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Screenshot «Smithereens», 5. Staffel «Black Mirror»

Was hat Chris Gillhaney nur so weit getrieben, dass er eine Geisel nimmt? Screenshot: Netflix

Review

Ich bin ein Serienmuffel – aber die 5. Staffel «Black Mirror» könnte das ändern



«Mach es», haben sie gesagt. «Du wirst ‹Black Mirror› mögen!», haben sie gesagt. Und mich dazu verdonnert, meinen Senf zur 5. Staffel der dystopischen Netflix-Serie dazuzugeben. Ausgerechnet mich, einen Serien-Banausen, dessen Erfahrungen sich auf «Married... with Children» und – immerhin – «Breaking Bad» beschränken.

So habe ich mir spätabends grummelnd die Episode «Smithereens» reingezogen. Und – was soll ich sagen – ich bin begeistert! Wenn die anderen Folgen halten, was «Smithereens» verspricht, dann kann das was werden mit mir und «Black Mirror». Vielleicht werde ich dann endlich tun, was ich mir nach «Breaking Bad» schon vergeblich vorgenommen hatte: mir Zeit für dieses neumodische Serien-Format zu nehmen.

Moment! Bevor du weiterliest: Dieser Text kann Spoiler enthalten!

spoiler alert

Es braucht Zeit, sich mit Chris Gillhaney (Andrew Scott) zu identifizieren; zu neurotisch wirkt zunächst dessen Aversion gegen die omnipräsente Smartphone-Seuche. Doch schnell wird klar, dass da etwas Verborgenes ist, das diesen verschlossenen Hitcher-Fahrer (Hitcher entspricht Uber) verfolgt und quält. Und ihn zum Geiselnehmer werden lässt.

Chris hat es auf ein hohes Tier des Social-Media-Konzerns Smithereen abgesehen, doch mit dem jungen Jaden (Damson Idris) fällt ihm nur ein Praktikant in die Hände. Dass die Polizei auf ihn aufmerksam wird und ihn bald mit seiner Geisel im Auto auf einer südenglischen Wiese umzingelt, macht sein Vorhaben nicht leichter: Chris will ein Telefongespräch mit Smithereen-Boss Billy Bauer (Topher Grace) höchstpersönlich.

Screenshot «Smithereens», 5. Staffel «Black Mirror»

Wie ein moderner Jesus in der Wüste: Smithereen-Boss Bauer. Screenshot: Netflix

Bis es so weit kommt, vergeht viel Zeit – zu viel womöglich für ein junges Publikum, dessen Aufmerksamkeitsspanne vom Rhythmus der Smartphone-Benachrichtigungen geeicht ist. Nicht für mich. Ich habe mich in dieser 70-minütigen, zuweilen wie ein Kammerspiel anmutenden Episode keine Sekunde gelangweilt. Und obwohl dieser britischen Serie der Ruf vorauseilt, sie verdunkle mit ihrem Pessimismus das Gemüt jedes empathischen Zuschauers, habe ich ab und zu gelacht.

Denn Charlie Brooker, der «Black Mirror» erfand und auch das Drehbuch für «Smithereens» geschrieben hat, würzt das Geschehen mit subtilen Pointen. So mischt sich Schadenfreude in das Mitleid, wenn man zusieht, wie sich im Gesicht der britischen Einsatzleiterin Konsternation breit macht, als sie erkennen muss, dass der Social-Media-Gigant mehr über den Geiselnehmer herausgefunden hat als ihre Ermittler. Während die Beamten mit ihrer traditionellen Detektivarbeit wie ein analoges Relikt anmuten, saugt der Datenkrake die Informationen mit stupender Geschwindigkeit aus seinen eigenen Eingeweiden.

Screenshot «Smithereens», 5. Staffel «Black Mirror»

Traditionelle Uniform, traditionelle Methoden: die Einsatzleiterin der Polizei. Screenshot: Netflix

Emotion und Einsicht – «Smithereens» vermittelt beides. Das berührende Finale zwingt selbst den Zyniker in mir in die Knie, auch weil es – nicht zuletzt dank Scotts glaubwürdiger Präsenz – eben nicht im Schwulst ersäuft, wie dies in Hollywood-Produktionen zu oft geschieht. Zugleich eröffnen paradoxe Situationen diskret Perspektiven auf Zusammenhänge – etwa wenn ausgerechnet der Mann an der Spitze eines Social-Media-Konzerns zu Beginn gar nicht erreichbar ist. Billy Bauer geniesst meditierend das Privileg der Ungestörtheit auf einem kargen Berggipfel, während Chris selbst in seinem Auto abgehört wird.

Der Trailer zur 5. Staffel

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Video: YouTube/KinoCheck

Zentrales Thema von «Smithereens» ist Schuld. Da ist die Mutter (Amanda Drew), die sich schuldig fühlt am Suizid ihrer Tochter und eine Antwort in deren Social-Media-Account finden möchte, aber das Passwort nicht kennt. Bauer dämmert, dass er ein süchtig machendes Monstrum geschaffen hat. Und Chris ist unter der Last seiner Schuld längst zerbrochen – auch die Beichte, die er bei Bauer ablegt, wird ihn nicht erlösen.

