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May kündigt nach London-Anschlag neue Härte gegen Islamisten an



Premierministerin Theresa May will den radikalen Islamismus aus der britischen Gesellschaft «ausrotten». Zugleich unterstützte sie am Montag die «Shoot to Kill»-Taktik der Polizei, also gezielte Schüsse mit Tötungsabsicht auf Angreifer.

«Jetzt reicht's», sagte May nach dem Londoner Anschlag vom Samstagabend mit sieben Toten und rund 50 Verletzten. Die Regierungschefin stellte einen Vier-Punkte-Plan vor, der sich mit aller Härte nicht nur gegen Terroristen, sondern gegen den radikalen Islamismus schlechthin richtet. «Wir müssen viel stärker daran arbeiten, ihn zu erkennen und ihn aus dem öffentlichen Dienst und der Gesellschaft auszurotten.»

Mit dem Begriff «öffentlicher Dienst» spricht May vermutlich das Schulwesen an. Es gebe «viel zu viel Toleranz für Extremismus in unserem Land», sagte sie. «Wir werden den Terroristen nicht erlauben, dass sie uns besiegen. Wir werden sie besiegen.» May plant unter anderem eine schärfere Überwachung von Internet und Messenger-Diensten. Auch längere Haftstrafen gehören zum Paket.

«Das ist für Allah»

Drei Männer hatten am Samstagabend im Zentrum Londons Menschen mit einem Lieferwagen und langen Messern attackiert und dabei sieben Passanten getötet und rund 50 weitere teils schwer verletzt. Augenzeugen berichteten, die Angreifer hätten «Das ist für Allah» gerufen.

Die Angreifer, die Sprengstoffattrappen am Körper trugen, wurden von Polizisten erschossen - vom Notruf bis zu ihrer Tötung vergingen nur acht Minuten.

Polizei kennt Namen der Attentäter

Die Londoner Polizei hat die drei toten Attentäter identifiziert. Die Namen würden veröffentlicht, «sobald es die Ermittlungen erlauben», teilte die Polizei am Montag mit. Jetzt gehe es darum, herauszufinden, ob die Männer weitere Helfer bei der Planung des Anschlags gehabt hätten, sagte Polizeichefin Cressida Dick.

Bereits wenige Stunden nach dem Anschlag gab es im Osten Londons zwölf Festnahmen, darunter waren mehrere Frauen. Weitere Verdächtige wurden am Montag inhaftiert.

«Wir werden diese Feiglinge nie gewinnen lassen, und wir werden uns nie vom Terrorismus einschüchtern lassen», sagte Londons Bürgermeister Sadiq Khan mit Blick auf die Attentäter.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte am späten Sonntagabend den Anschlag für sich. Ein Gedenkkonzert mit 50'000 Besuchern setzte im nordenglischen Manchester zeitgleich ein Zeichen gegen Terror.

Dritter Anschlag in drei Monaten

Es war das dritte Attentat binnen drei Monaten in Grossbritannien und das zweite in London - alle drei hat der IS für sich in Anspruch genommen: In Manchester hatte im Mai ein Selbstmordattentäter nach einem Auftritt der US-Sängerin Ariana Grande 22 Menschen getötet.

Ende März war ein Mann auf der Westminster-Brücke in London mit hohem Tempo in Fussgänger gefahren. Anschliessend tötete er mit einem Messer einen unbewaffneten Polizisten. Sechs Menschen starben.

Der Wahlkampf für die Parlamentswahl in Grossbritannien wurde am Montag nach einem Tag Unterbrechung wieder aufgenommen. Die Wahl soll nach Mays Worten wie geplant am Donnerstag stattfinden.

Solidaritätsbekundungen

Aus aller Welt kamen Solidaritätsbekundungen. «Wir sind heute über alle Grenzen hinweg im Entsetzen und der Trauer vereint, aber genauso in der Entschiedenheit», erklärte die deutsche Kanzlerin Angela Merkel. Im Gedenken an die Anschlagsopfer wurde das Brandenburger Tor in Berlin am Sonntagabend in den britischen Nationalfarben angestrahlt. Am Pariser Eiffelturm wurde die Beleuchtung in der Nacht ausgeschaltet.

Der französische Präsident Emmanuel Macron erklärte, Frankreich stehe «mehr denn je an der Seite des Vereinigten Königreichs». Russlands Präsident Wladimir Putin verurteilte «die Grausamkeit und den Zynismus» der Attentäter.

US-Präsident Donald Trump sagte Grossbritannien «unerschütterliche Unterstützung» zu. Zugleich betonte er seine Entschlossenheit, die USA mit allen nötigen Mitteln vor terroristischen Attacken zu schützen.

Die Schweizer Bundespräsidentin Doris Leuthard äusserte sich bestürzt über den Anschlag. In einem Tweet verurteilte sie die Tat «aufs Schärfste». Aussenminister Didier Burkhalter versicherte seinem britischen Amtskollegen Boris Johnson die Solidarität der Schweiz.

Facebook versicherte, das weltgrösste Online-Netzwerk wolle eine «feindselige Umgebung» für Terroristen sein. «Mit einer Mischung aus Technologie und Aufsicht durch Menschen arbeiten wir aggressiv daran, terroristische Inhalte von unserer Plattform zu entfernen, sobald wir von ihnen erfahren», sagte Facebooks Politik-Chef Simon Milner. (sda/dpa/afp)

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