, geschweige denn den eigenen Kindern! Und dann noch so tun, als wisse man von nichts!
  • Miicha 12.08.2020 19:41
    Highlight Highlight Wie konnte sowas jahrelang passieren? Spätestens nach der zweiten (unabhängigen) Meldung müssen die Kinder geschützt werden!
  • Ihr Kommentar hat 20min Niveau 12.08.2020 19:38
    Highlight Highlight Widerlich! So etwas ist einfach nur widerlich!
  • Toastbrot 2.0 12.08.2020 19:12
    Highlight Highlight Verstörend, wozu Menschen fähig sind.

    Wer solche Taten begeht und das Leben anderer dermassen nachhaltig zerstört, verwirkt meiner Meinung nach seinen Anspruch auf Freiheit und gesellschaftliche Teilhabe, und zwar vollständig.

    15 resp. 13 Jahre Gefängnis sind zwar wohl eine lange Zeit, aber gemessen am verursachten Leid trotzdem blanker Hohn. Lebenslanger Freiheitsentzug scheint mir in solchen Fällen das einzig Angemessene.
  • Don Alejandro 12.08.2020 18:59
    Highlight Highlight Diese "Eltern" erhalten lange Strafen, die Kinder werden jedoch lebenslang darunter leiden. Zum 🤢!
  • Eyla 12.08.2020 18:41
    Highlight Highlight ‚Zudem gebe es belastende Aussagen von Lehrern, Nachbarn, einem Heimbetreuer, belastende ärztliche Untersuchungen und diverse Gefährdungsanzeigen bei den Behörden.‘

    Ich verstehe einfach nicht weshalb die Behörden nicht früher aktiv wurden, anscheinend gab es ja mehr als genug Anzeichen.

    Ich hoffe die Richter werden ein hartes Urteil sprechen und diese Zwei für lange hinter Gitter ‚versorgen‘.
    • Eyla 13.08.2020 12:05
      Highlight Highlight @Watson - ich verstehe wirklich nicht, weshalb einige Kommentare sofort freigeschaltet werden und andere erst viel später. Wäre spannend zu erfahren nach welchen Kriterien dies geschieht (geschrieben 12.08.2020 um 18:41 / freigeschaltet am 13.08.2020 um 09:13) ...
    • Lami23 14.08.2020 11:39
      Highlight Highlight Das interessiert mich auch.

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