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Agrarchemie: Syngenta geht für 43 Milliarden Dollar in chinesische Hände



Syngenta und Chemchina sind sich handelseinig. Der chinesische Chemiegigant will den Basler Agrarchemiekonzern für 43 Milliarden Dollar kaufen. Es wäre die grösste chinesische Übernahme im Ausland. Die Syngenta-Aktie legte kräftig zu.

Der Verwaltungsrat von Syngenta empfiehlt den Aktionären einstimmig, das Angebot anzunehmen, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Die Chinesen offerieren insgesamt einen Preis von 470 Dollar respektive 480 Franken pro je Aktie. Dieser Preis setzt sich zusammen aus 465 Dollar je Aktie und einer Sonderdividende von 5 Franken plus der ordentliche Syngenta-Dividende für 2015 von 11 Franken.

Das Übernahmeangebot in der Schweiz und in den USA werde in den kommenden Wochen veröffentlicht. Die Syngenta-Aktie vollführte Freudensprünge. Der Titel legte bis 09.30 Uhr um rund 6 Prozent auf 415.90 Franken zu. Der Gesamtmarkt (SMI) lag derweil mit 8186.08 Punkten um 0.13 Prozent im Minus.

Die Transaktion soll bis Ende des Jahres abgeschlossen werden. Der Deal muss allerdings noch von den Wettbewerbsbehörden in der EU und den USA abgesegnet werden. Eine Kernfrage ist, ob das amerikanische Komitee für ausländische Investitionen in den USA (CFIUS) zustimmen muss.

Das Aufsichtsgremium, das Übernahmen auch unter dem Gesichtspunkt der nationalen Sicherheit prüft, gilt als nicht besonders chinafreundlich. Syngenta macht schätzungsweise ein Viertel seines Umsatzes in den USA, wo es der grösste Pestizidverkäufer ist.

China auf Expansionskurs

Gelingt die Transaktion, wäre dies die bisher grösste chinesische Übernahme im Ausland. Die staatliche China National Chemical Corporation, kurz ChemChina, würde zu einem wichtigen Mitspieler in der weltweiten Agrochemie-Branche für Insektenvernichtungsmittel und auch genetisch verändertes Saatgut machen.

Der Kauf ist auch ein wichtiger Schritt in der Strategie Chinas, die Entwicklung seiner Landwirtschaft durch moderne Methoden wie Biotechnologie und eine Konsolidierung der Branche voranzubringen.

Vor knapp einem Jahr hatte ChemChina die traditionsreiche italienische Reifenfirma Pirelli für mehr als sieben Milliarden Euro gekauft. Im Januar übernahm das chinesische Staatsunternehmen mit 140'000 Mitarbeitern den deutschen Spezialmaschinenbauer KraussMaffei für 925 Millionen.

Bekenntnis zum Standort Basel

Der neue Hauptaktionär ermögliche Syngenta die Fortführung der Strategie, heisst es in der Mitteilung des Basler Konzerns. "Die Transaktion minimiere die Risiken hinsichtlich der Betriebsabläufe und ermögliche weiteres Wachstum, speziell in China und weiteren Schwellenländern, sowie langfristige Investitionen in Innovation, wird Verwaltungsratspräsident Michel Demaré in der Mitteilung zitiert.

Syngenta bleibt demnach ein weltweit tätiges Unternehmen mit Hauptsitz in der Schweiz. Das derzeitige Management von Syngenta wird das Unternehmen weiterhin leiten. Nach Abschluss der Übernahme wird Ren Jianxin, Verwaltungsratspräsident von ChemChina, dem zehnköpfigen Verwaltungsrat vorstehen. Vier der aktuellen Verwaltungsräte werden dem Aufsichtsgremium weiterhin angehören.

Übernahmegerüchte um den Basler Konzern rankten sich bereits seit einiger Zeit. Im vergangenen Sommer hatte Rivale Monsanto bereits versucht, Syngenta zu übernehmen. Doch das Management hatte die Monsanto-Offerte von 449 Franken je Syngenta-Aktie strikt abgelehnt. Angesichts des hartnäckigen Widerstands der Schweizer hatte sich die US-Konkurrentin im August 2015 schliesslich wieder zurückgezogen.

Umsatz- und Gewinnrückgang

Die Zahlen zum Geschäftsjahr 2015 traten derweil in den Hintergrund. Zu schaffen machten Syngenta im vergangenen Jahr die Agrarkrise in Schwellenländern wie Brasilien sowie Wechselkursschwankungen.

Wegen des starken US-Dollars verringerte sich der Umsatz um 11 Prozent auf 1.8 Milliarden Dollar. Zu konstanten Wechselkursen stieg der Umsatz um 1 Prozent, bei einem Rückgang der Absatzmengen um 2 Prozent und Preiserhöhungen um 3 Prozent.

Angesichts der schwierigen Umständen habe sich Syngenta gut behauptet, schreibt der Konzern in einem Communiqué. Das Unternehmen habe früh den aktuellen Abschwung der Märkte antizipiert und bereits im Februar 2014 ein Sparmassnahmenpaket lanciert.

Der Betriebsgewinn sank um 13 Prozent auf 1.84 Milliarden Dollar. Unter dem Strich resultierte ein Reingewinn von 1.34 Milliarden Dollar, im Vergleich zu 1.62 Milliarden Dollar im Vorjahr. Die Dividende soll sich wie im Vorjahr auf 11 Franken pro Aktie belaufen.

Der im September angekündigte Verkauf der globalen Gemüsesaatgut-Sparte wird abgesagt, ebenso der in diesem Zusammenhang angekündigte Aktienrückkauf. (sda)

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