Musik

Jay-Z während der gestrigen Grammy-Verleihung im Staples Center in Los Angeles.  Bild: Keystone/Invision/Matt Sayles

Grammy-Gewinner wollen nicht zahlen

Jay-Z und Timbaland haben Sounds von Basler Jazz-Legende geklaut

Gestern erhielten Jay-Z und Justin Timberlake einen Grammy-Award für das Album «Magna Carta Holy Grail». Ein Sample auf der Platte haben sie vom Basler Jazzmusiker Bruno Spoerri abgekupfert. Der will jetzt Geld sehen.

27.01.14, 11:49 15.07.14, 16:06
Maurice Thiriet, Gelöschter Benutzer

Vor drei Monaten erhielt Bruno Spoerri einen Anruf seines englischen Produzenten Andy Votel. Der bekannte DJ des Labels «Finders Keepers Records» informierte Spoerri darüber, dass der amerikanische Superstar Jay-Z ein 36 Jahre altes Sample Spoerris auf seinem Album «Magna Carta Holy Grail» verwendet und dass er gedenke, mit Jay-Z und seinem Produzenten Timbaland über eine Tantiemen-Abgeltung zu verhandeln. 

Fortsetzung I:

Bruno Spoerry winkt eine Viertelmillion von Jay-Z und Timbaland

Der Basler Jazz-Musiker, dessen Sample unerlaubt auf Jay-Z's Hit-Album gespielt wird, könnte in den USA klagen. So berechnet sich seine mögliche Entschädigung: http://watson.ch/!989559985 

«Die Sache läuft sehr harzig und es sind noch keine konkreten Ergebnisse da», sagt Spoerri. Zwar habe Votel mittlerweile einen teuren amerikanischen Anwalt eingeschaltet, aber Jay-Z und Timbaland versuchten, das Prozedere in die Länge zu ziehen. Mittlerweile habe er genug von dem Hin und Her, er wolle für seine Leistung die Anerkennung, die er verdient habe. «Es geht mir nicht ums Geld, aber ich ärgere mich, dass man andere Musiker einfach als Selbstbedienungsladen betrachtet. Dass Jay-Z nun noch einen Grammy für das Album kriegt, «das lupft mir den Hut», sagt der 78-jährige Spoerri. 

Fortsetzung II

Jay-Z bietet Spoerri 25'000Dollar an

Es kommt Bewegung in die Verhandlungen um Tantiemen für Bruno Spoerri an Jay-Z's Album «Magna Carta Holy Grail»: https://www.watson.ch/!716977373

Der Basler Jazzmusiker Bruno Spoerri. Bild: ZVG

Jay-Z, Timbaland und Spoerri - bleiben Sie am Ball!

Kommt der Basler Elektromusik-Pionier Bruno Sperri noch zu seinem Recht? Liken Sie unsere Facebook-Seite und bleiben Sie auf dem aktuellen Stand, wie es in dem Fall weitergeht:
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Das Sample aus dem Stück «On the Way», das Jay-Z und sein Produzent Timbaland frech und ohne Erlaubnis für den Track «Versus» verwendeten, hatte Spoerri ursprünglich für den Film «Lilith» komponiert, der 1978 Uraufführung hatte. «Die beiden haben nichts verändert, einfach die Tonabfolge um einen halben Ton verschoben und ganz wenig perkussiver gemacht», sagt Spoerri. Das reiche nie im Leben, um zu behaupten, dass es eine Eigenleistung sei. Zur Demonstration zeigt Spoerri watson die beiden Youtube-Videos seines Originals und von Jay-Z's Stück «Versus».

Spoerris Original-Aufnahme «On the Way» von 1978

Jay-Z's Stück «Versus» von 2013

Spoerri, der sich bisher aus Rücksicht auf die laufenden Verhandlungen zurückgehalten hat, will nun den Druck auf die amerikanischen Superstars erhöhen. «Auf rein rechtlichem Weg ist den grossen amerikanischen Labels vermutlich nicht beizukommen», sagt Spoerri. Er ist guten Mutes, dass er letztendlich zu seinem Recht kommt: «Soviel ich weiss, hat Timbaland gegenüber meinem Produzenten Votel eingeräumt, dass er das Sample von mir übernommen hat.»

Bruno Spoerri zum Sample-Klau im Video-Interview

watson hat Bruno Spoerri in seinem Tonstudio im Zürcher Seefeld getroffen. Video: Miguel Tupak Kratzer

Das verantwortliche Produktionslabel Timbaland Productions war wegen des Zeitunterschiedes noch nicht für eine Stellungnahme erreichbar. watson liefert diese nach, sobald sie vorliegt. Es gilt die Unschuldsvermutung. 

Jay-Z nimmt vom Schauspieler Jamie Foxx den Grammy für sein Album «Magna Carta Holy Grail» entgegen.  Bild: Matt Sayles/Invision/AP/Invision

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7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • seebligg 28.01.2014 10:55
    Highlight Ist zwar nur ein Detail am Rande: Ich denke, das Teilstück wurde nachgespielt und nicht gesampelt.
    1 1 Melden
  • fleutel 27.01.2014 23:32
    Highlight Glückwunsch, #Watson, ein spannender Primeur, multimedial gut umgesetzt und der Tagi zitiert vorbildlich!
    10 0 Melden
  • Fräulein Rottenmeier 27.01.2014 20:04
    Highlight Der Skandal ist nicht das Sample, sondern das asoziale Gehabe und die Arroganz dieser Superreichen.
    2 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 27.01.2014 18:59
    Highlight Im Normalfall ist sampling bestimmt nicht klauen. Man nimmt etwas und macht etwas ganz Neues draus. Heutzutage werden Samples im Normalfall oft bezahlt. Das einzige Problem ist hier, dass sich die Herren zu Schade sind, den Basler zu entschädigen.
    7 0 Melden
  • Rafaela Roth 27.01.2014 17:41
    Highlight david gegen goliath - sampling ist klauen, aber dieses klauen hat tradition.
    4 0 Melden
    • UCE 28.01.2014 23:29
      Highlight War mir schon als Musiklehrer an der Oberstufe klar, welch miserablen Einfluss so viele Rapper auf die Kids haben. Bei den Reichen mit der Krawatte auf der Bühne und vor den Kids mit miesesten Texten und Manieren am Schlechtmachen. Da wundere ich mich nicht, dass sie skrupellos klauen. Und so viele Kids machen das ja nach. Sind ja ihre "Vorbilder". Diese Typen grausen mich. Bruno, mach dir die Hände an denen nicht schmutzig. Aber verlange dein Geld. Viel Glück!
      0 0 Melden

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