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China-Besuch von Donald Trump: Die USA am Abgrund

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Analyse

Warum China an den Niedergang der USA glaubt

Donald Trump macht bei seinem Besuch in Peking keine gute Figur.
15.05.2026, 16:4815.05.2026, 16:48

Eine kleine Studie in Kontrasten gefällig? Beim Treffen zwischen den beiden Staatsoberhäuptern schleimte Donald Trump so, wie er es sonst von seinen Besuchern im Oval Office gewohnt ist. «Sie sind ein grossartiger Führer», säuselte er an die Adresse des Gastgebers. «Auch wenn es viele nicht hören wollen, sage ich das immer wieder.»

Xi Jinping hingegen gab sich staatsmännisch und erteilte Trump eine kurze Geschichts-Lektion. Dabei wagte er sich bis weit in die Zeit vor Christi Geburt. Die beiden Supermächte müssten aufpassen, dass sie nicht in die Thukydides-Falle plumpsen würden, so der chinesische Präsident. Er spielte damit auf den griechischen Historiker Thukydides an, der den Krieg zwischen Athen und Sparta damit erklärte, dass der Aufstieg einer neuen Macht zwangsläufig zum Krieg mit der bestehenden führen muss.

In der heutigen Zeit wird die Thukydides-Falle gerne als Erklärung für den Ersten Weltkrieg angeführt. Damals wurde das aufstrebende Deutschland zur Gefahr für Grossbritannien. Der Harvard-Historiker Graham Allison warnte denn auch schon vor Jahren in einem viel beachteten Buch davor, dass die USA und China in die gleiche Falle geraten könnten.

Wir können davon ausgehen, dass Trump keine Ahnung hatte, wovon Xi sprach. Geschichte lässt ihn kalt, und er hat bekanntlich das Gedächtnis eines Goldfisches. Was ihn interessiert, sind Deals. Deshalb hat er auch die reichsten Männer um sich versammelt in der Hoffnung, dass sie mit gefüllten Auftragsbüchern den Rückweg antreten werden.

Ganz anders Xi. Weder die CEOs von BYD, Huawei noch DeepSeek waren anwesend. Stattdessen erteilte der chinesische Staatspräsident seinem Gegenüber eine unverhüllte Warnung: Lass die Hände von Taiwan, oder es gibt Ärger.

Warnungen einstecken zu müssen, ist für Trump eher ungewohnt. Als er von Journalisten gefragt wurde, wie die Gespräche mit Xi verlaufen seien, konnte er denn auch bloss stottern: «China ist sehr schön.» Umgekehrt zeigt sich, wie selbstbewusst die chinesische Führung inzwischen ist. Ryan Hass bringt die neuen Machtverhältnisse im «Atlantic» wie folgt auf den Punkt:

«China ist überzeugt, dass der sicherste Weg zu internationaler Macht nicht über eine direkte Konfrontation, sondern über Geduld führt. Weshalb sollte Peking einen Krieg anzetteln, um den amerikanischen Führungsanspruch im Nahen Osten oder irgendwo auf der Welt anzugreifen, wenn sich die Vereinigten Staaten doch selbst in Schwierigkeiten bringen, sei es militärisch, fiskalisch und politisch? Chinas Mission lautet daher nicht, die momentane Situation auszunutzen, sondern die Grundlage für eine Zukunft zu schaffen, die seinen Interessen dient.»

Mit anderen Worten: Die Chinesen handeln nach Napoleons Devise: «Störe nie einen Feind, wenn er gerade einen Fehler begeht.» Mit dem Krieg gegen den Iran begehen Trump und die USA derzeit gerade einen monumentalen Fehler. Ebenfalls im «Atlantic» stellt der Historiker Robert Kagan fest: «Dieser Konflikt hat aufgedeckt, dass die Amerikaner nicht – wie die Befürworter behaupten – ihre militärischen Fähigkeiten demonstrieren, sondern dass Amerika unzuverlässig und unfähig ist, zu beenden, was es angefangen hat. Das wird weltweit zu einer Kettenreaktion führen und Freunde und Feinde werden sich an das Versagen Amerikas anpassen.»

