Wirtschaft
Schweiz

UBS kontra Keller-Sutter: Warum der Bundesrat richtig liegt

Der CEO von UBS, Sergio Ermotti, anlaesslich der Generalversammlung der Bank UBS in der Messe Luzern am Donnerstag, 10. April 2025 in Luzern. (KEYSTONE/Urs Flueeler).
UBS-Chef Sergio Ermotti lobbyierte vergeblich gegen die Regulierungspläne des Bundesrats.Bild: keystone
Analyse

Ein UBS-Wegzug in die USA ist eine leere Drohung

Bei der Bankenregulierung ist der Bundesrat der UBS entgegengekommen. Die Grossbank findet sie trotzdem extrem. Das Parlament sollte sich davon nicht beeindrucken lassen.
23.04.2026, 14:5923.04.2026, 14:59

Über Karin Keller-Sutter kursierten in letzter Zeit einige Spekulationen. Die Bundesrätin wirke ausgebrannt und reif für den Rücktritt, auch wegen ihres verunglückten Präsidialjahres. Bei der Medienkonferenz zur Bankenregulierung am Mittwoch war davon nichts zu sehen. Die Finanzministerin war hellwach, entschlossen und konterte kritische Medienfragen sattelfest.

Keller-Sutters Performance kam nicht von ungefähr. Seit Monaten wehrte sich die UBS mit Konzernchef Sergio Ermotti und Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher gegen die vom Bundesrat geplanten höheren Eigenkapitalvorschriften für ihre Auslandstöchter. Dazu gehörte auch die mehr oder weniger offene Drohung mit einem Wegzug Richtung USA.

Bundesraetin Karin Keller-Sutter reagiert auf eine Frage waehrend einer Medienkonferenz des Bundesrates zur Aenderung des Bankengesetzes (Eigenkapitalunterlegung auslaendischer Beteiligungen im Stammh ...
Rücktrittsgerüchte? Karin Keller-Sutter konnte am Mittwoch darüber nur lachen.Bild: keystone

Der Bundesrat liess sich davon nicht beeindrucken. Er kommt der letzten global tätigen Schweizer Grossbank ein Stück weit entgegen, bleibt in der Kernforderung aber hart: Die ausländischen Tochtergesellschaften müssen mit 100 Prozent Eigenkapital unterlegt werden. In dieser Frage sei sich der Bundesrat «absolut einig», betonte Karin Keller-Sutter.

Trommelfeuer der UBS

Konkret müsste die UBS rund 20 Milliarden US-Dollar zurückstellen. Weil sie bereits Reserven gebildet hat, beziffert der Bund den realen Kapitalbedarf auf rund neun Milliarden Dollar. Zur Erinnerung: Im letzten Jahr erzielte die UBS einen Nettogewinn von 7,8 Milliarden US-Dollar. Und der Bundesrat will ihr für den Kapitalpuffer sieben Jahre Zeit geben.

Das scheint machbar. Dennoch reagierte die UBS in einer Mitteilung mit scharfen Worten auf das Paket des Bundesrats: Es sei «extrem, nicht international abgestimmt, missachtet die Mehrheit der im Rahmen der Vernehmlassung vorgebrachten Bedenken und würde – sofern in dieser Form umgesetzt – weitreichende Folgen für die Schweizer Wirtschaft nach sich ziehen».

Warnung vor Drittklassigkeit

Auf Letzteres verweist auch die bankennahe NZZ in einem Kommentar. Ohne UBS stiege der Finanzplatz in die Drittklassigkeit ab. Auch der Forschungs- und der Werkplatz würden leiden: «In Form von tiefen Zinsen und Zugang zu erstklassigen Finanzdienstleistungen profitieren Schweizer Unternehmen heute auf breiter Front vom Kapitalmagnet UBS.»

Es war wohl auch kein Zufall, dass Gewerbeverbands-Direktor Urs Furrer am Mittwoch in den CH-Media-Zeitungen vor negativen Folgen für KMU warnte. Nur um am Ende einzuräumen, dass international tätige Institute besonders in der Pflicht stehen: «Ihr Risikomanagement muss sicherstellen, dass Rettungsaktionen durch den Bund künftig ausgeschlossen sind.»

Klumpenrisiko UBS

Bei diesem Punkt wird es absurd, denn es war die ungenügende Risikokontrolle, die vor drei Jahren zum Debakel der Credit Suisse und zur «Notfusion» mit der UBS geführt hatte. Man kann der heutigen UBS-Führung attestieren, dass sie die Lehren daraus gezogen hat. Doch es gibt keine Gewissheit, dass dies auch in Zukunft der Fall sein wird.

Der Finanzplatz ist kein derart gigantisches Klumpenrisiko mehr für das Land wie vor der Finanzkrise 2008. Die Bilanzsumme der UBS aber ist mit gut 1600 Milliarden Dollar immer noch rund anderthalbmal so hoch wie die jährliche Wirtschaftsleistung der ganzen Schweiz. Falls auch sie in Schieflage geraten sollte, wäre ihre Rettung ein gewaltiger Kraftakt.

