Eine «Nacht wie aus einem Horrorfilm»: Zwei Französinnen, die fliehen konnten, erzählen
Hunderte Menschen drängen sich an diesem 1. Januar in der stickigen Wärme der Bar Le Constellation. Die Plätze in der Bar-Lounge und Diskothek im Herzen des Ferienorts Crans-Montana sind begehrt. Draussen treten Feiernde in der Kälte ungeduldig von einem Fuss auf den anderen und warten auf Einlass. Mitternacht ist bereits vorbei. Die Stimmung ist herzlich und ausgelassen. Der Champagner fliesst in Strömen.
Bar Le Constellation, Crans-Montana VS
Unter den Gästen ist Victoria, eine junge Französin. Sie beschreibt gegenüber dem Sender BFMTV «eine funkelnde Kerze, die in eine Champagnerflasche gesteckt ist», die einen Geysir aus Funken auslöst, wie man ihn in den meisten Nachtclubs findet. Ihrem Bericht zufolge soll sich eine Kellnerin, die auf den Schultern einer anderen sass, mit der Flasche der Holzdecke genähert haben. Zu nah.
In einer Sekunde, «im Bruchteil eines Augenblicks», habe sich alles entzündet, so ihre Aussage.
Es ist ungefähr 1.30 Uhr morgens, als gemeldet wird, dass dichter schwarzer Rauch aus dem Lokal austritt, und die Notrufzentrale der Walliser Kantonspolizei alarmiert wird.
Währenddessen breiten sich die Flammen mit rasender Geschwindigkeit in der Diskothek aus, die sich teilweise im Untergeschoss befindet. Flankiert von ihren Freundinnen gelingt es Victoria, unverletzt aus der Bar zu kommen und die Türsteher draussen zu warnen. Diese eilen ins Untergeschoss. Es ist zu spät. «In wenigen Dutzend Sekunden stand die ganze Diskothek in Flammen», berichten Victoria und Albane im französischen Sender.
Im «Autopilot-Modus» greifen die beiden Freundinnen nach ihren Handtaschen und Mänteln und stürzen Richtung Ausgang. Eine der beiden stürzt auf der Treppe, steht aber wieder auf. Die Räume sind eng, der Boden klebrig und vom Alkohol schmierig.
«Es war wie ein Horrorfilm», schildert Adrien, ein Franzose, gegenüber BFMTV. Als der junge Mann wenige Minuten vor dem Brand das Le Constellation betreten wollte, hörte er, dass die Eintrittspreise in die Höhe geschossen seien. Er liess die Idee fallen.
Da sieht Adrien Menschenmengen aus dem Lokal stürzen, im allgemeinen Durcheinander, zwischen Schreien und Rauch. Drinnen habe es «wirklich eine schreckliche Massenbewegung gegeben», beschreiben auch Victoria und Albane. Der Raum ist eng, die Gäste drängen sich in Panik nach draussen. «Jemand hat eine Scheibe eingeschlagen, damit die Leute hinauskommen konnten.»
Feuerwehren aus der ganzen Region werden aufgeboten. Priorität hatte die Versorgung der Verletzten, die anschliessend in die Spitäler von Sitten, Lausanne, Genf, Bern und Zürich gebracht wurden.
Gemäss einer vorläufigen Bilanz der Behörden hat das Drama über hundert Verletzte und «Dutzende Tote» gefordert. Mindestens zwei Französinnen und Franzosen befinden sich unter den Verletzten, wie das Aussenministerium in einer Mitteilung bekanntgab. Zur Mittagszeit war eine abschliessende Bestätigung noch nicht möglich.
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