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Riesenshow um 1000 Stellen: Wie Trump sich als Jobretter inszeniert



FILE - In this Nov. 7, 2016 file photo, then-Republican presidential candidate Donald Trump gestures as he arrives to speak to a campaign rally in Raleigh, N.C. Trump says of his voters

Trump inszeniert sich als Jobretter. Bild: Evan Vucci/AP/KEYSTONE

Schon vor seinem Amtsantritt als US-Präsident profiliert sich Donald Trump als grosser Retter bedrohter Arbeitsplätze. An diesem Donnerstag will er sich in Indianapolis für den Erhalt von 1000 Arbeitsplätzen beim Klimaanlagenhersteller Carrier feiern lassen.

Doch die Hintergründe darüber, wie das Unternehmen auf Linie gebracht wurde, sind bislang unbekannt. Ist die vermeintliche Heldentat nur ein Publicity-Stunt?

Immer wieder hatte Trump sich im Wahlkampf an der Carrier Corporation abgearbeitet. Mit der Ankündigung, 1400 Stellen von Indianapolis ins Niedriglohn-Nachbarland Mexiko zu verlagern, war das zum Grosskonzern United Technologies gehörende Unternehmen eine gute Zielscheibe für Trumps Kampagne, die stark auf von Finanzkrise, Globalisierung und Digitalisierung gebeutelte Industriearbeiter setzte.

Am Dienstagabend dann verkündete der «President-elect» bei Twitter die frohe Kunde für «Indiana und die grossartigen Arbeiter des wundervollen Bundesstaates»: Am Donnerstag werde er persönlich vor Ort sein, um eine grosse Ansage zu machen. Die folgte dann allerdings schon unmittelbar im nächsten Tweet: «Wir werden unsere Unternehmen und Jobs in den USA behalten. Danke Carrier».

Donald Trump – sein Leben in Bildern

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Die Firma bestätigte, einen «Deal» mit Trump und seinem Vize Mike Pence, dem noch amtierenden Gouverneur von Indiana, gefunden zu haben. Wie der Kompromiss konkret aussieht, blieb vorerst genauso unklar wie die Frage, was nun aus den restlichen 400 Arbeitsplätzen wird.

«Mehr Details» folgten bald, kündigte Carrier an. Die Einzelheiten werden mit Spannung erwartet, denn ohne grösseres Entgegenkommen dürfte sich das Unternehmen kaum zu dem Schritt bewegt haben.

Kein nachhaltiges Rezept

US-Medien wie CNBC und «New York Times» halten es für wahrscheinlich, dass Trump oder Pence den Publicity-Erfolg mit Steuergeschenken oder anderen Anreizen erkauft haben. Viel mehr als etwas Eigenwerbung vor dem Amtsantritt dürfte sich mit der Methode allerdings nicht gewinnen lassen. Als nachhaltiges Rezept, um auf breiter Front Arbeitsplätze in den USA zu halten, scheint der Ansatz kaum geeignet.

Einige halten ihn sogar für riskant: «Jeder kluge Vorstandschef wird jetzt damit drohen, Arbeitsplätze nach Mexiko zu verlagern, und Gegenleistungen fordern, um zu bleiben», meint der Ökonom Justin Wolfers. Zudem fielen die 1000 Stellen in der Gesamtperspektive kaum ins Gewicht: «Fast zwei Millionen Amerikaner verlieren jeden Monat ihre Jobs», so der Wirtschaftsprofessor der Universität von Michigan.

Seitenhieb aus dem Weissen Haus

Auch im Weissen Haus, wo noch die demokratische Regierung von Barack Obama am Ruder ist, zeigte man sich von Trumps Jobrettungs-Eifer wenig beeindruckt. «Das sind gute Nachrichten, die wir offenkundig begrüssen», sagte Obamas Sprecher Josh Earnest zwar.

Dann allerdings folgte der Seitenhieb: Um die Anzahl von Stellen im Verarbeitenden Gewerbe zu erreichen, die in Obamas Amtszeit entstanden seien, müsse Trump das Kunststück dann doch bitte noch 804 Mal wiederholen. «Das waren 805'000 Arbeitsplätze, die nicht nur geschützt oder gerettet, sondern tatsächlich geschaffen wurden, während Präsident Obama im Amt war», sagte Earnest.

Trump hatte vor kurzem bereits mit der Behauptung irritiert, er habe den Autohersteller Ford davon überzeugt, ein Werk im US-Bundesstaat Kentucky zu belassen und nicht nach Mexiko zu verlagern. Das Problem: Ford hatte einen solchen Schritt nie angekündigt. Es ging lediglich um die am Konzernumsatz gemessen recht unbedeutende Produktion des Geländewagens Lincoln MKC, wie das Unternehmen rasch klarstellte. (sda/dpa)

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