Brexit: S&P entzieht Grossbritannien nach Brexit-Votum die Bestnote
Die Ratingagentur S&P hat Grossbritannien nach dem Brexit-Referendum die Bestnote entzogen. Die langfristigen Verbindlichkeiten würden zwei Stufen tiefer mit «AA» bewertet statt wie bislang mit «AAA», teilten die amerikanischen Bonitätswächter am Montag mit.
Der Schritt spiegele das Risiko einer massiven Verschlechterung der externen Finanzierungsbedingungen wider. Eine mögliche Abspaltung Schottlands und Nordirlands stellten weitere Herausforderungen für das Land dar.
Ein Brexit könnte auch zu einer Abwanderung von Banken führen, warnte die Agentur. Zudem könnte das Pfund Sterling als globale Reservewährung an Bedeutung verlieren.
Die anstehenden Verhandlungen um einen Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union seien «mit einem hohen Mass an Unsicherheit» darüber verbunden, wie der Brexit letztlich ausgestaltet werde, so die Ratingagentur weiter. Die Verhandlungen über die künftigen Beziehungen könnten sich weit über die zwei Jahre hinaus hinziehen, die für den eigentlichen EU-Austritt veranschlagt würden.
Darüber hinaus seien Auswirkungen auf die britische Wirtschaft und die Staatsfinanzen zu erwarten. Der Ausblick sei negativ. Damit droht Grossbritannien eine weitere Herabstufung.
Moody's mit negativem Ausblick
Es ist das erste Mal, das S&P die Topbewertung eines Landes gleich um zwei Noten senkte. Ein niedrigeres Rating kann höhere Kosten bei der Schuldenaufnahme zur Folge haben.
Bislang ist S&P die einzige der führenden Ratingagenturen, die Grossbritannien in Reaktion auf das Brexit-Votum herabgestuft hat. Moody's hatte den Ausblick für die Bonitätsbewertung allerdings schon am Freitag von «stabil» auf «negativ» gesenkt. Das Rating liess Moody's indes zunächst unverändert bei «AA1», also eine Stufe unter der Top-Note.
Die Briten hatten am Donnerstag überraschend für den Austritt aus der Europäischen Union gestimmt. Finanzminister George Osborne sagte am Montag, die britische Wirtschaft sei stark und die Regierung auf alle Eventualitäten vorbereitet.
Die Unsicherheit über die politischen Weichenstellungen in der zweitgrössten Volkswirtschaft Europas lastete erneut schwer auf den Börsen. Der britische «Footsie» verlor zum Wochenauftakt 2.6 Prozent. Investoren warfen vor allem Bankaktien aus ihren Depots. Royal Bank of Scotland (RBS) und Barclays brachen 15 und 17 Prozent ein. Das Pfund Sterling stürzte auf ein neues 31-Jahres-Tief von 1.3152 Dollar. (sda/reu/dpa)
