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Vera Çelik: Türkische Gratulationen belasten Zürcher SP-Politikerin

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Vera Çelik wurde in den Gemeinderat der Stadt Zürich gewählt.Bild: watson

Erdogan-nahe Medien feiern Zürcher SP-Politikerin – sie distanziert sich

15.03.2026, 11:3316.03.2026, 09:01

Sie wird bald als erste Frau mit Kopftuch im Gemeinderat der Stadt Zürich Einsitz nehmen: Am 8. März wurde die 20‑jährige Vera Çelik im Wahlkreis Seebach gewählt. Die Dentalassistentin aus Zürich‑Seebach zieht für die SP ins Stadtparlament ein.

Çeliks Wahl sorgte nicht nur in der Schweiz für Schlagzeilen. Auch türkische Medien berichteten über den Erfolg der jungen Politikerin mit Wurzeln in der Türkei. Der staatliche Sender TRT schrieb auf Facebook und Instagram, Çeliks Wahl werde von vielen Mitgliedern der türkischen Gemeinschaft in der Schweiz als «wichtiges Zeichen für gesellschaftliche Teilhabe und Vielfalt» gewertet. Zudem hätten die türkische Botschafterin in der Schweiz und der Generalkonsul in Zürich Çelik nach der Wahl telefonisch gratuliert.

«Verrat an ihren kurdischen Parteikollegen»

Der marokkanisch-schweizerische Publizist und Islamwissenschaftler Kacem El Ghazzali kritisierte dies auf der Plattform X scharf: «Indem sie sich von den Handlangern eines Staates feiern lässt, der kurdische Genossen verfolgt und linke Oppositionelle in türkischen Kerkern verrotten lässt, macht sie sich zur nützlichen Statistin einer zynischen Soft-Power-Strategie Ankaras.» Er spricht von einem «Verrat an ihren kurdischen Parteikollegen».

Çelik weist die Kritik zurück: «Mich hat weder die türkische Botschafterin noch der Konsul angerufen», sagt sie auf Anfrage des «Sonntagsblick». Sie habe als Schweizer Politikerin nichts mit der türkischen Politik zu tun. «Meine Wahl in der Stadt Zürich sollte nicht für politische Zwecke anderer Regierungen instrumentalisiert werden.» Fragen des «Sonntagsblick» an das türkische Konsulat und die Botschaft blieben unbeantwortet.

Wegen tiefer Wahlbeteiligung

Während des Wahlkampfs traf sich Çelik mit Suat Şahin, dem Präsidenten der Türkischen Gemeinschaft Schweiz, einer Erdogan‑nahen Organisation. Der Grund für das Treffen sei die sehr tiefe Wahlbeteiligung von Schweizerinnen und Schweizern mit Migrationshintergrund gewesen. «Ich habe mich mit verschiedenen Organisationen getroffen, in denen sich Menschen mit Migrationshintergrund engagieren», erklärt sie. Die politische Haltung von Şahin kenne sie nicht.

Im Gemeinderat will sich Çelik für Themen wie Diskriminierung, Gleichstellung und bezahlbaren Wohnraum für Menschen mit tiefem Einkommen einsetzen. In einer Rede in Biel BE sprach sie sich zudem dafür aus, dass Lehrerinnen in der Schweiz künftig Kopftücher tragen dürfen. In einem Essay für die «Republik» schrieb sie: «Frauen das Kopftuch zu verbieten, ist genauso entmündigend wie es ihnen aufzuzwingen.» (val)

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Zürich in 10 Biografien
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Zürich in 10 Biografien

Johanna Spyri (1827–1901), geborene Heusser, wuchs im Dorf Hirzel über dem Zürichsee auf. Mit vierzehn Jahren kam sie zum ersten Mal nach Zürich, um gute Manieren zu lernen. 1852 heiratete sie den Juristen Bernhard Spyri, der später Stadtschreiber wurde.

quelle: wikimedia
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423 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Bündn0r
15.03.2026 12:24registriert Januar 2018
Ein Symbol der Unterdrückung der Frau tragen und sich für Gleichstellung einsetzen wollen, stellt für mich ein Widerspruch dar.
Wenn die Zürcher Wahlbevölkerung dies versteht und will, ihre Entscheidung.
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ClarkWesterfeld
15.03.2026 12:23registriert Juni 2025
«Frauen das Kopftuch zu verbieten, ist genauso entmündigend wie es ihnen aufzuzwingen.»
Beides greift in die Freiheit der Frau ein, aber es ist nicht dasselbe. Denn: Ein Verbot schützt und wahrt genau vor religiösem oder sozialem Druck.
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Optimus_Maximus
15.03.2026 14:36registriert Juni 2023
Das ist wieder mal der Moment die SP als Linksliberaler zu kritisieren. Warum wird eine solche Person von der SP unterstützt? Säkulare Schule? Schon mal gehört? Sie kritisiert das Kopftuchverbot für Lehrer?
Wenn das Kopftuch ein religiöses Bekenntnis sein soll, dann hat es in der Schule nichts verloren.
Ist es aber lediglich eine Kleidungsgewohnheit, so ist das Verbot lediglich eine Kleidervorschrift, die es in vielen Berufen gibt. Ob Koch oder Bankangestellter - Kleidungsvorschriften gibt es viele. Also Frau Celik: Was ist es für sie? Religiöses Bekenntnis oder bloss Kleidungsgewohnheit?
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