DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
S.H., links, einer der Mitangeklagten im Prozess des Kaufleuten-Messerstechers, verlaesst gemeinsam mit seiner Anwaeltin Tanja Knodel, rechts, das Zuercher Bezirksgericht, am Dienstag, 24. Juni 2014, in Zuerich. Das Bezirksgericht Zuerich befasst sich heute Dienstag mit dem Toetungsdelikt vom Juli 2012 vor dem Club

S.H., links, einer der Mitangeklagten im Prozess des Kaufleuten-Messerstechers. Bild: KEYSTONE

Kaufleuten-Mordprozess

«Es ging dem Täter nicht darum, zu schlichten, sondern zu vernichten»

Im Prozess gegen Shivan M., der vor dem Kaufleuten Club im Jahr 2012 Vigan M. mit elf Messerstichen getötet haben soll, fordern die Ankläger 20 Jahre Freiheitsstrafe für den 23-Jährigen. Der Täter habe egoistisch gehandelt und zeige bis heute keine echte Reue.



Kaufleuten-Mord

Die Anklage gegen den 23-Jährigen Shivan M. wiegt schwer: M. soll im Juli 2012 vor dem Kaufleuten nach einer Auseinandersetzung mit Vigan M. und dessen Bruder an den Bahnhof Tiefenbrunnen gefahren sein. Dort soll er seinen Freund S. H. abgeholt, sich von diesem ein Messer übergeben haben und – zurück beim Kaufleuten Club – Vigan M. angegriffen und mit elf Messerstichen tödlich sowie dessen Bruder Visar M. lebensgefährlich verletzt haben. Nach der Tat chauffierte M. M. die beiden an den Bahnhof zurück, dann flüchtete Shivan M. nach Norwegen. Heute stehen alle drei Beteiligten vor dem Zürcher Bezirksgericht. 

Die Einvernahme der drei Angeklagten im Kaufleuten-Mordprozess brachte heute wenig Klärung in den Fall. Richter Heimann musste sich von den Beschuldigten drei verschiedene Versionen der Tatnacht anhören, seine Frage danach, wer der Lügner im Raum sei, einer müsse es ja schliesslich sein, blieb unbeantwortet. 

Für Staatsanwalt Michael Scherrer hingegen, der am Nachmittag als erster sein Plädoyer vorträgt, ist der Fall klar: «Wir haben hier die Chronik eines angekündigten Mordes.» Bereits die erste Auseinandersetzung vor dem Kaufleuten sei von Shivan M., der schon im Club mit seinem aggressiven Verhalten aufgefallen sei, ausgegangen. 

Gutachten attestiert volle Schuldfähigkeit

Als Shivan M. dann «etwas Prügel» kassiert habe, habe er wegen seines verletzten Macho-Stolzes und seines ramponierten Egos den Racheakt geplant und die Tat schliesslich brutal und skrupellos ausgeführt, sagte Scherrer. Er habe egoistisch und aus nichtigem Anlass gehandelt. Deshalb, und auch weil das Gutachten dem Angeklagte volle Schuldfähigkeit attestiere, sei die Tötung als Mord zu qualifizieren.

Auch bei den angeklagten Mittätern S. H. und M. M. sieht Scherrer nach der Einvernahme keine mildernden Umstände. S. H. sei der Gehilfenschaft zu Mord und der mehrfachen Widerhandlung gegen das Waffengesetz zu fünf Jahren Freiheitsstrafe zu verurteilen – unbedingt. 

H. habe Shivan M. die Tatwaffe zweifellos übergeben. «Hätte Shivan M. bereits ein Messer im Auto gehabt, hätte er seine Tat gleich ausgeführt», sagt der Staatsanwalt. Das wäre auch möglich gewesen, denn «die Sicherheitskräfte mussten sich ja bereits wieder anderen Aufgaben zuwenden», so Scherrer.

Anwalt David Gibor: «Das einzig plausible Motiv: Rache»

Für M. fordert der Staatsanwalt 14 Monate Haft – wegen Begünstigung zu einem Tötungsdelikt. M. sei ein notorischer Lügner. Er wisse genau: Eine Aussage zum Nachteil von H., der ja noch auf freiem Fuss sei, würde dessen Zorn auf ihn und allenfalls Racheakte nach sich ziehen, deshalb belaste er mit seinen Erklärungen über die Tatwaffe Shivan M. Staatsanwalt Scherrer: «Das ist verlogen und heimtückisch.»

Martialischere Worte schwingt der Anwalt des Privatklägers Visar M., David Gibor, in seinem Plädoyer: «Es ging dem Täter nicht darum, zu schlichten, sondern zu vernichten – mit dem einzigen plausiblen Motiv der Rache.» Dass der Beschuldigte nach der ersten Auseinandersetzung zum Kaufleuten zurückgekommen sei, um zu schlichten, sei eine abstruse Schutzbehauptung, und zeige, dass keine echte Reue vorhanden sei. «Diese Erklärung ist hohl und logikfern», so Gibor. «Er kam nicht zurück im Sinne eines Schlichters, sondern eines Schlächters.»

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Kanton Zürich und das Demo-Verbot: Druck auf Mario Fehr und Co. steigt

In Zürich ist wieder ein Streit über Demo-Verbote aufgekommen. Linke werfen dem Kanton Verfassungsbruch vor. Sogar die SVP ärgert sich über Einschränkungen.

Man könnte meinen, es gehe nur um Linkslinke gegen den Rest. Beim Streit zwischen der Stadt Zürich mit seinem Kanton geht es aber mehr: um Grundrechte und die Frage, wer sie wie weit einschränken darf. Und vor allem warum.

Alles nahm seinen Lauf am vergangenen Wochenende.

Wir erinnern uns: In der Stadt Zürich riefen Frauen, intergeschlechtliche, trans, non-binäre und queere Menschen (kurz Flint) zu Kundgebungen auf. Anlass war der bevorstehende 8. März, der als feministischer Kampftag Jahr …

Artikel lesen
Link zum Artikel