Gesellschaft & Politik
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A Yazidi religious leader blesses a worshipper during the community's main festival of Eid al-Jamma, which lasts for a week, at Lalish temple in a small mountain valley situated northwest of Mosul, 390 km (240 miles) north of Baghdad October 7, 2010. Yazidis are members of a pre-Islamic Kurdish sect who live in northern Iraq and Syria. The community was a target for the deadliest militant attacks in Iraq since 2003 when suicide truck bombings killed more than 400 Yazidi people in August 2007. Picture taken October 7, 2010.    REUTERS/Stringer (IRAQ - Tags: RELIGION SOCIETY)

Ein Priester segnet eine Frau. Bild: REUTERS

Von IS-Dschihadisten in die Flucht geschlagen

Die Jesiden: Kopfsalat und die Farbe blau sind tabu

Die Einnahme der Stadt Sindschar im Nordirak durch radikalsunnitische Dschihadisten hat zehntausende Jesiden in die Flucht getrieben. Schon seit Langem wird die Kurdisch sprechende religiöse Minderheit bedroht und verfolgt. 

Die grösste Gemeinde der Jesiden lebt im Irak, nach Angaben der Minderheit leben dort 600'000 Jesiden. Andere Schätzungen gehen von 100'000 aus. Die grösste Exilgemeinde lebt in Deutschland, hier gehen die Jesiden von 45'000 bis 60'000 Religionsangehörigen aus. In Syrien, der Türkei, Armenien und Georgien leben ebenfalls mehrere tausend Jesiden. Eine offizielle Zählung gibt es nicht.

A Yazidi man an his donkey walk along a road on Mount Sinjar, 250 miles, 404 kilometers, northwest of Baghdad, Iraq, Sept. 19, 2005. Yazidis are predominantly ethnic Kurds whose religion blends elements of Zoroastrianism, Judaism, Christianity and Islam. Small communities of Yazidis can be found in Syria, Turkey, Georgia and Armenia, but the majority of the estimated 100,000 believers live in Iraq. Most Yazidis, even young people, choose to live in these isolated communities, though they often face extreme poverty. (AP Photo/Jacob Silberberg)

Die meisten Jesiden sind arme Bauern und Hirten.  Bild: AP

Konvertieren kann man nicht

Als Jeside wird man geboren, konvertieren kann man zu dem Glauben nicht. Die Jesiden-Tradition untersagt Hochzeiten mit Nicht-Jesiden sowie ausserhalb der Kaste. Normalerweise geht mit einer Mischhochzeit daher der Austritt aus dem Glauben daher. Der jesidische Glaube ist eine monotheistische Religion und entstand vor über 4000 Jahren in Mesopotamien. Der Glaube beruht teilweise auf dem altpersischen Kult des Zoroastrismus, im Laufe der Zeit kamen auch islamische und christliche Elemente dazu.

Die meisten Jesiden sind arme Bauern und Hirten. Jesiden beten der Sonne zugewandt zu ihrem Gott und verehren seine sieben Engel. Der wichtigste ist Melek Taus, auch Engel Pfau genannt. Eine feste religiöse Schrift haben die Jesiden nicht, ihre Religion orientiert sich an mündlichen Überlieferungen. Die Jesiden glauben an Seelenwanderung und Wiedergeburt.

Als «Teufelsanbeter» betrachtet

Viele strenggläubige Muslime und vor allem auch Islamisten sehen im Engel Pfau eine dämonische Figur und betrachten die Jesiden daher als «Teufelsanbeter». Auch andere Vorgaben wie zum Beispiel das Verbot, Kopfsalat zu essen oder die Farbe Blau zu tragen, werden von anderen Religionen als satanisch missinterpretiert. Als nichtarabische und nichtmuslimische Iraker wurden die Jesiden schon unter Saddam Hussein im Irak verfolgt und vertrieben.

Im August 2007 wurden zwei jesidische Dörfer im Nordirak beinahe vollständig zerstört. Mehr als 400 Jesiden starben. Es war der blutigste Angriff auf die Minderheit seit der US-geführten Invasion im Irak im Jahr 2003. (whr/sda/afp) 



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