Bundesrat
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Umstrittene Vergangenheit und richtige Herkunft: Die SVP-Bundesratskandidaten im Check

Ein nächster offizieller Termin für die drei Bundesratskandidaten der SVP ist der 1. Dezember: Gut eine Woche vor der Wahl müssen Thomas Aeschi, Norman Gobbi und Guy Parmelin zu den Hearings der anderen Parteien antreten. Die Sonntagszeitungen haben schon mal damit begonnen, die Kandidaten zu durchleuchten.



Thomas Aeschi

Bundesrats-Kandidat Thomas Aeschi von der SVP spricht an einem Point de Presse, am Freitag, 20. November 2015, in Bern. Die Bundesversammlung waehlt am 9. Dezember 2015 den Gesamtbundesrat. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Bild: KEYSTONE

Zwar gab Kandidat Thomas Aeschi am Freitag vor den Medien bekannt, er unterstütze die Kandidaturen seiner Mitstreiter Gobbi und Parmelin. Doch der Zuger SVP-Nationalrat hat gute Aussichten, selber Bundesrat zu werden. Laut «Zentralschweiz und Ostschweiz am Sonntag» gibt allerdings unter anderem bei CVP und FDP zu reden, dass Aeschi weder beim Parlament noch auf seiner eigenen Webseite angegeben hat, dass sein Arbeitgeber bis 2008 zu einem Konzern gehörte, der für das US-Verteidigungsministerium und die NSA tätig ist. Für den Konzern arbeitete unter anderem auch Whistleblower Edward Snowden.

«Thomas Aeschi wird sich im CVP-Hearing kritische Fragen zu seinen beruflichen Verwicklungen stellen müssen», sagt CVP-Präsident Christophe Darbellay. Ähnlich tönt es bei Ignazio Cassis, dem neuen FDP-Fraktionschef. «Ich fand einfach nicht, dass mein Arbeitgeber für die Öffentlichkeit wichtig ist», kontert Aeschi. Seit 2008 arbeite er für «PwC Strategy&», seine eigene Firma «Aeschi & Company GmbH» sei 2010 gegründet worden. Zu seiner Arbeit sagt er: «Im Auftrag von Unternehmen löse ich gemeinsam mit einem Team unter Zeitdruck komplexe Probleme.»

Zu reden gibt im Weiteren die Strafanzeige gegen unbekannt, die der Gemeinderat von Baar ZG erstattet hat. Es geht um einen Fall von Amtsgeheimnisverletzung, durch den die SVP des Kantons Zug Kenntnis von einer Bauanfrage erhielt, die – im Gegensatz zu einem Baugesuch – vertraulich zu behandeln ist. Bei dieser ging es offenbar darum, auf einem Stück Land in Baar Unterkünfte für Asylsuchende zu erstellen. Aeschi ist in dieser Angelegenheit Zeuge, allerdings war er es, der den Inhalt der Bauanfrage mit einem Leserbrief publik gemacht hat.

SRG-Gegner

Aeschi kommt laut «SonntagsBlick» im Parlament zudem unter Druck, weil er die «No Billag»-Initiative aktiv unterstützt, die die SRG abschaffen will. Das sorgt in der Bundesversammlung für Unverständnis. CVP-Nationalrat Martin Candinas sagt: «Für die Minderheiten macht es Aeschi mit seinen Positionen nicht einfacher, ihn zu wählen». Ohne Billag-Gebühren gebe es in der lateinischen Schweiz keine TV- und Radio-Programme.

Die «NZZ am Sonntag» hat sich bezüglich Aeschi in der Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Nationalrates umgehört. Er sei ein Streber, sagt ein Kommissionsmitglied, ihm fehle oft das politische Fingerspitzengefühl. So habe er während der Beratung des Finanzmarktinfrastrukturgesetzes etwa rund 80 Änderungsanträge eingebracht, ohne reelle Chancen, damit durchzukommen. Das habe die Diskussionen unnötig in die Länge gezogen. Ein anderes Mitglied der Kommission sagte laut der Zeitung, Aeschi sei schlicht nervtötend. Geschätzt werden dagegen sein Fleiss und seine Dossierfestigkeit.

Norman Gobbi

ZU DEN VERBLIEBENEN 7 KANDIDATEN DER SVP FUER DIE BUNDESRATSWAHLEN VOM 9. DEZEMBER2015, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Fuer die Bundesratswahlen schlaegt die SVP Tessin nicht einen Mann aus den eigenen Reihen vor, sondern den Lega-Staatsratspraesidenten Norman Gobbi. Dies bestaetigte der Praesident der SVP Tessin, Gabriel Pinoja, gegenueber dem Tessiner Radio RSI am Freitag, 6. November 2015. Norman Gobbi, Staatsrat Kanton Tessin,  kommuniziert den Ablauf und gewisse Details der geplanten Sicherheitsverbundsuebung (SVU) 2014 am Dienstag, 28. Oktober 2014 in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Bild: KEYSTONE

«Für die Eidgenossenschaft wäre auch die Wahl des tüchtigen Staatsratspräsidenten Gobbi aus dem Tessin eine sehr wichtige Wahl»: Das sagte SVP-Stratege Christoph Blocher in der «SonntagsZeitung».

