Diese 5 Gemeinden verschwinden heute für immer
Im Jahr 1860 zählte die Schweiz 3206 Gemeinden. Seither ging die Anzahl ständig zurück, bis 1994 existierten aber noch immer über 3000 Gemeinden.
In den letzten knapp 30 Jahren wurde aber wie wild eingemeindet und fusioniert. So stehen wir per 1. Januar 2026 bei einem (vorläufigen) Tiefpunkt von 2110 Gemeinden.
Entwicklung der Gemeinden
Per 1. Januar 2026 verschwinden gegenüber dem Vorjahr wieder fünf Gemeinden. Das sind die neusten «Opfer»:
Diese Gemeinden verschwinden per 1. Januar 2026
Fétigny-Ménières FR
Wir beginnen mit der einzigen Fusion, die danach eine neue Gemeinde entstehen lässt. Fétigny und Ménières schliessen sich zu – wer hätte das gedacht – Fétigny-Ménières zusammen.
Die beiden Gemeinden im Distrikt Broye zählen 1284 (Fétigny) und 445 (Ménières) Einwohnerinnen und Einwohner. Fétigny legte seit 2000 massiv an Einwohnern zu: Von knapp 600 verdoppelten sich die Bewohner in den letzten 25 Jahren. Die neue Gemeinde wird also rund 1700 Einwohner zählen. Der Fusion stimmten am Anfang Februar 2025 über 70 Prozent der Einwohnenden zu.
Die Gemeinde erhält auch ein neues Wappen. Dieses besteht aus je zwei Elementen der beiden ursprünglichen Gemeinden.
Gurmels FR
Ebenfalls im Kanton Fribourg, aber im deutschsprachigen Teil, legen sich Gurmels und Ulmiz zusammen. Allerdings schliesst sich hier Ulmiz dem deutlich grösseren Gurmels (rund 4700 Einwohner) an. Das Gemeindewappen und der -name bleiben diejenigen von Gurmels.
Die knapp über 400 Einwohner von Ulmiz stimmten der Fusion im Februar 2025 mit nur 55,5 Prozent der Stimmen (145 Stimmberechtigte) zu. Die Verantwortlichen hatten sich ein deutlicheres Ja erhofft. Immerhin: Der Kanton brachte ein «Hochzeitsgeschenk» von knapp einer Million Franken.
Kriegstetten SO
Unter dem Arbeitstitel «HOeK» fusionieren in Solothurn die Gemeinden Halten, Oekingen und Kriegstetten. Die neue Gemeinde wird Kriegstetten heissen.
In Kriegstetten (1446 Einwohner) waren 91,5 Prozent für die Fusion, in Halten (841 Einwohner) 82,6 Prozent und in Oekingen (374 Einwohner) 72,5 Prozent. Die Vorteile überwiegen klar: Die neue Gemeinde kann effizienter arbeiten, sie wird das Milizsystem stärken und zukunftssichere Strukturen für kommende Generationen schaffen. Zudem ist mit dem vorgesehenen einheitlichen Steuerfuss von 119 Prozent sichergestellt, dass keine Gemeinde benachteiligt wird.
Die Gemeinde erhält ein neues Wappen. Ein Projektrat und die Bevölkerung lieferte dafür rund 70 verschiedene Vorschläge. Wichtig sei dabei, dass es «einen klaren Bezug zur Geschichte aller drei Gemeinden» gibt. Das emotionale Thema wurde dann an der Gemeindeversammlung am 4. Dezember 2025 behandelt und aus den letzten drei Vorschlägen entschieden:
Brugg AG
Im Aargau verschwindet mit Villnachern eine weitere Gemeinde von der Landkarte. Sie schliesst sich Brugg an. Schon 2016 fanden erste Gespräche statt, 2022 wurde entschieden, die Fusion voranzutreiben. Im Juni 2024 sagte die Einwohnergemeinde Villnachern mit 275 zu 91 Stimmen Ja zum Zusammenschluss.
Die 1705 Einwohner von Villnachern übernehmen neu das Wappen von Brugg, das mit über 13'000 Einwohnern deutlich grösser ist und schon 2020 Schinznach-Bad schluckte.
Bern verliert Moutier
Der Kanton Bern verliert in diesem Jahr auch eine Gemeinde: Moutier. Die grösste Stadt im Berner Jura schliesst sich per 1. Januar 2026 dem Kanton Jura an. 2021 stimmte die Bevölkerung dem Kantonswechsel zu. Moutier wird dabei einen eigenen Bezirk bilden. Die Wiedervereinigung des Juras und des gesamten Berner Juras scheiterte 2013 an der Urne.
Auch 2027 verschwinden Gemeinden
Das Gemeindesterben wird auch in den kommenden Jahren weitergehen. Für 2027 sind diverse Fusionen bereits beschlossen. Diese werden insbesondere in der Waadt stattfinden.
Zudem ist die Fusion von Pfäffikon ZH und Wildberg ZH beantragt und verschiedene Zusammenlegungen in den Kantonen Luzern, Aargau, Tessin, Wallis oder Jura befinden sich in Abklärung.
- Finanzielle Gründe: Durch Synergien können Kosten gespart werden.
- Politische Rahmenbedingungen: Der Bund mit seiner Regionalpolitik und Kantone mit gezielter Förderung sorgten ab dem Jahr 2000 für mehr Fusionen.
- Strategische Vorteile: Die Verwaltungen können effizienter arbeiten und bessere Dienstleistungen anbieten.
- Steigende Anforderungen: Gemeinden benötigen immer auch Gemeinderäte. Diese zu finden, wird immer schwieriger. Zudem werden die Aufgaben immer komplexer.
Dieser Kanton verlor am meisten Gemeinden
Nicht weiter fusioniert wird im Kanton Glarus. Nachdem der Gemeindebestand dort während Jahrzehnten bei fast 30 stand, wurden am 1. Januar 2011 aus den 25 Gemeinden noch deren 3.
Eine grössere prozentuale Abnahme von Gemeinden gab es sonst in keinem der Kantone. Nur sieben Kantone weisen noch die gleiche Anzahl Gemeinden aus wie 1960. Bei Basel-Landschaft kam es gar zu einem Zuwachs: Der Bezirk Laufen wechselte 1994 vom Kanton Bern nach Basel-Landschaft.
Und ja: Appenzell Innerrhoden hat keine Gemeinden, sondern Bezirke. Wir haben diese hier einfachheitshalber mit Gemeinden gleichgesetzt.
So viele Gemeinden zählt jeder Kanton (noch)
Blicken wir zum Schluss noch auf die aktuelle Anzahl Gemeinden. Am 1. Januar 2026 zählt die Schweiz noch deren 2010. Alleine die Kantone Bern, Waadt, Aargau und Zürich kommen zusammen fast auf die Hälfte aller Schweizer Gemeinden.
