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Milliarden-Kauf wegen zu viel Geld? Schweizer Börse SIX bietet für spanische Börse

18.11.2019, 09:3218.11.2019, 13:25
Die Schweizer Börse SIX.
Die Schweizer Börse SIX.
Bild: KEYSTONE

Die Schweizer Börsenbetreiberin SIX unterbreitet der spanischen Börsen- und Finanzmarktinfrastrukturgruppe Bolsas y Mercados Españoles («BME») ein milliardenschweres Übernahmeangebot. Kommt der Deal zu Stande, entstünde der drittgrösste Finanzmarktinfrastrukturanbieter Europas. Allerdings hat auch Euronext Interesse angemeldet.

Das Übernahmeangebot besteht laut einer Mitteilung der SIX vom Montag aus einem Barübernahmeangebot für 100 Prozent des Aktienkapitals von BME. Die SIX ist bereit, 34 Euro pro BME-Aktie zu bezahlen. Dies würde einem Gesamtpreis von gut 2,8 Milliarden Euro oder umgerechnet rund 3,1 Milliarden Franken entsprechen.

Die SIX ist somit gewillt, für die Übernahme der spanischen Börse tief in die Tasche zu greifen. Das Angebot der SIX für BME entspricht den Angaben nach einer Prämie von 47,6 Prozent gegenüber dem volumengewichteten durchschnittlichen Aktienpreis von BME der letzten 6 Monate und von 33,9 Prozent gegenüber dem Schlusskurs von 25,40 Euro vom 15. November 2019.

Richtungswechsel

Die geplante Übernahme kommt einigermassen überraschend. Noch Mitte August 2019 sagte ein SIX-Sprecher gegenüber der Nachrichtenagentur AWP, dass es für die SIX «keinen Bedarf» gebe, eine Börse zuzukaufen und dementierte damit entsprechende Berichte der Nachrichtenagentur Bloomberg zu einer bevorstehenden Übernahme.

Bloomberg berichtete unter Berufung auf «gut informierte Kreise», dass die Schweizer Börsenbetreiberin nach einer europäischen Börse Ausschau halten könnte, sollte sich der Verlust der EU-Börsenanerkennung länger hinziehen oder sich die Situation verschärfen. Bereits damals war die Rede von der spanischen BME sowie der Wiener Börse.

«Wir sind sehr zufrieden mit den Schutzmassnahmen, die der Bundesrat mit Blick auf den Verlust der EU-Börsenanerkennung festgelegt hat und wissen von keiner möglichen Eskalation in der Äquivalenzdebatte», erklärte der SIX-Sprecher damals. Die EU hatte Ende Juni im Streit um das Rahmenabkommen mit der Schweiz die Börsenäquivalenz der Schweizer Börse auslaufen lassen.

Hintergrund der Auseinandersetzung sind die seit 2014 dauernden Verhandlungen zwischen der Schweiz und der EU über ein institutionelles Rahmenabkommen. Die Börsenäquivalenz wird dabei als Druckmittel eingesetzt. Weil die Schweizer Börsenregulierung von der EU nicht mehr als gleichwertig anerkannt wird, ist seither Marktteilnehmern aus der EU der Aktienhandel an der Schweizer Börse verboten. Der Bundesrat hatte mit Gegenmassnahmen reagiert und den Handel von Schweizer Aktien in der EU untersagt.

Der Entscheid, ein Angebot für BME zu lancieren, habe aber nichts mit dem Streit um die Börsenäquivalenz zu tun, betonte das SIX-Management in einer Telefonkonferenz am Montag. Ausschlaggebend für den Richtungswechsel der SIX könnten auch die grossen Kapitalreserven des Unternehmens sein.

Grosse finanzielle Reserven

Die Schweizer Börse will den Kauf nämlich über bestehende Barreserven finanzieren. Das Finanzarsenal von SIX dürfte gut gefüllt sein, weil im Mai 2018 die SIX Payment Services an das französische Zahlungsverkehrs-Unternehmen Worldline verkauft wurde. Im Gegenzug erhielt SIX eine Beteiligung von 27 Prozent an Worldline.

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Dadurch explodierte im Geschäftsjahr 2018 der Konzerngewinn der SIX auf 2,88 Milliarden Franken, nach einem Gewinn von 207,2 Millionen im Jahr 2017. In der Mitteilung vom Montag spricht SIX von «erheblichen liquiden Mitteln in der Bilanz» und «ausreichend ungenutzten Fremdkapitalfinanzierungskapazitäten».

Für eine erfolgreiche Übernahme müssen die BME-Aktionäre der SIX aber zuerst mindestens 50 Prozent plus eine Aktie andienen. Zudem unterliege die Transaktion noch der Genehmigung respektive dem Nicht-Einspruch der spanischen Markt- und Wettbewerbskommission (CNMC) und der spanischen Börsenaufsicht (CNMV) sowie der Genehmigung durch die spanische Regierung.

Euronext bestätigt Gespräche

Ebenfalls an BME interessiert ist der europäische Börsenbetreiber Euronext. Am Montag bestätigte das Unternehmen Gespräche mit dem spanischen Konkurrenten über eine mögliche Übernahme. Euronext betreibt derzeit die Börsen in Amsterdam, Brüssel, Dublin, Lissabon und Paris. Berichten zufolge ist Euronext zudem am italienischen Börsenbetreiber Borsa Italiana interessiert, falls dieser von der London Stock Exchange (LSE) im Zuge der geplanten 27 Milliarden Dollar teuren Übernahme des Datenanbieters Refinitiv verkauft werden sollte. (aeg/awp/sda)

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