Ignazio Cassis, Fraktionschef der FDP, ist beeindruckt vom Vorgehen der Volkspartei: «Das Ticket ist ein Meisterstück der SVP. Man kann sagen, was man will, aber darin sind sie Profis», sagte er dem «SonntagsBlick». Als Tessiner würde er sich freuen, wenn Gobbi das Rennen macht. Dieser sei vielleicht nicht Favorit. Aber bei Bundesratswahlen könne viel passieren. «Und wer hätte noch am Freitag gedacht, dass Thomas Aeschi der Favorit sein könnte.»

Auch CVP-Fraktionspräsident Filippo Lombardi sagt zum Vorschlag der Volkspartei: «Als Tessiner werde ich Norman Gobbi unterstützen. Es ist Zeit, dass unser Kanton nach 16 Jahren wieder im Bundesrat vertreten ist.» Seine Fraktion werde die Kandidaten am 1. Dezember anhören. «Bis jetzt sehe ich keinen Grund, warum wir nicht einen der drei offiziellen Kandidaten wählen sollten», sagt Lombardi.

Selbst BDP-Wahlkampfleiter Lorenz Hess geht davon aus, dass seine Fraktion einen der drei Kandidaten wählen wird. Zu Gobbi sagt er ironisch: «Das ist ja tatsächlich eine Auswahl. Es stehen sogar Kandidaten aus zwei Parteien zur Verfügung.»

Guy Parmelin

ZU DEN VERBLIEBENEN 7 KANDIDATEN DER SVP FUER DIE BUNDESRATSWAHLEN VOM 9. DEZEMBER2015, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Le conseil national UDC Guy Parmelin presente officiellement la candidature a la candidature au conseiller federal lors d'une conference de presse, ce vendredi 30 octobre 2015 a Montreux. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Bild: KEYSTONE

Als möglicher lachender Dritter wird der Westschweizer Guy Parmelin gehandelt. «Ich spreche Parmelin gute Chancen zu», sagt etwa der Zuger CVP-Nationalrat Gerhard Pfister in der «NZZ am Sonntag». «Er ist von den dreien sicher der Kandidat mit der grössten Distanz zu Christoph Blocher.» Parmelin sei das «kleinste Übel», sagen demnach einige Mitte-Links-Parlamentarier Lager hinter vorgehaltener Hand.

Zudem könnte ein Bundesrat Guy Parmelin der FDP und der SP nützen: Treten ihre welschen Bundesräte Didier Burkhalter und Alain Berset dereinst ab, wären die beiden Parteien in Bezug auf ihre Kandidaten nicht gezwungen, einen welschen Kandidaten als Nachfolger zu stellen. (kad)