Risiko für Steuerzahlende

Die nächste Krise komme, die Frage sei nur wann, warnte Karin Keller-Sutter am Mittwoch. Es gehe nicht an, dass eine Bank ins Risiko gehe und die Haftung den Steuerzahlenden überlasse, betonte die Finanzministerin. Denn weil ein Verkauf etwa an eine US-Grossbank kaum infrage kommt, hätten systemrelevante Banken faktisch eine Staatsgarantie.

A building of the Bernese cantonal bank at the Bundesplatz in Bern, Switzerland, photographed on May 24, 2017. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Ein Gebaeude der Berner Kantonalbank am Bundesplatz, fotograf ...
Die Berner Kantonalbank musste in den 1990er Jahren mit fast 1,5 Milliarden Franken Steuergeld saniert werden.Bild: KEYSTONE

Deshalb unterstützen die Nationalbank und die Finanzmarktaufsicht (Finma), die bei der CS-Übernahme eine Schlüsselrolle spielten, die Regulierungspläne des Bundesrats. Denn das Risiko für die Steuerzahlenden ist real. Das betrifft weniger die UBS-Rettung 2008 und die CS-Fusion 2023. In beiden Fällen erzielte der Staat am Ende sogar einen Gewinn.

Warnung im PUK-Bericht

Ganz anders sah es während des Immobiliencrashs in den 1990er-Jahren aus, der die Schweizer Wirtschaft in eine tiefe Krise gestürzt hatte. Zahlreiche Regionalbanken verloren wegen «fauler» Kredite ihre Eigenständigkeit, und in Bern sowie Waadt mussten zwei der grössten Kantonalbanken mit jeweils mehr als einer Milliarde Franken Steuergeld saniert werden.

Aufgrund solcher Erfahrungen ist es mehr als verständlich, dass der Bundesrat die UBS mit genügend Eigenkapital «krisenresistent» machen will. Der PUK-Bericht zur Credit Suisse hat aufgezeigt, dass es ein Fehler ist, den Banken zu viel Spielraum zu gewähren. Oder ihnen wie damals durch die Finma zu ermöglichen, ihren wahren Zustand zu verschleiern.

Typisch schweizerischer Kompromiss

Das Parlament sollte sich deshalb vom Trommelfeuer der UBS und ihrer zugewandten Orte nicht beeindrucken lassen. Der von Karin Keller-Sutter vorgegebene Weg ist zielführend und keineswegs überrissen. So sieht es auch der Wirtschaftsrechtler und Bankenexperte Peter V. Kunz von der Universität Bern im Interview mit der Nachrichtenagentur AWP.

Bei den Plänen des Bundesrats handle es sich «um einen typisch schweizerischen Kompromiss, der durchaus lebbar für die UBS sein sollte». Ein möglicher Wegzug in die USA ist für Kunz nichts als eine leere Drohung: «Gerade UBS-Kunden aus Asien und Südamerika schätzen es, dass es sich um eine Schweizer Bank und nicht um eine US-Bank handelt.»

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Dragonlord
23.04.2026 15:12registriert Juli 2016
«Ihr Risikomanagement muss sicherstellen, dass Rettungsaktionen durch den Bund künftig ausgeschlossen sind.»
Genau so sollte es sein. Ich habe keine Lust, schon wieder meine Steuern für Banken zu verschwenden, deren Top-ManagerInnen unverschämt viel absahnen und dies mit Verantwortung begründen, welche sie dann im Ernstfall noch unverschämter auf andere schieben.
Und die Aktionäre verdienen ebenfalls genug fürs Nichtstun.
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Ursus der Schräge
23.04.2026 16:22registriert März 2018
Erstaunt mich doch sehr, die Haltung des KMU-Verbandes, denn ausgerechnet die UBS macht KMU's das Leben schwer. Als ich mein Geschäft eröffnen wollte und gleich schon zu Beginn einige Leute einstellte, wollte ich bei der UBS einen Kontokorrent, denn zu Beginn war es problematisch, dass Einnahmen schon eintrafen,
bevor die ersten Zahltage fällig waren. Die UBS hat mein KMU-Ansinnen abgelehnt mit dem Grund eines Klumpenrisikos, da ich noch wenig Kunden hätte. (Ein Kunde war übrigens die UBS selbst). Die Raiffeisen half dann problemlos und ich konnte mein Geschäft dank dessen vergrössern.
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Die - Vladi!
23.04.2026 15:39registriert Oktober 2024
Als Konzernchef macht er seine Sache ausgezeichnet, denn er hat längst begriffen, dass unsere aktuelle Regierung kaum das Format hat, ihm entgegenzuhalten.
Die vermaledeiten Drohungen kann er sich sparen, dieser Unsympath, es ist längst überzeitig, das grössenwahnsinnige Grosskapital und seine unsägliche Entourage in die Schranken zu weisen. Grossspurig auftreten, sich dann aber bei etwas heftigerem Gegenwind vom Staat retten lassen müssen. Wers auf diese Weise vergeigt, hat in meiner überaus naiven Weltanschauung inskünftig die Klappe zu halten. Ach was, noch grössere Forderungen gehen immer.
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