Die USA stecken im Nahen Osten in einer Falle, nicht der Falle des Thukydides, aber einer Falle, aus der sie nicht ohne Gesichtsverlust entkommen können. «Eine Niederlage der Vereinigten Staaten ist daher nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich», so Kagan.

Es wäre indes ein Irrtum zu glauben, dass in China alles rund läuft. Seine Wirtschaft ist nach wie vor viel zu stark vom Export abhängig und damit auch krisenanfällig. Die lange vom Staat vorgeschriebene Einkindpolitik wird dazu führen, dass die Bevölkerung nicht nur überaltert, sondern bereits heute abnimmt. Zudem ist China weit von Demokratie und Rechtsstaat entfernt.

U.S. President Donald Trump, left, poses for a picture with Chinese President Xi Jinping during a visit to the Zhongnanhai Garden in Beijing, Friday, May 15, 2026. (Evan Vucci/Pool Photo via AP)
China ...
Die beiden Staatsoberhäupter beim Fototermin.Bild: keystone

Die verantwortungslose und offen korrupte Politik des amerikanischen Präsidenten hat jedoch zur Folge, dass man in Peking mit guten Gründen auf einen bevorstehenden Niedergang der USA schauen kann:

  • Trump hat einen der wichtigsten Trümpfe der USA verspielt, das grosse Netz von Alliierten. Deshalb ist die Nato – jahrzehntelang ein Bollwerk gegen die Feinde des liberalen Westens – brüchig geworden. Auch Japan, Südkorea und Australien wenden sich von den USA ab.
  • China ist der Anführer des ökologischen Umbaus der Wirtschaft geworden. Ob Solarpanels, Windräder, Batterien oder Elektroautos, auf all diesen Gebieten sind die Chinesen führend. Trump schaut derweil in den Rückspiegel und führt die USA zurück ins fossile Zeitalter.
  • Mit seiner Zollpolitik verärgert der US-Präsident nicht nur die ganze Welt. Paradoxerweise vernichtet er damit auch im eigenen Land Arbeitsplätze in der Industrie und heizt die Inflation an.

Elon Musk, Tim Cook, Jen-Hsun Huang – auf seiner Reise nach Peking hat Trump sich mit den klangvollsten Namen der amerikanischen Business-Gemeinschaft umgeben. Er wollte damit Glanz und Wirtschaftspotenz demonstrieren. Das Resultat dürfte nicht ganz seinen Erwartungen entsprochen haben.

«Der Besuch ist – abgesehen davon, dass er trauriges Beispiel von amerikanischer Schwäche und chinesischer Stärke darstellt –, auch ein Beispiel dafür, wie Korruption inzwischen die gesamte amerikanische Regierung durchdringt», stellt Paul Krugman in seiner Kolumne auf Substack fest.

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China feiert Militärparade mit Putin und Kim Jong-un

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quelle: keystone / mahesh kumar
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139 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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International anerkannter Experte für ALLES
15.05.2026 17:23registriert Juli 2021
Ein Vergleich dieser beiden Männer ist doch spannend:

Trump ist mit dem goldenen Löffel im Mund geboren und hat mehr Geld verbrannt als verdient, bis zum Zeitpunkt als er sich alles Geld "legal" krallen konnte, das er wollte.

Xi stammt aus einfachen Verhältnissen und hat sich hochgearbeitet bis zum Präsidenten von 1.3 Mia Menschen. Vermutlich nicht alles mit sauberen Mitteln, aber das sei in diesem Kontext mal egal.

Die beiden Männer verbindet gar nichts. Xi ist gebildet, kultiviert und intelligent. Trump ist genau nichts davon.

Xi hat leichtes Spiel mit der Orange.
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deedee
15.05.2026 17:07registriert März 2015
China muss nicht einmal sympathisch, demokratisch oder innovativ wirken. Es reicht inzwischen, nicht jeden zweiten Tag Verbündete zu beleidigen, Länder zu bedrohen und Zölle wie Konfetti zu werfen.
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_Momo_
15.05.2026 17:10registriert August 2025
Das Gute für China ist ja, dass sie überhaupt nichts Tun müssen. Der Trump manövriert sein Land geradeaus in das Abseits …
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