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18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • ARoq 03.12.2015 17:45
    Highlight Highlight Bei der No-Billag-Initiative geht es nicht darum die SRG abzuschaffen, sondern darum dass sie sich selber finanziert, wie alle anderen Sender auch.
  • ovatta 22.11.2015 13:15
    Highlight Highlight Für die Deutschschweizer wäre ein durchleuchten des Romands und des Tessiners sinnvoller.
  • atomschlaf 22.11.2015 13:08
    Highlight Highlight Aeschi ist mir zu undurchsichtig und zu nah an Blocher, Parmelin macht mir keinen schlechten Eindruck, aber er ist Bauer und diese Bevölkerungsgruppe hat jetzt schon viel zu viel Einfluss und Macht in Bern.
    Gobbi hat Exekutiverfahrung und soll im Tessiner Staatsrat einen guten Job gemacht haben, was man so hört. Ausserdem hat er verschiedentlich Rückgrat bewiesen - sowohl gegenüber Bern wie gegenüber Rom. Etwas was dem Bundesrat sehr gut tun würde. Nicht zuletzt wäre es wieder Zeit für einen Bundesrat aus dem Tessin.
    Ich hoffe, dass Gobbi gewählt wird.
  • zombie woof 22.11.2015 12:18
    Highlight Highlight Aeschi hat mit seinem undurchsichtigen Hintergrund im Bundesrat nichts verloren! Was frustrierend ist, die Blocherschen Schmierenkomödien werden uns erhalten bleiben, auch wenn der Alte eines Tages abgetreten ist.
    • Triesen 22.11.2015 13:15
      Highlight Highlight Mich erinnert das in fataler Weise an die Geschichte von BR-Kandidat Bruno Zuppiger. Wer nicht transparent ist und eine potenzielle Nähe zur NSA nicht offen legt, wird in der BV hoffentlich auf Gegenwind stossen...
  • klugundweise 22.11.2015 10:30
    Highlight Highlight Schon erstaunlich, dass sich das Parlament nicht wehrt gegen die verfassungswidrigen SVP-Statuten.
    Und wenn das die 3 top shots der SVP sind, na ja.
    Bezeichnend, dass Frau Martullo nach dem Entscheid die ganze Fraktion zum Nachtessen einlud. Und wer gesehen hat, wie sich Papa (als Nichtparlamentarier) und seine Tochter in Szene gesetzt haben, wird verstehen, dass da nicht die Findungskommission oder die die Fraktionsführung entscheiden.
    Henu, fast 30% der Wählenden wollen das so.
    • Oberon 22.11.2015 12:39
      Highlight Highlight Aber wie du es schon beschreibst knapp 30% die an die "Urne" gingen. Leider weit weg von den 30% des gesamten Volkes. Schade das so viele das Geschick und die Zukunft unser Schweiz von Populisten gesteuert werden.
  • Luca Brasi 22.11.2015 10:15
    Highlight Highlight Ein bisschen schwach dieser Kandidatencheck. Das Augenmerk ist praktisch nur auf Aeschi gelegt. Über die anderen beiden erfahren wir nur, dass das Tessin unbedingt einen Bundesrat haben will, egal wen, oder dass einer das kleinere Übel sei. Wieso wird nicht gleich recherchiert wie bei Aeschi? Die anderen haben auch Vergangenheit und arbeiten in Regierung oder Parlament. Warum wird gar nichts darüber geschrieben?
  • The Host 22.11.2015 09:05
    Highlight Highlight Ein Bundesrat mit Verbandlungen zur NSA ist ein absolutes no-go!
  • Gustav.s 22.11.2015 08:39
    Highlight Highlight Ich fand damals das Manöver der anderen Parteien mit Schlumpf nicht gut. Aber diesmal würde ich (fast) alles guteissen was Aeschi verhindert.
    Glaube nicht das eine NSA Firma sich jemals wieder ganz davon löst.
    • Yolo 22.11.2015 10:32
      Highlight Highlight Das mit Ruth Metzler war auch keine Visitenkarte...
  • alingher 22.11.2015 08:26
    Highlight Highlight Vielleicht müsste man das Wahlprozedere für den Bundesrat wirklich nochmals überdenken. BR ist ja nicht nur ein politisches Amt, sondern stellt bzgl. Führungseigenschaften und Intellekt ähnliche Anforderungen, wie an den CEO eines Multis. Dort würden es die drei kaum ins mittlere Kader schaffen. Vermutlich müsste man auf den SVP Vorschlag zurückgreifen und die Volkswahl einführen. Am besten mit sieben Einer-Wahlkreisen, was ein Gremium ohne SVP ergäbe. Es wäre interessant zu sehen, wie sie darauf reagieren, denn es wäre ja ursprünglich ihre Idee gewesen und der Volkswille ginge ja über alles..
  • Der Rückbauer 22.11.2015 08:22
    Highlight Highlight Im Bundesrat brauchen wir keine Frischlinge, keine Karrieristen, keine Parteipolitiker, keine Berater. Wir brauchen "Manne u Froue".
    • Yolo 22.11.2015 10:33
      Highlight Highlight Wobei letzteres arg zu Kurz kommt...
  • Amboss 22.11.2015 07:13
    Highlight Highlight Grösste Distanz zu Christoph Blocher. Mehr braucht man von Parmelin nicht zu wissen?? Und das nennt sich "Kandidaten-Check"....? Naja...

    Ga
  • Peter (1) 22.11.2015 07:05
    Highlight Highlight ich würde der lieber christoph wählen. will sehen, ob er die wahl ablehnt oder von der partei ausgeschlossen wird.
    er ist sowieso zu alt und wird eher nach 4Jahre zurücktreten.

    eins ist sicher....ohne svp wären die bundesratswahlen so langweilig!
    • Triesen 22.11.2015 08:25
      Highlight Highlight Langweilig? Haben wir die Regierung zur Unterhaltung? Mir wäre es lieber, wenn sie funktionieren würde. Für den Rest gibt Es TV, Kino, Theater...
    • René Obi 22.11.2015 12:39
      Highlight Highlight Die Idee ist lustig. Blocher nimmt die Wahl an und wird von seiner Partei ausgeschlossen...

      Ernsthaft. Eigentlich ist keiner der drei wirklich wählbar. Eine Farce der SVP. Eine Demaskierung sondergleichen. Die wollen gar keinen zweiten Bundesrat. Sonst könnten die ja nicht weiter täubelen.

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