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Portrait von Beda M. Stadler, Professor fuer Immunologie an der Universitaet Bern, aufgenommen am 12. Mai 2009 am Institut fuer Immunologie des Inselspitals Bern, Schweiz. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Für Immunologe Beda M. Stadler – hier 2009 am Institut für Immunologie des Inselspitals Bern – ist klar: «Die Ebola-Seuche kommt sowieso vor allem aus Hollywood.» Bild: KEYSTONE

Interview mit Immunologe Beda M. Stadler

«Jede Grippe ist gefährlicher als Ebola»

Der bekannte Berner Immunologe Beda M. Stadler sieht rund um die Ebola-Seuche vor allem Panikmache. Im Interview sagt er, wieso das Virus in der Schweiz null Chancen hat. 



Herr Stadler, das Ebola-Virus ist in Spanien angekommen, kommt es bald in die Schweiz
Beda M. Stadler: Nein. Die Ebola-Seuche kommt sowieso vor allem aus Hollywood. Horror-Movies lehnen ihre Drehbücher an hoch infektuöse Viren wie Ebola an und stilisieren sie zu Pandemien, die die Menschheit ausrotten. Ebola gibt es aber schon länger als es Menschen gibt. Ein so gearteter Virus wie Ebola kann die Menschheit gar nicht dahinraffen. 

Wieso? 
Ebola ist verfolgbar. Die Inkubationsszeit des Virus' dauert zwischen einer Woche und 20 Tagen. Das ist nicht lange. So weiss man immer, wo das Virus gerade steckt. 

«Bei Grippewellen sterben in Europa mehr Menschen als bisher in Afrika gestorben sind.»

Zur Person

Beda M. Stadler war von 2001 bis im August dieses Jahres Professor für Immunologie an der Universität Bern. Er trieb die Immunologische Grundlagenforschung im Gebiet der Allergologie und Autoimmunität voran und stellte Impfstoffe für die Therapie her. In der Öffentlichkeit ist Stadler durch pointierte Zeitungskolumnen und polarisierende Auftritte in Fernsehsendungen bekannt. Der frisch Pensionierte setzt sich gegen Alternativmedizin und für Gentechnik sowie Impfungen ein. (rar)

Das Virus breitet sich aber gerade unkontrolliert aus ...
Ja, in Afrika. In der Schweiz hätte Ebola null Chance. Wir haben nur schon kulturell bedingt ganz andere Hygiene-Standards. Die Menschen in Afrika haben sich bei Begräbnissen mit Umarmungen und Küssen von Ebola-Opfern verabschiedet. Hier würden sie kremiert werden und die Gefahr wäre gebannt. Zudem sind die Spitäler gut ausgerüstet, das Personal ausgebildet und mit Quarantäne-Situationen vertraut. Jede Grippe ist gefährlicher als Ebola.

Das hätte man in Spanien vor einer Woche auch noch gesagt. 
Es braucht halt nur einen ganz kleinen Fehler eines einzigen Menschen. Zum Beispiel von dem, der das Erbrochene des Kranken wegputzt, oder von dem, der sich um seine Exkremente kümmert. Die Spitäler sollten Quarantäne-Situationen jetzt proben, damit die genauen Abläufe jedem präsent sind. Für Fachkräfte ist Ebola aber eigentlich kein Problem. Bei Grippewellen sterben in Europa mehr Menschen als bisher in Afrika gestorben sind. 

Dieses Virus mutiert aber.
Das ist eben auch so ein Blödsinn. Jedes Virus mutiert ständig. Das ist normal, aber nicht gefährlich. Gefährlich wäre es erst, wenn Ebola plötzlich auch per Tröpfchen übertragen werden könnte. Dafür ist das Virus aber rein physisch viel zu gross. 

«Den Impfstoff könnten meine Studenten in einem halben Jahr beweisen. Nur war damit bisher kein Geld zu verdienen.»

BAG sieht keinen Handlunsbedarf

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) gibt in puncto Ebola ebenfalls Entwarnung und trifft keine neuen Vorkehrungen. «Die Schweizer Spitäler werden jetzt aber sicherlich die Sicherheitsmassnahmen nochmals überprüfen, um aus den Fehlern in Spanien zu lernen», sagt Daniel Koch, Leiter Abteilung übertragbare Krankheiten beim BAG, gegenüber «20 Minuten». Gefährdete Personengruppen seien schriftlich informiert und die Asylzentren gut vorbereitet. Dass Einzelfälle in der Schweiz vorkommen könnten, schliesst Koch jedoch nicht aus. (rar)

Woher kommt denn die grosse Angst vor dem Virus? 
Weil die Mortalität hoch ist, wenn jemand Ebola hat und der Tod, den ein Patient stirbt, sehr hässlich ist. Kranke erbrechen und haben Durchfall, etliche Systeme im Körper werden angegriffen und viele Organe versagen. Das ist nicht schön. Und das macht dem Laien Angst. 

Sie sind ein vehementer Befürworter von Impfungen. Wieso gibt es noch keinen Impfstoff gegen Ebola? 
Im Prinzip gibt es den schon. Den Impfstoff könnten meine Studenten in einem halben Jahr beweisen. Nur war damit bisher kein Geld zu verdienen. Die Industrie investiert nicht hunderte Millionen in eine Impfung, die sie nicht verkaufen kann. Jetzt würde man natürlich reich. Warten sie nur, in ein paar Monaten ist der Impfstoff da. 

Die Panikmache nützt also der Industrie. 
Ja, und der Forschung. Die WHO hofft dank ihrer Panikmache auch nur auf Gelder. Das haben sie schon bei der sogenannten Schweinegrippe-Epidemie und bei der Vogelgrippe gemacht. Eigentlich sollten sich die mal entschuldigen.

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