Das sind die sonderbarsten Erfindungen der Schweiz 2025
Ricola, der Reissverschluss, die WC-Ente: Die Schweiz hat sie hervorgebracht. Der Mythos vom Tüftlerland ist kein Zufall, denn nirgendwo sonst findet sich so viel Erfindergeist auf so engem Raum. Gemessen an den Patentanmeldungen pro Kopf liegt die Schweiz weltweit auf Platz eins.
2025 gingen beim eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum abermals Tausende Neuanmeldungen ein, die meisten kamen aus der Medizintechnik. Doch jenseits der grossen Technologiefelder entstehen auch Erfindungen, die eine ganz andere Qualität besitzen: Solche, die unterschätzte Alltagsprobleme auf kreative Weise lösen.
Hygienischer Fondue-Plausch
Finden Sie es ein wenig «grüselig», mit dem Brötchen an der Gabel in denselben Fonduetopf einzutauchen wie fünf andere? Dann geht es Ihnen wie dem Freund von Jonny Billeter: Seit der Corona-Pandemie meidet er das kollektive Eintunken. Der aus Mönchaltorf stammende Billeter beobachtete noch zwei weitere Situationen, die das gemeinsame Fondue zu einer Herausforderung machen: Seine Tochter Soraya, die wegen Zöliakie nicht mehr aus demselben Topf essen konnte. Und ein Mitarbeiter, der auf einem veganen Solo-Fondue bestand.
«Also dachte ich: Warum gibt es kein Caquelon mit vier Abteilen, in dem jede und jeder machen kann, was er möchte?» So entwickelte er ein mehrteiliges Caquelon, ein Haupttopf mit festen Trennwänden, die den Inhalt in Segmente teilen. Käse, Schokolade oder Brühe lassen sich darin separat erhitzen.
«Snus» gegen die laufende Nase
Kaum tritt man im Winter vor die Tür, beginnt die Nase zu tropfen. Das ist nicht nur mühsam, sondern in der Gesellschaft oft auch peinlich. Mücahit Yildirim aus Volketswil kann davon berichten. Beim Wintersport, sagt er, hätten ihn «Nasenlaufen und gelegentliches Nasenbluten immer wieder gestört». Die üblichen Ratschläge – hinsetzen, abwarten, kühlen – empfand er als wenig praktisch, weil er dafür seine Aktivität hätte unterbrechen müssen.
Also entwickelte er «NasyDRY», ein kleines, diskret unter die Oberlippe geschobenes Kissen, das dort leichten Druck ausübt. In Form erinnert das Produkt an Snus, die kleinen Tabakbeutel. Aber: NasyDRY enthält keine Wirkstoffe, wie Yildirim betont.
Der mechanische Reiz unter der Oberlippe soll genügen, um den Blutfluss im Bereich der Nasenschleimhäute verringern – und damit sowohl Nasenbluten stoppen als auch die klassische Winterlaufnase eindämmen. In Yildirims Patentschrift kann man die physiologische Grundlage dieser Erfindung nachlesen: eine Überaktivierung der seromukösen Drüsen und eine gesteigerte Gefässdurchlässigkeit, die zu einer übermässigen Sekretproduktion führt.
Seit diesem Monat ist das Produkt laut Yildirim als Medizinprodukt in der Schweiz zugelassen. Sportlich aktive Anwenderinnen und Apotheker hätten es, so Yildirim, als praxistauglich beurteilt.
Ein Tiramisu mit Crunch
Allein die Beschreibung dieses Tiramisus lässt einem das Wasser im Mund zusammenlaufen: Taucht man den Dessertlöffel in die Süssspeise, steigt zunächst der Duft von weissem Trüffel auf, gefolgt von der herben Tiefe des Kakaos. Dann die weiche Creme, getragen vom vertrauten Aroma der klassischen Mascarpone. Zum Schluss das Crumble, das mit markanten Kaffeenoten Knusprigkeit und Struktur ins Dessert bringt. So schildert Isabella Visconti aus Basel ihr Tiramisu, für dessen Kreation sie viele Stunden in der Küche getüftelt hat.
Tiramisu, diese italienische Erfolgsgeschichte, existiert in zahlreichen Variationen. Allen gemeinsam ist die Basis aus Löffelbiskuits, die in Kaffee getränkt werden. Der bekannte Preis dafür: Die Biskuits verlieren ihre Knusprigkeit. Visconti setzt genau hier an. Ihr Rezept bewahrt die Textur der Biskuits, während der typische Tiramisu-Geschmack nicht nur erhalten, sondern unter anderem mit den weissen Trüffel gezielt erweitert wird.
Leuchtender Baby-Schoppen
Eltern kleiner Kinder kennen die Situation: Das Baby meldet sich nachts, weil es Durst hat und seinen Schoppen sucht. So ging es auch Felix Eberle aus Aesch immer wieder. «Levi war alt genug, um selbst nach der Flasche zu greifen – aber er konnte sie im Dunkeln nicht finden», erzählt der damals alleinerziehende Vater.
Die Lösung kam aus der Erschöpfung der Nacht: ein Leuchtring, der sich um den Verschluss der Babyflasche clippen lässt und sie im Dunkeln sichtbar macht. Einfach, ohne Strom, ohne Kabel. Eberle taufte die Erfindung auf den Namen seines ältesten Sohnes: Leviloop. Die Idee habe von Beginn an funktioniert, versichert Eberle. Er sei bis heute bei all seinen Kindern im Einsatz.
Gefertigt ist Leviloop aus einem Material mit phosphoreszierenden Pigmenten, die Licht aufnehmen und es über Stunden wieder abgeben. Der Ring lädt sich tagsüber oder unter einer Lampe auf und glimmt bis zu acht Stunden.
In der Luft schwebender Volleyball
Markus Koller kennt das Problem aus nächster Nähe. Er spielte selbst lange Volleyball, heute steht seine Tochter auf dem Feld. Angriffsschläge zu üben, weiss er, ist aufwendig: Bislang müssen die Bälle von Mitspielern zugespielt werden, mal präzise, mal weniger.
Genau hier setzt Kollers Erfindung an: ein Volleyball, der auf Höhe des Netzes quasi in der Luft schwebt. So können Spielerinnen und Spieler den technisch anspruchsvollen Ablauf aus Anlaufen, Abspringen und Schlagen gezielt trainieren. «Timing, Schritte, Sprung – alles muss stimmen», sagt Koller.
Die Idee kam ihm während der Corona-Pandemie. Damals, erzählt er lachend, habe man ja Zeit für solche Gedanken gehabt. Der erste Prototyp bestand aus einem Staubsaugermotor und einer Teleskopstange: Der Ball wird von der Saugkraft gehalten, bleibt stabil in der Luft und löst sich erst beim Schmetterschlag. Koller testete das Gerät mit seiner Tochter im Garten. «Das hat sehr gut funktioniert», sagt er.
Später arbeitete er mit einem Unternehmen zusammen, das mehrere Exemplare des Prototyps im 3D-Druck herstellte. Die Rückmeldungen aus verschiedenen Volleyballclubs seien eindeutig gewesen, vor allem aus dem Nachwuchsbereich: Das Gefühl für das richtige Timing am Netz stelle sich schneller ein, weil sich die Bewegungsabläufe präziser und wiederholbarer trainieren lassen. (aargauerzeitung.ch)