Screenshot «Smithereens», 5. Staffel «Black Mirror»

War der «finale Rettungsschuss» tödlich? Screenshot: Netflix

Das wissen wir bestimmt, auch wenn das Ende offen bleibt. Wir erfahren nicht, ob der «finale Rettungsschuss» der Polizistin tödlich ist – und für wen. Wir erfahren auch nicht, was die Mutter – als sie dank Chris endlich das Passwort erhält – im Social-Media-Account ihrer toten Tochter findet. Und wir erfahren nicht, ob Bauer aus all dem die Konsequenzen ziehen wird – wenn er fertig ist mit Meditieren.

Was wir indes erfahren, ist: Was für Chris ein einschneidendes, hochdramatisches und vermutlich tödliches Erlebnis ist, verbreitet sich in Sekundenschnelle weltweit als News-Häppchen. Es wird schnell verdaut sein.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Jungleböy 08.06.2019 19:40
    Highlight Highlight Naja habe mir die ersten zwei folgen angeschaut. Ziemlich langweilig, diese staffel hat mir bisher nicht so zu gesagt.
  • Paddiesli 08.06.2019 14:51
    Highlight Highlight Die 5. Staffel ist eine einzige Enttäuschung. Eine BM-Folge hinterliess früher ein mulmiges Gefühl. Der Erfolg beruhte auch auf unbekannten Schauspielern, statt jetzt Hollywood- und Musikstars. Für diese Gagen hätten sie locker 2 Folgen mehr produzieren können. 3 Folgen sind keine Staffel.
    Ausserdem geht auch BM sehr Richtung Teenagerserie, statt anspruchsvolle Unterhaltung. Es sind einfach 3 Fictionepisoden, wie aus zig anderen Serien auch, die aber kaum zum Grübeln und Hinterfragen anregen.
    Schwache Leistung. Früher wurde einem der Spiegel auch wirklich vorgehalten.
  • Olmabrotwurst vs. Schüblig 08.06.2019 13:10
    Highlight Highlight Gut geschriebene Kritik und Analyse... muss auch mal gelobt werden....

    So und jetzt ziehe ich mir die Folgen rein.
  • Scoutout 07.06.2019 12:22
    Highlight Highlight ...obwohl das letztlich die „schlechteste“ aller Staffeln ist. Und dabei half Miley Syrus kräftig mit! Trotzdem High five für Black Mirror!
  • herrkern (1) 07.06.2019 11:28
    Highlight Highlight Ich bin nach "White Bear" ausgestiegen. Sowas Krankes tue ich mir nicht an, Hirnfick ist gar kein Wort dafür.
  • Statler 07.06.2019 09:08
    Highlight Highlight Outer Limits on steroids... Ich liebe Black Mirror!
    Kann aber nie mehr als zwei oder drei Folgen nacheinander schauen - die schlagen zu sehr auf's Gemüt.

    Bin gespannt, ob die 5. Staffel hält, was die vorherigen versprechen.

    @Huber: unbedingt den Rest schauen. Da sind ein paar echte Perlen dabei!
  • Stiggu LePetit 07.06.2019 08:36
    Highlight Highlight Black Mirror war bis zur Staffel 3 die beste Serie, die ich je gesehen habe. Ab dann war sie nur noch schlecht!
  • Hobbes 07.06.2019 08:16
    Highlight Highlight Also mir gefällt die fünfte Staffel sehr. Drei erneut wirklich gute Episoden.
  • Muntaniala 07.06.2019 07:44
    Highlight Highlight Auch ich muss sagen die neustes drei Folgen waren gut aber für mich leider nicht mehr grossartig wie die anderen Staffeln. Trotzdem, ich liebe Black Mirror.
  • Bätzi 07.06.2019 03:16
    Highlight Highlight Das eigentlich krasse an der Folge Smithereen ist es ist keine Fiktion es ist der spiegel unserer Zeit.
  • Posersalami 07.06.2019 00:51
    Highlight Highlight Hab gerade die erste Folge gesehen.

    Irgendwie anders als gewohnt aber leider geil!
  • Daniel R. 06.06.2019 21:44
    Highlight Highlight Kann man direkt in die Staffel 5 einsteigen, oder sollte man die vorhergehenden Staffeln zuerst anschauen?
    • LouisvanGaal 06.06.2019 22:10
      Highlight Highlight Die Geschichten sind voneinander unabhängig. Es spricht m.E. nichts dagegen, einfach irgendwo einzusteigen.
    • Smacun 06.06.2019 22:18
      Highlight Highlight Jede Folge erzählt eine eigene Geschichte, du kannst also einsteigen wo du willst.
    • Tiny Rick 06.06.2019 22:22
      Highlight Highlight Du kannst alle folgen von black mirror wild durcheinander schauen. Sind alle in sich abgeschlossen und erzählen alle eine andere geschichte in unterschiedlichem stil. Nur „technik“ ist das thema welches in jeder folge eine rolle spielt
    Weitere Antworten anzeigen
  • Thomas Oetjen 06.06.2019 21:32
    Highlight Highlight Ich war total enttäuscht von der neuen Staffel. Obwohl sie versucht hat, näher an reale möglichen Szenarien zu bleiben, wie in den ersten paar Folgen, so fehlt hier die Ideen. Mich hat jedenfalls nichts mehr überrascht. Und die Hanna Montana Geschichte war zwar teilweise witzig aber auch vorhersehbar.
  • mbeazy 06.06.2019 20:47
    Highlight Highlight Mir hat die fünfte Staffel weniger zugesagt als die Vorangegangen. Im Ansatz interessant, aber irgendwie nicht so krank wie gewohnt.

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