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Shai Maestro Quartet @ «Musig im Pflegidach» Muri

bild: Marin Valentin Wolf

Die Musik lebt

«Flow with the Music» (fliess mit der Musik) sagte der Musiker Shai Maestro zu seinem Publikum am Sonntagabend und lud somit die Zuschauerinnen in seine Welt ein. Kaum ein paar Minuten klangen die ersten Töne und der Saal begann zu leben.

Lynn Knecht



«Human»

Aussergewöhnlich ist die Titelwahl des neuen Albums. Ein Titel, der einerseits zu Interpretation verleitet, anderseits jedoch die Richtung klar festlegt. Die Bedeutung von «menschlich» ist naheliegend und wir assoziieren das Wort mit normal und natürlich. Genau das verkörpert das Quartett bei «Musig im Pflegidach». Am 5. September trat Shai Meastro in Muri auf. Zusammen mit dem Schlagzeugspieler Ofri Nehemya, dem Bassisten Jorge Roeder und Trompeter Philip Dizack, bezauberte Maestro das Publikum mit seinem neuen Album «Human».

Hinweis

Die Autorin ist Schülerin an der Kanti Wohlen. Im Rahmen ihres Deutschunterrichts verfassen die Schüler auch Konzertberichte, die in die Note einfliessen.

«Musig im Pflegidach» schrieb auf ihrer Internetseite zu Maestros Musik «Musik ist Teil der menschlichen Erfahrung». Dieses Statement widerspiegelte sich im Auftritt des Quartetts - der Auftritt sprühte vor Leidenschaft und Spontanität. Auf der Bühne war nichts gestellt und die Musik wurde nicht einfach nur «performt». Die Musik wurde gelebt, in Ihrer vollkommenen und natürlichen Weise. Die Musik nahm den Zuschauer an der Hand und führte ihn in die Welt des Klanges ein. Sie lullte die Leute ein und vibrierte durch die Körper. Jeder Ton schien natürlich - «menschlich». Seine Musik erzählte ganz einfach – mit grosser Kunst - Geschichten.

Die Musik entsteht auf der Bühne

Bevor ein Ton erklang, schlossen die Musiker ihre Augen und die Verbindung der Künstler war sofort spürbar. Ihre Aufmerksamkeit lag ganz beieinander und der Fokus driftete kaum von der Musik weg. Vieles passierte spontan und intuitive. Mit einem feinen Nicken gab Maestro das Kommando zum Start und dann schwebten die Spieler mit der Musik davon. Das Quartett spielte oft mit verschiedenen Dynamiken. Plötzlich zogen sie das Tempo rasant an oder verlangsamten es fast bis zum Stillstand. Dasselbe passierte mit der Lautstärke. Nicht nur einmal stiegen sie äusserst leise in ein Musikstück ein und veränderten die Lautstärke oder die Intensität im Verlaufe der Songs. Grösstenteils variierte vor allem die Lautstärke eines einzigen Instruments, dessen Melodie sich von den Begleitstimmen abhob. Welches Instrument jedoch den Lead oder ein Improvisationssolo übernahm, entschied sich auf der Bühne. Auch der Zeitpunkt eines Starts oder eines Schlusses entstand spontan. Die Musiker spielten nach Gefühl und Intuition und nur durch Augenkontakt kommunizierten sie miteinander.

Shai Maestro – «The Queen» @ «Musig im Pflegidach» Muri

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Video: YouTube/Stephan Diethelm

Funktionierte mal etwas nicht, fingen sie einfach wieder von vorne an. Die Stimmung im Saal war dementsprechend sehr gelassen und jeder jubelte, wenn etwas glückte. Ab und zu hörte man sogar einen Freudenschrei der Musiker. Die Freude der Spieler war unübersehbar. Die Hingabe, mit denen sie spielten war unglaublich. Der Pianist Shai Maestro schaute kaum einmal auf sein Piano, und auch der Durst hielt ihn nicht vom Spielen ab – ja, das war schon ein kleiner Stauner, als er plötzlich gleichzeitig trank und die Tasten bewegte. Dieser Song sei beim Soundcheck entstanden, erklärte Shai Maestro seinem Publikum, als er das Lied «The Queen» anstimmte. Kurze Zeit später nahm die verträumte und melancholische Melodie des Liedes den Raum ein und die Leute wurden ganz still. Kaum einer würde glauben, dass dieses Lied drei Stunden zuvor noch nicht existiert hatte. Man könnte auch gut behaupten, dass die musizierten Stücke auf der Bühne kein zweites Mal gleich erklingen werden.

Geschichten erzählen

Das nächste Lied sei über Bären, kündigte Maestro den Zuschauern an. Er habe bei einem Projekt mitgemacht, bei welchem er das Buch «zwei weibliche Bären» in ein Duett verwandelt habe. «Neta» sei der Name des Kindes und so auch der Name des Stückes. Kurz darauf widmeten die Musiker sich dem Song. Ganz sachte und leise erklangen die ersten Töne und bald hörte man die feine hohe Melodiestimme des Pianos heraus. Im Anschluss übernahm der Trompeter die Melodie und verzauberte das Publikum mit den Klängen. Die Melodie war simpel und eingängig und wurde von Musiker zu Musiker weitergegeben. Sie entwickelte sich weiter, jedoch das Motiv blieb gleich. Bis dahin bildete die Musik ein Anfangsbild.

Mit der Zeit veränderte sich die Stimmung und die Spannung stieg an. Zeitgleich zu den langen Tönen des Leadinstrument, zog der Puls der Begleitinstrumente an. Die Noten des Klaviers wurden immer kürzer und schneller und bildeten ein Netz um die Hauptstimme. Währenddessen starke Akkorde einsetzten und von harmonischen zu dissonanten Klängen wichen, spielte der Trompeter Philip Dizack seine Töne in die Höhe. Die vier Musiker bauten einen eindrücklichen Höhepunkt auf, bis sich die Spannung löste und zum Schluss das Stück auf einen Schlag endete. Das Publikum genoss Jazz auf höchstem Niveau und ist Maestros Anforderung vom Anfang des Auftritts definitiv nachgegangen, und «floss mit der Musik mit».

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Shai Maestro @ «Musig im Pflegidach» Muri

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Shai Maestro @ «Musig im Pflegidach» Muri
quelle: marin valentin wolf
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Eine Mischung aus Jazz und Rock

Zum vierzehnten Mal stand «Forq» auf der «Musig im Pflegidach» – Bühne. Das Instrumentalquartett schaffte es auch dieses Mal, dem Publikum die Sprache zu verschlagen, und das ganz ohne Worte. Gitarrist Chris Mcquee. Bassist Kevin Scott, Drummer Jason «JT» Thomas und Keyboarder Henry Hey überzeugten auch dieses Mal mit ihrem dynamischen Sound und ihrer Vorliebe für die Forschung von Klängen.

Vor rund fünfzehn Jahren war «Forq» zum ersten Mal in Muri anzutreffen. Gründer und Keyboarder Henry Hey sieht «Musig im Pflegidach» schon als zweites Zuhause. Nach dem ersten Lied legte er eine kleine Pause ein und spricht zum Publikum. Mit einem warmherzigen Lächeln und einem «It’s great to be back», begrüsste er die Zuschauer. Das waren auch die einzigen, wenigen Worte an diesem Konzert. «Forq» ist dafür bekannt, ohne grossen Worte die Zuschauer umzuhauen.

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