Gesellschaft & Politik
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Im Kanton Basel-Stadt stürmen die Frauen ein Jahr nach der Annahme der Quoten-Initiative die Verwaltungsräte.  Bild: shutterstock

Erster Kanton mit Frauenquote

Basel-Stadt: Ein Jahr nach Einführung der Frauenquote ist sie praktisch schon umgesetzt

Exakt ein Jahr ist es her, seit Basel-Stadt als erster Kanton der Schweiz eine Frauenquote für die Verwaltungsräte kantonsnaher Betriebe eingeführt hat. Entgegen den Befürchtungen waren die neuen Verwaltungsrätinnen ratzfatz gefunden. Die 33-Prozent-Quote ist so gut wie umgesetzt. 



«Es ist schwierig, qualifizierte Frauen zu finden», ist das wohl abgenutzteste Argument der Frauenquoten-Gegner. In Basel-Stadt hat dieses aber vor genau einem Jahr nicht mehr gezogen, auch das Referendum der bürgerlichen Jungparteien nicht: Die Basler Stimmberechtigten sagten als erster Kanton der Schweiz mit 57 Prozent Ja zu einer Geschlechter-Quote in staatsnahen Verwaltungsräten. Ein Jahr später zeigt sich: Es ist kein Problem die frei werdenden Posten mit Frauen zu besetzen. 

Obwohl Basel-Stadt noch bis 2017 Zeit hätte, die 33-Prozent-Quote in den Verwaltungsräten durchzusetzen, erfüllen bereits heute viele kantonsnahe Betriebe die Vorgabe – darunter die Universität Basel, die Fachhochschule Nordwestschweiz, alle Basler Spitäler ausser dem Universitätsspital Basel – dort fehlt noch eine Frau –, die Basler Verkehrsbetriebe sowie die Baselland Transport AG, wo Basel-Stadt einen Verwaltungsratssitz besetzen darf.

Verwaltungsräte müssen anders suchen

«Ich bin sehr zuversichtlich und könnte mir gut vorstellen, dass wir die neue Vorgabe schon vor Fristende umsetzen können», sagt Leila Straumann, Leiterin der Abteilung Gleichstellung des Kantons Basel-Stadt, die die Umsetzung des neuen Gesetzes begleitet. Genaue Zahlen ihres ersten offiziellen Monitorings sind allerdings erst in zwei Wochen verfügbar. Schon heute absehbar ist, dass in eher männerdominierten, technischen Branchen und Betrieben – wie beispielsweise dem Abwasserreiniger ProRheno, wo mindestens eine Frau einsitzen müsste und bei den Industriellen Werken Basel, wo noch eine dritte Frau fehlt – noch Handlungsbedarf besteht.

«Wer Frauen sucht, wird auf jeden Fall fündig», ist Straumann aber überzeugt. «Der Regierungsrat und das Parlament müssen nur anders suchen als bisher. Sie müssen beispielsweise in Frauennetzwerken nach Kandidatinnen Ausschau halten oder allenfalls die Verwaltungsratsmandate ausschreiben.» Jetzt wo gezielt Frauen gefragt werden, würden erfolgreich neue Netzwerke angezapft. 

Infoveranstaltung von Frauen überrannt

Auch Mitinitantin der Initiative Birgitte Hollinger ist zufrieden: «Vakanzen in Basler Verwaltungsräten werden seit diesem Jahr konsequent mit Frauen besetzt», stellt sie fest. 

Und das Interesse der Frauen ist gross: Eine von den Zentralen Personaldiensten im Januar durchgeführte Informationsveranstaltung zum Thema «Frauen im Verwaltungsrat – das erwartet Sie» wurde praktisch überrannt: «Wir planten die Workshops für 50 Teilnehmerinnen, stockten dann auf 100 auf und mussten noch etliche Absagen erteilen», sagt Andrea Wiedemann vom Personaldienst Basel-Stadt. 

«Die Infoveranstaltung sollte Grundlagen liefern, damit Frauen sich fit fühlen für die Übernahme eines Verwaltungsrats-Mandat», sagt Straumann vom Gleichstellungs-Büro: «Nachhilfe haben Frauen nicht nötig. Doch Frauen übernehmen Aufgaben, wenn sie sich dafür kompetent fühlen. Da möchten sie für ein VR-Mandat die eine oder andere Lücke schliessen.»

Die Debatte um die Frauenquote dürfte nach dem Erfolgsbeispiel Basel auch in anderen Kantonen nach den Wahlen wieder auf die Agenda kommen. Die Zürcher Kantonsrätin Judith Stofer, die mit ihrem Quotenanliegen letzten Mai im Zürcher Kantonsrat klar abgeblitzt ist, beobachtet die Basler Situation mit Freude: «Der Kanton Zürich ist in dieser Frage immer noch konservativ unterwegs. Auch hier müsste etwas gehen», sagt sie. 

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