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Briten suchen nach Ursache im Fall des erkrankten Ex-Spions



Ein ehemaliger russischer Doppelagent wird in England mit Vergiftungserscheinungen ins Spital eingeliefert. Das weckt Erinnerungen an den Giftmord an dem russischen Ex-Spion Alexander Litwinenko.

Die rätselhafte Erkrankung eines russischen Ex-Spions in Grossbritannien droht das ohnehin angespannte Verhältnis der beiden Länder weiter zu verschlechtern. Die britische Polizei spricht von einem «sehr ungewöhnlichen Fall».

Moskau sieht sich zu Unrecht im Verdacht. Russland sei aber bereit, die Ermittlungen zu unterstützen, sollte es eine offizielle Anfrage aus Grossbritannien geben, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Dienstag in Moskau.

Vater und Tochter

In der südenglischen Stadt Salisbury wurde am Wochenende ein Mann mit Vergiftungserscheinungen aufgefunden, bei dem es sich um den früheren Oberst des russischen Militärgeheimdienstes GRU, Sergej Skripal, handeln soll. Er war in Russland als britischer Spion verurteilt und bei einem Austausch 2010 freigelassen worden.

Mit ihm wurde eine junge Frau vergiftet. Der BBC zufolge soll es sich um seine Tochter Yulia handeln. Beide liegen in «kritischem Zustand» im Krankenhaus. Die Polizei geht davon aus, dass die beiden in Kontakt mit einer «unbekannten Substanz» gekommen sind.

Ein Pizza-Restaurant und ein Pub in Salisbury wurden vorübergehend geschlossen und von der Polizei abgeriegelt. Der Fundort der beiden Verletzten wurde dekontaminiert. Mehrere Mitglieder der Rettungskräfte wurden nach dem Einsatz untersucht, hiess es in einer Mitteilung der Polizei am Dienstag. Alle bis auf einen seien inzwischen wieder aus dem Spital entlassen worden.

Nach derzeitigem Kenntnisstand bestehe aber keine Gefahr für die Öffentlichkeit. Trotzdem nehme man Fälle wie diese «extrem ernst», hiess es in einer Mitteilung.

Sehr ungewöhnlicher Fall

In die Ermittlungen haben sich inzwischen die Spezialkräfte der britischen Polizei eingeschaltet, um herauszufinden, was hinter der mysteriösen Erkrankung steckt.

«Wir sprechen mit Zeugen, wir nehmen kriminaltechnische Proben, wir machen toxikologische Untersuchungen», sagte der Chef der Spezialkräfte, Mark Rowley, dem Radiosender BBC 4 am Dienstag. «Das wird uns helfen, zu einer Antwort zu kommen». Es handle sich um einen «sehr ungewöhnlichen Fall». Noch könne er aber keine Details preisgeben.

Rowley bestätigte, dass es in der Vergangenheit verdächtige Todesfälle mit Russland-Bezug gegeben hat. Er warnte aber vor voreiligen Schlüssen.

«Ich glaube wir müssen uns daran erinnern, dass russische Exilanten nicht unsterblich sind, sie sterben alle und es kann eine Tendenz zu Verschwörungstheorien geben», sagte Rowley. Der Fall des in London vergifteten russischen Ex-Geheimagenten und Kremlgegners Alexander Litwinenko zeige aber, dass Wachsamkeit geboten sei.

Kreml wundert sich nicht

Der Kreml wunderte sich nicht über den Verdacht. «Das hat ja nicht lange auf sich warten lassen», sagte Kremlsprecher Peskow in Moskau. Er könne den Fall nicht kommentieren, fügte er der Agentur Interfax zufolge hinzu.

Litwinenko wurde 2006 in einem Londoner Hotel mit radioaktiv verseuchtem Tee vergiftet. Britische Behörden machen die ehemaligen Agenten Andrej Lugowoj und Dmitri Kowtun für den Anschlag verantwortlich, die jede Schuld von sich weisen.

Sie entzogen sich einem Gerichtsverfahren in Grossbritannien und leben unbehelligt in Russland. Lugowoj machte gar eine politische Karriere als Parlamentsabgeordneter für die rechtsgerichtete Partei LDPR.

Kowtun vermutet hinter dem Fall eine Verschwörung gegen Moskau. «Wenn wirklich jemand Skripal vergiftet haben sollte, dann ist das kein Zufall, sondern natürlich eine Provokation der britischen Geheimdienste», sagte er der russischen Agentur Interfax zufolge. Russland und seine Behörden sollten vor der Präsidentenwahl am 18. März diskreditiert werden. (sda/dpa)

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