Teure Büros bleiben leer – Angestellte beim Bund arbeiten lieber im Homeoffice
In der Corona-Zeit erlebte Homeoffice einen regelrechten Boom. Viele Firmen liessen ihre Angestellten auch nach der Pandemie noch remote arbeiten. Bei manchen hat der Wind jedoch mittlerweile gedreht, die Mitarbeitenden werden zurück ins Büro gerufen. Klappen tut das aber nicht überall gleich gut. Und das hat Folgen.
Auch beim Bund wird flexibles Arbeiten gefördert. Eine Personalumfrage vom Januar zeigte, dass 66 Prozent dies regelmässig tun, berichtet die NZZ am Sonntag. Dass dies möglich ist, hat auch Gründe. Der Bund wolle so für Fachkräfte attraktiv wirken.
Der Betrieb kostet, auch wenn keiner da ist
Doch das Arbeiten im Homeoffice hat Folgen: «Aufgrund von flexiblem und hybridem Arbeiten sind heute viele Arbeitsplätze in den Bürogebäuden nur teilweise besetzt», zitiert die Zeitung aus einem internen Verwaltungsdokument.
Das gilt für 2700 Immobilien, die den 44'000 Angestellten zur Verfügung stehen. Der Betrieb kostet, laut «NZZaS» mehrere tausend Franken pro Vollzeitmitarbeiter in einem Jahr. Hinzu kommen bauliche Investitionen pro Arbeitsplatz für durchschnittlich knapp 130'000 Franken.
Zahlen und Massstäbe fehlen
Zwar wurden in den vergangenen Jahren fixe Arbeitsplätze durch Desk-Sharing ersetzt, doch die frei gewordene Fläche wurde in Sitzungszimmer, Kreativzonen oder Begegnungszonen umgestaltet, statt sie extern weiterzuvermieten.
Wie viele Büros tatsächlich regelmässig benutzt werden, ist nicht mit Zahlen zu belegen. Deshalb will die stellvertretende Direktorin der Eidgenössischen Finanzkontrolle, Brigitte Christ, nun eine «realitätsnahe Bedarfsplanung». Das Problem: Je nach Departement und Amt unterscheide sich das Vorgehen bezüglich genutzter Flächen, sagt sie zur Zeitung.
Da ändert auch die Zukunftsstrategie des Bundes wenig. Sie sieht vor, bis 2036 die Arbeitsplätze weiter auf grosse Standorte zu konzentrieren, etwa in Genf, im Tessin oder in Zürich. «Problematisch ist, dass konkrete, messbare Zielgrössen und Kennzahlen sowie teilweise Ausgangswerte fehlen», sagt Christ.
Verwaltungskontrolle prüft Homeoffice-Umgang
Das zuständige Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) erklärt, dass der Flächenverbrauch pro Vollzeitstelle bis 2036 um 17 Prozent reduziert werden soll. Das soll durch effizientere Flächen bei Sanierungen und Neubauten oder das Aufgeben von ineffizienten Mietobjekten erfolgen.
Möglicherweise muss es allerdings bald nochmals über die Bücher. Wie die «NZZ am Sonntag» schreibt, werden die Vorgaben für Telearbeit auf ihre Zweckmässigkeit und der Umgang des Bundes mit den Folgen für die Gebäudenutzung derzeit von der Verwaltungskontrolle des Parlaments untersucht. (vro)
